Matthias Schweighöfer - Hobby - Cover
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Matthias Schweighöfer Hobby


  • Label: Airforce1/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
2/10 Leserwertung Stimme ab!

Drei Jahre nach seinem Top-5-Debüt „Lachen Weinen Tanzen“ hat der Schauspieler mit „Hobby“ ein weiteres Album aufgenommen.

Wer Matthias Schweighöfer (39) lediglich als sympathischen Darsteller aus zumeist komödiantischen Filmen ohne viel Tiefgang wie „Keinohrhasen“ (2007), „Zweiohrküken“ (2009), „Friendship!“ (2010), „Schlussmacher“ (2013), „Der Nanny“ (2015) oder auch „100 Dinge“ (2018) wahrnimmt, der unterschätzt den im mecklenburgischen Anklam geborenen Mimen. Schweighöfer entstammt einer Schauspieler-Familie, wodurch sein Weg bis zu einem bestimmten Punkt vorbestimmt scheint. Er begann nach dem Abschluss der Schule eine Schauspielkarriere und drehte schon mit 16 Jahren seinen ersten Fernsehfilm. Mit 20 gelang ihm der Sprung ins Kino und inzwischen klopft sogar Hollywood an.

Matthias Schweighöfer hat sich neben der Schauspielerei, ähnlich wie sein häufiger Kino-Sidekick Til Schweiger (56), zu einem echten Tycoon der deutschen Filmbranche entwickelt, indem er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Erscheinung tritt. Dazu braucht es einen guten Riecher, Geschäftssinn und einen klaren Blick für das große Ganze. Think big and outside the box! Und deshalb singt er jetzt auch noch. Um genau zu sein, eigentlich schon seit 2014, als er zum „Der Nanny“-Soundtrack den Song „Fliegen“ beisteuerte. So richtig ernst wurde es aber vor drei Jahren, als Schweighöfer sein Debütalbum „Lachen Weinen Tanzen“ (02/2017) auf den Markt brachte und damit auf Anhieb die Top 5 der deutschen Charts erreichte.

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Nun hat Schweighöfer mit „Hobby“ ein weiteres Album aufgenommen, das für ihn als Therapie und Ventil dienen, aber auch klarmachen soll, dass die Musik vom Hobby zur Berufung geworden ist. Darüber klärt er den Hörer im Opener „Anfang“ erst einmal mit einer Art flüsterndem Sprechgesang zu dezenten Electro-Klängen ausführlich auf, was sich wie eine Rechtfertigung hinsichtlich der zu erwartenden Kritiken anhört. Ein Kollege schrieb: „Wer die Filme von Matthias Schweighöfer kennt, weiß auch wie seine Musik klingt“. Und tatsächlich suhlt sich auch „Hobby“ in dieser unverbindlichen Welt der schweighöferschen Leinwand-Komödien, auch wenn man dem 39-Jährigen in seinen Texten durchaus eine authentische und ehrliche Basis zugestehen muss.

Musikalisch hingegen wird jeglicher Tiefgang vermieden, was in Bezug auf Popmusik völlig okay ist, solange ein gewisses Mindestmaß an Qualität nicht unterboten wird. So ist die Produktion mit fetten HipHop-Beats („BEEM“), netten Melodien („Lauf“), etwas Electronica und Trap („Melodie“) und einem hohen Balladenanteil („Ins Licht“) absolut auf der Höhe der Zeit, während Schweighöfer stimmlich keine Bäume ausreißt. Was dabei auffällt: Matthias Schweighöfers vereint mit Til Schweiger, dass beide einen ganzheitlichen Blick auf Kinofilme haben, in denen Musik für beide eine zentrale Rolle spielt, um Bilder und Gefühle stärker wirken zu lassen. Dadurch klingen seine Songs oft wie solche aus den Soundtracks seiner Filme („Zeit“), womit einhergeht, dass die Grenze zum Kitsch gerne mal überschritten wird („Sonnenberg“).

So bleibt zu konstatieren, dass ein Album wie „Hobby“ nur aufgrund seines berühmten Protagonisten automatisch eine hohe Aufmerksamkeit erhält, ohne dass die 15 Songs diesen Vorschuss auch nur ansatzweise rechtfertigen können. Viel mehr würde wohl jeder Newcomer mit diesen Stücken bei einer Plattenfirma abschmieren, weil sie im Vergleich zu all den Forsters, Giesingers, Bouranis, Cluesos und Co. ganz einfach nicht genügend Potenzial mitbringen. Ein findiger A&R-Mann hätte hier wohl dringend ein Duett mit Sido angeregt, um „die Single-Charts zu knacken“. Der Rest kommt dann ganz von alleine.

Anspieltipps:

  • Türkis
  • BEEM
  • Ins Licht
  • Sonnenberg
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