AC/DC - Power Up - Cover
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AC/DC Power Up


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wo AC/DC draufsteht, ist auch AC/DC drin. Wem dies als Kaufargument reicht, darf sich über ein paar nette Tracks freuen und das Album bei einem Schluck Bier durchwinken.

Die vergangenen Jahre lesen sich in den Rock-Geschichtsbüchern wie das schleichende Ende einer der größten Bands aller Zeiten: AC/DC. Klar, die Herren Brian Johnson (Gesang), Angus Young und Stevie Young (Gitarre) sowie Cliff Williams (Bass) und Phil Rudd (Drums) werden nun mal nicht jünger und die Probleme deshalb nicht geringer, aber dennoch: Die geballte Form, mit der die Australier mit Rückschlägen zu kämpfen hatten, war schon enorm. Schauen wir deshalb einmal zurück: Als vor sechs Jahren das „Rock Or Bust“-Album (11/2014), sah die Zukunft für die Urgesteine des Hardrock alles andere als gut aus. AC/DC gaben im April 2014 bekannt, dass Gründungsmitglied und Songschreiber Malcolm Young an Demenz erkrankt war und die Band verlassen hatte. Er verstarb am 18. November 2017 an den Folgen der heimtückischen Krankheit.

Schlagzeuger Phil Rudd (66) war zwischenzeitlich im wahrsten Sinne des Gesetzes auf die schiefe Bahn geraten und kämpfte zudem mit Drogenproblemen. Er verließ die Band zum bereits dritten Mal und wird erst seit September 2020 wieder als offizielles Mitglied geführt. Noch schlimmer traf es Sänger Brian Johnson (73). Dieser musste die „Rock Or Bust“-Tour im Jahr 2016 abbrechen, weil die Gefahr zu ertauben bestand. Eine Rückkehr schien ausgeschlossen und Angus Young (65) ersetze ihn durch Axl Rose (58) von Guns N´ Roses für die restlichen Konzerte. Nach diesen verabschiedete sich Cliff Williams (70) in den Ruhestand, sodass AC/DC auf dem Papier quasi erledigt waren. Doch da haben wir alle die Rechnung ohne Angus Young gemacht!

Der legendäre Gitarrist begann schon 2017 damit, sich durch sein Archiv zu wühlen, um nach brauchbarem Material zu suchen. Danach trommelte er die Band zusammen und alle kamen. Sogar Brian Johnson, der durch den Einsatz moderner Technik wieder hören und singen kann. Die Jungs machten sich also an die Arbeit und Ende 2018 hatten sie einen kompletten Longplayer fertig, der 2019 erscheinen sollte. Sogar eine neue Tour wurde ins Auge gefasst. Die Planungen zogen sich allerdings hin und nachdem die Band sich noch einen Urlaub gegönnt hatte, klopfte plötzlich Gevatter Corona an die Tür und alle Pläne wurden auf Eis gelegt. Wie schön, dass AC/DC sich nun entschlossen, das fertige Werk nicht noch länger zurückzuhalten, um allen Rock-Jüngern eine Power-Kur gegen COVID-19 zu verabreichen.

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Das erneut von Brendan O`Brien (Korn, Pearl Jam, The Killers, The Offspring, Bruce Springsteen, Seether, Mastodon) produzierte 16. internationale Album der Band wurde aber schon im Vorfeld mit einer ollen Kamelle konfrontiert. Denn das Argument, dass es sich AC/DC leisten können, seit mehr als vier Jahrzehnten mit den immer gleichen Riffs und Hooklines um die Ecke zu kommen, stimmt mit Blick auf ihre zahlreichen Klassiker und die vielen mindertalentierten Nachahmern schlicht und ergreifend nicht. Deshalb ist die erste „Power Up“-Singleauskopplung „Shot in the dark“ auch ein echtes Armutszeugnis. Ein Song, der irgendwie auf Nummer sicher gehen will, dabei aber nichts zu bieten hat, was auch nur irgendwie für Eindruck sorgt. Eine Enttäuschung!

Mit dem Song im Ohr und den Blick auf die aktuellen Pressefotos beschleicht es einen dann doch: Alt ist er geworden, der Angus. Und dies drückt sich auch in den meisten Songs von „Power Up“ aus. Leider. Denn mehr als lässige Routine, ein paar nette Riffs („Witch’s spell“) und einen hervorragend wiederhergestellten Brian Johnson („Demon fire“) können die rund 41 Minuten nicht bieten. Das sollte der Hörer erst mal sacken lassen – und sich die Fanboys nicht unnötig schönreden. So ist es bezeichnend, dass ein Track wie „Through the mists of time“ mit ungewöhnlich weichgespülten Mainstream-Harmonien zu den Favoriten des Albums zählt, während die Band ansonsten nur die üblichen Standard-Tunes abruft („Wild reputation“).

Ja, wo AC/DC draufsteht, ist auch weiterhin AC/DC drin. Wem dies als Kaufargument reicht – und das werden die meisten sein! – wird sich über ein paar nette Tracks freuen und das Album bei einem Schluck Bier durchwinken. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere aber auch an die zahllosen Großtaten dieser Band und wagt einen Vergleich mit den hier vorliegenden Songs. Dann dürfte der Schluss nicht weit liegen, dass „Power Up“ im Prinzip nur durchschnittliche Songs bietet, die zwar an Härte kaum etwas vermissen lassen, aber hinsichtlich der Hooklines nichts reißen können. So hält sich der Spaß arg in Grenzen.

Anspieltipps:

  • Code red
  • Demon fire
  • No man’s land
  • Through the mists of time
  • Kick you when you’re down

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