Lady Gaga - Chromatica - Cover
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Lady Gaga Chromatica


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Dient das erste Großereignins im bisher schwachen Pop-Jahr 2020 als Wirkmittel gegen den Corona-Frust?

Wer in diesem Musikjahr auf der Suche nach echten Highlights und großen Blockbuster-Themen ist, wurde bis jetzt schwer enttäuscht. Denn nach der winterlichen Tristesse kam schon bald das Coronavirus um die Ecke, das dafür sorgte, dass fast alle Superstar-Veröffentlichungen für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt wurden. Auch das sechste offizielle Studioalbum von Lady Gaga wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie verschoben. Dieses sollte ursprünglich am 10. April erscheinen, wurde aber kurzfristig zurückgezogen. Etwas überraschend war dann die Entscheidung, das Werk bereits am 29. Mai auf den Markt zu bringen. Damit ist Lady Gagas „Chromatica“ in diesem Jahr das erste weltweite Großereignis in der Popwelt, während die angekündigten Longplayer von Miley Cyrus, Alicia Keys, Bon Jovi, The Killers, Dixie Chicks, OneRepublic, Sam Smith und Weezer erst einmal auf die lange Bank geschoben wurden.

„Chromatica“ erscheint 3½ Jahre nach „Joanne“ (10/2016). Damit wird nicht nur der bislang größte zeitliche Abstand zwischen zwei Alben erreicht, auch die unfassbare Veröffentlichungsflut der ersten fünf Karrierejahre ist damit endgültig Geschichte. Im Gegenzug soll „Chromatica“ Lady Gagas Liebe zur elektronmischen Tanzmusik wieder stärker hervorheben und den Leuten einfach Spaß bereiten. Dazu wurde wieder Michael „BloodPop“ Tucker (u.a. Post Malone, Vampire Weekend, John Legend, Justin Bieber, Taylor Swift, Madonna) als Produzent geholt, der auch schon „Joanne“ unter seinen Fittichen hatte. BloodPop fungierte dabei als zentrale Figur an den Reglern. Doch wer das Kleingedruckte in den Credits einsieht, entdeckt jede Menge zusätzlicher Kollaborateure wie Max Martin, Skrillex, Tchami, Ryan Tedder, Madeon, Benjamin Rice oder auch Morgan Kibby, die ebenfalls am Gelingen mitwirkten.

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„Chromatica“ als Wirkmittel gegen den Corona-Frust? So ist der (ungewollte) Plan, auch wenn die Clubs noch geschlossen haben, in denen sich zu den pumpenden Elektro-Pop-Songs vom Schlage „Stupid love“, „Free woman“ oder auch „Fun tonight“ feiern und tanzen lässt. Diese werden stets mit üppigen Zutaten aus House, Eurodance, Techno und Trance angereichert sowie von Gastauftritten von Ariana Grande („Rain on me“), Elton John („Sine from above“) und Blackpink („Sour candy“) auf Hochglanz poliert. Der Gaga-Bombast lebt also weiter. Doch kann damit auch die Rückkehr auf den Thron des größten weiblichen Popstars gelingen?

„Chromatica“ gibt sich zumindest alle Mühe, die alte Lady Gaga wiederaufleben zu lassen. Das Ergebnis wirkt zwar bis ins Detail geschliffen, kann es aber nicht mit den bis heute ansteckenden „The Fame“-Melodien aufnehmen. Dafür sind die meisten Tracks Dancefloor-tauglicher denn je, auch wenn sie sich wie im Fall von „Replay“, „Babylon“ und ganz besonders bei „Sour candy“ sehr auffällig am Madonna-Sound der frühen 90er Jahre orientieren. Bis auf „Stupid love“ bleiben die großen Hits allerdings aus und die ach so strahlenden Gaststars gehen in der Produktion fast völlig unter. Damit bleibt von der sechsten Gaga-Platte nicht viel mehr hängen, als das Potenzial, gegen das Coronavirus antanzen zu können, was in diesen Zeiten zumindest ein kleiner Segen ist.

Anspieltipps:

  • Enigma
  • Babylon
  • Fun tonight
  • Stupid love
  • Sine from above
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