Rammstein - Herzeleid XXV - Cover
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Rammstein Herzeleid XXV


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Rammstein. Ein Mensch brennt. Rammstein. Fleischgeruch liegt in der Luft. Rammstein. Ein Kind stirbt. Rammstein. Die Sonne scheint.“

Als die Ost-Berliner Band Rammstein vor einem Vierteljahrhundert (unglaublich wie die Zeit vergeht) auf der Bildfläche erschien, wusste die Fachpresse erst einmal wenig mit dem Sound, den Texten und dem Gehabe des Sextetts anzufangen. Am ehesten ließen sich die Herren der damals noch frischen Genre-Erfindung „Neue deutsche Härte“ zuordnen, auch wenn die Band nicht nur lyrisch deutlich subtiler unterwegs war, als die meisten Genre-Kollegen. Sämtliche Bandmitglieder brachten jahrelange Erfahrungen mit vorherigen Projekten, was die Suche nach einem neuen, gemeinsamen Stil spannend gestaltete und – was heute viele nicht mehr wissen – einige Anlaufzeit benötigte, um auch kommerziell zu performen.

So stieg das von dem schwedischen Produzenten-Duo Jacob Hellner und Carl-Michael Herlöffson (u.a. Clawfinger, Mustasch, Emigrate, Delain, Entombed, Covenant) betreute und von Toningenieur Ronald Prent (Depeche Mode, Elton John, Iron Maiden, Scorpions, Herbert Grönemeyer) abgemischte Debütwerk „Herzeleid“ (09/1995) auf einem ziemlich enttäuschenden 99. Rang in die deutschen Album-Charts ein, erregte aber trotzdem Aufmerksamkeit, weil die Herren Christoph Schneider (Schlagzeug), Christian Lorenz (Keyboards), Till Lindemann (Gesang), Paul Landers (Gitarre), Oliver Riedel (Bass) und Richard Kruspe (Gitarre) eine ziemlich provokante Mischung aus tanzbarem Crossover-Metal und schockierenden Texten darboten, die von Sänger Till Lindemann zu allem Übel mit rollendem R beflügelt wurden. Auch das Cover mit seiner Nazi-Symbolik in „Herrenmenschen-Optik“ kam nicht gut weg und rief diverse Kritiker auf den Plan. Damit waren Rammstein Gesprächsthema Nummer eins, aber lange noch keine Megaseller.

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Doch Rammstein gaben nicht auf und schon mit „Sehnsucht“ (08/1997) gelang ihnen der kommerzielle Durchbruch. Davon profitierte auch das „Herzeleid“-Album, das wieder in die Charts einstieg, als höchste Position den sechsten Platz erreichte und weltweit bis dato rund 1,4 Millionen Mal verkauft wurde. Grund genug also, um den inzwischen 25 Jahre alten Longplayer klangtechnisch aufzufrischen und in neuer Deluxe-Verpackung als Jubiläumsedition neu in die Läden zu bringen. Doch Obacht: Vergleichbar mit den sonst üblichen Jubiläumseditionen ist „Herzeleid“ kaum, da kein Wert auf Brimborium gelegt wurde. So verläuft die Suche nach Bonus-Tracks oder anderen Zugaben erfolglos. Was der Käufer erhält, ist das reine 1995er Album, nur eben in wuchtigerem und etwas differenzierterem Sound.

Doch auch das allein ist ein Vergnügen, da „Herzeleid“ aus heutiger Sicht mit Hits nur so gespickt ist und noch einmal das Gefühl zurückbringt, als der Hörer erstmals mit der kranken Phantasie von Till Lindemann konfrontiert wurde, die sich u.a. mit Liebe („Sex ist eine Schlacht. Liebe ist Krieg. Ihr wollt doch auch den Dolch ins Laken stecken. Ihr wollt doch auch das Blut vom Degen lecken“ – aus „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen“), Romantik („Jetzt stehst du da an der Laterne mit Tränen im Gesicht. Das Tageslicht fällt auf die Seite. Der Herbstwind fegt die Straße leer. Komm in mein Boot. Ein Sturm kommt auf und es wird Nacht. Wo willst du hin? So ganz allein treibst du davon. Wer hält deine Hand, wenn es dich nach unten zieht? Wo willst du hin? So uferlos die kalte See“ – aus „Seemann“), Horror („Du auf dem Schulhof. Ich zum Töten bereit. Und keiner hier weiß von meiner Einsamkeit. Rote Striemen auf weißer Haut. Ich tu dir weh und du jammerst laut“ – aus „Weißes Fleisch“) und bloßer Provokation („Rammstein. Ein Mensch brennt. Rammstein. Fleischgeruch liegt in der Luft. Rammstein. Ein Kind stirbt. Rammstein. Die Sonne scheint“ – aus „Rammstein“) befasst.

Fazit: Auch wenn die Neuauflage von „Herzeleid“ etwas schmalbrüstig daherkommt und nach schneller Kasse riecht, macht dies in Bezug auf die Musik keinen Unterschied. Rammstein streuten ihre irre Saat unters Volk, die nach einiger Anlaufzeit satte Früchte trug und heute der erfolgreichste Musik-Export Deutschlands ist. Erstaunlich! Denn was anfangs als dumpfe Metal-Marschmusik mit kranken Texten verschrien wurde, hat sich zu einer Kunstform etabliert, an der jegliche Kritik abprallt. So kann’s gehen. In diesem Sinn: Heirate mich!

Anspieltipps:

  • Seemann
  • Rammstein
  • Asche zu Asche
  • Du riechst so gut
  • Wollt ihr das Bett in Flammen sehen
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