Eisenpimmel - XL - Cover
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Eisenpimmel XL


  • Label: Kaputte Jugend/Broken Silence
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Wo wir sind, sind viele Fliegen, weil wir nur saufen und am Bahnhof liegen!

Die angeblich bereits in den 80er Jahren in Duisburg gegründete Punkrockband Eisenpimmel, die ab Mitte der 90er Jahre mit ersten Veröffentlichungen von sich Reden machte, gehört zu großen Mythen der deutschen Musikszene. Wie ein versteckt im Unterholz wachsender Pilz, der wahrlich scheiße aussieht, aber herrlich mundet, gehört die Band stilistisch zu einer ganz merkwürdigen Spezies zwischen Spaßpunk und Sozialkritik.

Auf diese Weise haben sich Siggi Katlewski (Gesang), Bärbel Rotzky (Gesang), Wolle Pannek (Gitarre), Mütze (Gitarre), Karl Arsch (Bass) und Bobo Wirsing (Drums) einen Ruf erarbeitet, der sie als zweitbeste Punkband der Welt, gleich nach den Kassierern aus Wattenscheid, in die Geschichtsbücher eingehen ließ – und das trotz nur unregelmäßiger Plattenveröffentlichungen und noch unregelmäßigeren Live-Aktivitäten. Doch der Mythos Eisenpimmel lebt weiter! Und so beschert uns die Billig-Bier saufende Krawallgruppe nach der großartigen Rock-Oper „Viva La Nix!“ aus dem Jahr 2016 mit „XL“ ein neues Meisterwerk aus dem Mutterland der Gossenlyrik mit elf brandneuen Ruhrpott-Rhapsodien.

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Dargeboten in feinstem igitt-Pottslang und eingebunden in eine erstaunlich druckvolle Produktion von Björn Möhlendick (43), lassen Eisenpimmel das Gemächt amtlich aus der Buxe baumeln und kredenzen dem Hörer nicht nur gut abgehangenen Punkrock („Ode an die Tanke“, „Pfzngscht“), sondern auch Reggae („No Oppaism!“), Ska („Arschritzen Twist“), Polka („Wie kommt der Schuh in diese scheiß Gitarre?“), Rock’n’Roll („Oh yeah“) und Prog-Punk („Zu viel Zeit, zu wenig Weiber“). Damit festigen Eisenpimmel die mit „Viva La Nix!“ in die Höhe geschnellten Ansprüche an ihren Suff-Punk, ohne dabei zu verkrampfen.

Inhaltlich haken Eisenpimmel ihren gewohnte Themengebiete ab. Sie lassen ihre Heimat hochleben („Hello New York“), sie erklären uns, was ein Fotzengesicht ist („Pfzngscht“), sie feiern die Ikonen der Rockmusik („Alter Sänger“) sowie das 24-Stunden-Saufen ab („Ode an die Tanke“) und legen fest, was wirklich sexy ist („Frauen, die Bier trinken“). So wird das Leben einfach und schnell auf den Punkt gebracht, sodass am Ende jeder weiß, was er schon längst geahnt hat: „Punkrock ist besser als Musik!“.

Anspieltipps:

  • Pfzngscht
  • Oh yeah
  • Hello New York
  • Ode an die Tanke
  • Zu viel Zeit, zu wenig Weiber
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