The Killers - Imploding The Mirage - Cover
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The Killers Imploding The Mirage


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Wiedergutmachung von „Wonderful Wonderful“ liegt mit der für dieses Jahr typischen Corona-Verspätung endlich vor.

Wenn etwas im Leben schiefläuft, dann benötigt es einer gewissen Einsicht, um das Ruder wieder herumzureißen. Eine Veränderung muss her! Dieses Einsehen muss man als Künstler nach mehr als 28 Millionen verkauften Alben erst einmal haben. Doch The Killers aus Las Vegas waren reif dafür. Denn der letzte, vor Pomp und Bombast nur so strotzende Longplayer „Wonderful Wonderful“ (09/2017), war mehr als nur ein kreativer Durchhänger. Er war auch ein Zeichen dafür, dass The Killers bzw. Mastermind Brandon Flowers etwas ändern mussten, um ihren Fokus wieder auf die Art von Musik zu lenken, wie die Band sie am Anfang ihrer Karriere abgeliefert hat.

In dieser Situation erkrankte ausgerechnet die Ehefrau von Brandon Flowers an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Also zog er mit seiner Familie zurück in seine Heimat, ins ländliche Utah, wo die Uhren definitiv anders gehen, als im überdrehten Las Vegas. So wurde Utah der Nährboden für eine Rückbesinnung. Denn die Folgen von „Wonderful Wonderful“ waren auch, dass Gitarrist David Keuning aktuell als Killers-Mitglied pausiert und seit geraumer Zeit auf Solopfaden wandelt, weil „Wonderful Wonderful“ absolut nicht sein Ding war. Zudem fiel der Einfluss von Bassist Mark Stoermer auf das Songwriting für den „Wonderful Wonderful“-Nachfolger eher gering aus. Deshalb mussten Brandon Flowers und Ronnie Vannucci Jr. (Drums) das neue Album zwischenzeitlich als Duo wuppen.

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Dieses, ursprünglich für Mai geplante sechste Studioalbum namens „Imploding The Mirage“, wurde in Los Angeles, Las Vegas und in Brandon Flowers Heimstudio in Park City, Utah, aufgenommen und von Shawn Everett und Jonathan Rado (Foxygen) co-produziert. Darüber hinaus war neben Stuart Prize, Mike Crossey, Ariel Rechtshaid auch wieder Alex Cameron als externer Songwriter beteiligt. Dieser lieferte bereits für „Wonderful Wonderful“ fünf Tracks ab und war nun auf „Imploding The Mirage“ an vier Stücken beteiligt. Und weil das scheinbar noch nicht genug war, holten sich The Killers mit Lindsey Buckingham (Fleetwood Mac), K.D. Lang, Natalie Mering alias Weyes Blood, Adam Granduciel (The War On Drugs) sowie Blake Mills auch noch ein paar Gaststars ins Studio.

Eine echt volle Hütte für ein, wenn man so will, künstlerisches Comeback, das aus der Not der äußeren Umstände eine Tugend gemacht hat. Der Ausrutscher „Wonderful Wonderful“ ist jedenfalls schnell vergessen, wenn The Killers ihre großen musikalischen Gesten mit vollen Händen verteilen. So ist ihr Sound zwar immer noch tief in den 80er Jahren verortet („Fire in bone“) und ja, sie mögen es auch weiterhin knallbunt („My own soul’s warning“) und theatralisch („Blowback“), doch am Stück genossen klingt das Ganze wieder ähnlich fokussiert wie auf den ersten beiden Alben der Amerikaner. Will heißen: Für eine geniale Melodie wie in „My god“ würde Brandon Flowers jederzeit seine Großmutter verkaufen und niemand in der aktuellen Szene kann so gut Bruce Springsteen, U2 und die Simple Minds miteinander verquirlen, dass am Ende noch ein brauchbarer Song dabei herauskommt („Dying breed“).

Auf diese Weise gelingt den Killers die erhoffte Wiederauferstehung mit zehn Songs, die in ihren dick aufgetragenen Synthie-Kleidchen immer auf der Suche nach der ganz großen Melodie sind und diese auch erstaunlich oft finden. In der ersten Albumhälfte gelingt dies sogar noch einen Tick überzeugender als im zweiten Teil, wo sich mit „When the dreams run dry“ und dem Titeltrack zwei nicht so starke Stücke tummeln. Doch auch so ist „Imploding The Mirage“ eine überzeugende Rückkehr geworden, die Popmusik in überschäumender Fröhlichkeit zelebriert und damit nach Taylor Swifts „Folklore“ (07/2020) das zweiter Sommer-Pop-Highlight in diesem Jahr darstellt.

Anspieltipps:

  • Caution
  • Blowback
  • Dying breed
  • Lightning fields
  • My own soul’s warning
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