Metallica - S&M² - Cover
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Metallica S&M²


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 144 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
9.2/10 Leserwertung Stimme ab!

21 Jahre nach dem ersten Sado-Maso-Streich kombinieren Metallica ein zweites Mal Heavy Metal mit einem klassischen Orchester.

Dass viele Pop- und Rockstars schon immer davon begeistert waren, wenn sie mit einem klassischen Orchester zusammenarbeiten können, zeigt sich nicht nur bei dem üblichen Klassik-Kleister, der bei Studioproduktionen über die Songs gezogen wird. Ab und an packt die Damen und Herren der leichten Muse aber auch der Größenwahn. Dann wird das Orchester-Ensemble nicht nur als Hintergrundbeschallung gebucht, sondern für das ganz große Kino. Will heißen: Dann wird das Orchester live oder im Studio so in die Songgestaltung integriert, dass ein mehr oder weniger gleichberechtigtes Gebilde entsteht, das E- und U-Musik verheiratet. Klingt in der Theorie interessant, ist in natura aber selten ein allzu großes Vergnügen. Doch das hält die Metal-Ikonen Metallica nicht davon ab, genau diesen „Metal meets Classic“-Ritt nach 1999 („S&M“) ein zweites Mal durchzuziehen. Schmerzlich willkommen: „S&M²“!

S&M“ alias „Symphony & Metallica“ verkaufte sich bis heute mehr als 7,5 Millionen Mal. Nicht schlecht für ein Projekt, bei dem die Band und das San Francisco Symphony Orchestra die meiste Zeit entweder nebeneinander her und gegeneinander anspielten und nur selten wie eine echte Einheit klangen. Zudem stand der Verwurf der bewussten Kommerzialisierung im Raum, indem sich Metallica mit einem weichgespülten Produkt dem Mainstream anbiederten. Doch was solche Vorwürfe betrifft, waren Metallica schon immer mit Teflon beschichtet. Und so legen James Hetfield (Gesang, Gitarre), Lars Ulrich (Drums), Kirk Hammett (Gitarre) und Robert Trujillo (Bass) einfach eine Fortsetzung ihres „Metal meets Classic“-Projekts vor.

„S&M²“ wurde wie schon sein inzwischen 21 Jahre alter Vorgänger an zwei Tagen, am 6. und 8. September 2019 vor jeweils 16.000 Besuchern im neueröffneten San Francisco Chase Center in Mission Bay aufgenommen. Die Arrangements stammen von Bruce Coughlin, produziert hat Greg Fidelman (Slipknot, Slayer, Red Hot Chili Peppers, Jet, Black Sabbath) und der Leitung von Michael Tilson Thomas und Edwin Outwater, die die 80 Musiker des San Francisco Symphony Orchestra dirigierten. Dabei herausgekommen ist ein 2½-stündiges Konzerterlebnis, das Metallica als Doppel-CD, DVD, Blu-ray, Blu-ray/CD-Kombo, DVD/CD-Kombo, 4 LP-Box sowie als Deluxe Box vermarkten.

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Die Frage im Zusammenhang mit „S&M²“ lautet: Haben Metallica aus den Reaktionen auf das 1999er „S&M“-Album gelernt und alte Fehler abgestellt? Die Antwort lautet: Jein! So schafften es zwar mit „All within my hands“ von „St. Anger“ (06/2003), „The day that never comes“ und „The unforgiven III“ von „Death Magnetic“ (09/2008) sowie „Confusion“, „Moth into flame“ und „Halo on fire“ von „Hardwired... To Self-Destruct“ (11/2016) ein halbes Dutzend Tracks neu ins Programm, doch das zu erwartende Pflichtprogramm fiel mit Klassikern wie „Master of puppets“, „Enter sandman“, „Nothing else matters“ oder auch „For whom the bell tolls“ gewohnt üppig aus. Dazu kam die übliche Garnitur aus Kult-Stücken wie „(Anesthesia) pulling teeth“, „One“ und „The call of Ktulu“. Hier wäre nicht nur theoretisch etwas mehr Mut möglich gewesen.

Abgesehen davon, klingt „S&M²“ nicht nur aufgrund der ausgetauschten und damit viel frischeren Songs anders als das Original aus dem Jahr 1999. Das Liedmaterial wurde anders arrangiert und das Orchester stärker integriert, um den Effekt des aneinander vorbei Spielens zu reduzieren. Zudem durfte sich das Orchester zwei Stücke wünschen, die es in die Setlist eingliederte. Die Wahl fiel auf einen Satz aus Sergei Prokofjews „Skythischer Suite“ aus dem Jahr 1916 und auf „Die Eisengießerei“ von Alexander Mosolov aus dem Jahr 1928. Damit haben James Hetfield, Robert Trujillo, Kirk Hammett und Lars Ulrich getan was sie konnten, um einen Mittelweg aus „S&M“ und „S&M²“ herzustellen. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch der Faktor „Publikum“, das totgenudelte Tracks wie „The memory remains“ scheinbar alleine ins Ziel trägt. So fällt „S&M²“ überraschend runder aus, als es zu erwarten war.

„Rund“ ist auch das Stichwort für all diejenigen, die sich über ein Werk wie dieses aufregen, weil es den Mainstream bedient und nichts mit puristischem Thrash Metal zu tun. Doch damit haben Metallica schon seit 30 Jahren nicht mehr viel am Hut, auch wenn sie es auf ihren letzten beiden Studioalben fast schon krampfhaft versuchten. Die Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen, was sowohl Fluch als auch Segen darstellt. Denn auf diese Weise geriet Metallicas zweiter Ausflug in die Klassik tatsächlich anders und besser, weil das Konzert von der Erfahrung und einer anderen Dynamik lebt und damit für wesentlich entspannteren Mienen sorgt.

Anspieltipps:

  • One
  • Confusion
  • Moth into flame
  • Master of puppets
  • All within my hands
  • (Anesthesia) pulling teeth
  • The day that never comes
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