Bob Dylan - Rough And Rowdy Ways  - Cover
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Bob Dylan Rough And Rowdy Ways


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 71 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach acht Jahren Pause bringt Bob Dylan erstmals wieder ein Album mit neuen Songs auf den Markt.

Dieser 19. Juni 2020 ist zur Abwechslung ein sehr interessanter VÖ-Tag, weil an ihm gleich zwei der großen, alten Helden neue Studioalben auf den Markt bringen: Neil Young (74) und Bob Dylan (79). Der Unterschied: Mr. Young kramte für „Homegrown“ unveröffentlichtes Liedgut aus dem Jahr 1975 aus der Schublade, um es jetzt im Rahmen seiner Archiv-Reihe zu veröffentlichen, während Bob Dylan auf „Rough And Rowdy Ways“ mit den ersten neuen Eigenkompositionen seit acht Jahren, also seit dem „Tempest“-Longplayer (09/2012), um die Ecke kommt. Spannend sind sicher beide Alben, doch vor die Wahl gestellt, gewinnt das Werk mit dem aktuellen Songmaterial, weil es ungleich herausfordernder ist, was Bob Dylan auf seinem 39. Studioalbum über die Lage der Welt zum Besten zu geben hat.

Für das, was Bob Dylan zu sagen hat, nimmt er sich auf „Rough And Rowdy Ways“ viel Zeit. 71 Minuten für zehn Songs sind eine klare Ansage, wobei allein der auf einer zweiten CD untergebrachte Track „Murder most foul“ auf fast 17 Minuten kommt. Letzter gehört, ebenso wie „False prophet“ und „I contain multitudes“, zu den vorab ausgekoppelten Singles, mit denen die Dylan-Fans auf das Alterswerk des Songwriters eingestimmt wurden. Schon bei diesen drei Stücken wurde klar, dass es Robert Allen Zimmerman seinen Hörern nicht leichter machen würde als in den 60er Jahren, als seine Texte genau wie heute aufwendig entschlüsselt werden mussten, weil der Meister selbst keine Chiffriermaschine mitliefert.

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So spannt Dylan einen ziemlich großen Bogen und singt von der eigenen Endlichkeit, Stationen der Menschheitsgeschichte und den damit verbundenen Referenzen an die aktuelle gesellschaftspolitische Landschaft. Musikalisch musste er sich dazu nicht neu erfinden. Wozu auch? Als gewohnt knorrige Stimme Amerikas legt sich der 79-Jährige seine Themen zurecht und verpackt diese bei einer durchgehend düsteren Stimmung in melancholischen Blues, Rock, Jazz, Folk, Tex-Mex und Gospel. Dazu holte er sich neben seiner üblichen Band Unterstützung von Kollegen wie Fiona Apple, Benmont Tench und Blake Mills sowie Produzent Chris Shaw (u.a. Wilco, Jeff Buckley, Soul Asylum, Sheryl Crow, Super Furry Animals, Death Cab For Cutie, Lou Reed, Joss Stone).

Das lange Warten auf neue Dylan-Songs hat sich gelohnt! Denn auf „Rough And Rowdy Ways“ gibt es keine schwachen Stücke oder Füllmaterial. Stattdessen liefert Dylan eine konzentrierte Leistung ab, die neben dem schon genannten Monumentaltrack „Murder most foul“ weitere Highlights wie die staubigen und gut abgehangenen Bluessongs „False prophet“ und „Crossing the Rubicon“, die düstere Lagerfeuererzählung „Black rider“, die herzergreifende Ballade „I’ve made up my mind to give myself to you“ und das launig vorgetragene „Goodbye Jimmy Reed“ bereithält. Damit liefert Bob Dylan tatsächlich noch einmal ein spätes Referenzwerk ab, das abgesehen von der mageren Grundausstattung (sehr dünnes Digipak, kein Booklet und damit auch keine Texte und neuen Bilder) musikalisch voll zu überzeugen weiß.

Anspieltipps:

  • False prophet
  • Murder most foul
  • Goodbye Jimmy Reed
  • Crossing the Rubicon
  • I’ve made up my mind to give myself to you
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