Madsen - Na Gut Dann Nicht  - Cover
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Madsen Na Gut Dann Nicht


  • Label: Arising Empire/EDEL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit reichlich Corona-Wut im Bauch haben Madsen ein Punkalbum aufgenommen.

Nachdem Madsen erst im Februar dieses Jahres mit „Lichtjahre: Live“ die Nachlese ihres bis dato letzten Studioalbums „Lichtjahre“ (06/2018), das wie schon die beiden Vorgänger die Top 5 der deutschen Longplay-Charts knackte, vom Stapel ließ, legen die niedersächsischen Krawallmacher mit „Na gut dann nicht“ schon wieder ein neues Eisen ins Feuer. Im Prinzip sogar zwei. Denn ein bereits fertig geschriebenes Album landete erst einmal wieder im Tresor, als das Coronavirus die Pläne aller Menschen und damit auch die von Madsen durcheinanderwarfen. Stetig wachsender Frust, Wut und Langeweile mussten irgendwie kompensiert werden. Was gibt es dazu Besseres, als sich die Gitarren umzuschnallen und ein paar Punkrocksongs rauszuballern?

Also enterten Johannes, Sebastian und Sascha Madsen sowie Niko Maurer und Lisa Nicklisch ihr Heimstudio und ließen ihrem wiedererblühten Verlangen nach „Schneller, lauter, härter“ freien Lauf. In gerade einmal zwei Wochen war ein komplettes Album in trockenen Tüchern, mit dem die Wendländer ihre Wurzeln wiederentdecken. Das bedeutete, eine Interpretation des deutschsprachigen Punkrock der frühen 80er Jahre (Slime, etc.) mit dem typischen Madsen-Humor zu kombinieren („Protest ist cool, aber anstrengend“), um quasi einer alten Tradition treuzubleiben: Die Hörerschaft in zwei Lager zu spalten.

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Auch wenn sich Madsen in inzwischen 15 Jahren in Rock-Deutschland etabliert haben, schafft die Band mit fast jedem Album das Kunststück, Ablehnung und Zustimmung gleichermaßen auf sich zu vereinen. „Na gut dann nicht“ macht da keine Ausnahme. Denn was Madsen mit rauen Klängen („Supergau“), schnittigen Riffs („Herzstillstand“) und rotziger Attitüde („Na gut, dann nicht“) genau richtig machen, reißen sie im Anschluss in regelmäßiger Abfolge mit möchtegern-lustigen Texten („Trash TV“, „Alte weiße Männer, Behalte deine Meinung“) und fragwürdigen Gesangsleistungen („Quarantäne für immer“, „Auf deinem Balkon“) mit dem Hintern wieder ein.

Auf diese Weise kommt bei Madsens Punkrockausflug nie die große Euphorie auf, auch wenn die Ideen hinter den Songs sehr gut nachvollzogen werden können. Es ist vielmehr ein Wechselbad der Gefühle und am Ende eben kein Punkalbum mit der Konsequenz, die Madsens Vorbilder in den 80er Jahren an den Tag gelegt haben, sondern nur eine vertonte Laune einer Band, der im Frühsommer ein bisschen langweilig war.

Anspieltipps:

  • Supergau
  • Herzstillstand
  • Na gut, dann nicht
  • Wenn du am Boden liegst
  • Protest ist cool, aber anstrengend
  • Credit Header-Bild: Dennis Dirksen

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