Paul McCartney - McCartney III - Cover
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Paul McCartney McCartney III


  • Label: Capitol/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

McCartneys Lockdown-Album klingt wie ein Befreiungsschlag. Dabei sind wir noch längst nicht über den Berg, denn „Dinosaurs and Santa Claus will stay indoors tonight“.

Kurz vor Jahresende ereilt die Musikwelt dann doch ein Höhepunkt in einem von Corona gebeutelten Jahr: Sir Paul McCartney bringt mit „McCartney III“ den dritten Teil seiner losen Solo-Home-Recording-Reihe heraus, die den Kreis nach „McCartney I“ (04/1970) und „McCartney II“ (05/1980) schließen und vielleicht zum letzten Mal kommerziell so richtig angreifen soll. Denn das selbsternannte Ziel ist nicht mehr und nicht weniger Platz eins in den Charts. Schön, wenn man auch im hohen Musikeralter noch Träume hat.

Aus diesem Grund wurde die Veröffentlichung auf den letztmöglichen Termin des Jahres geschoben, an dem die Konkurrenz äußerst überschaubar sein dürfte. Zudem hofft der 78-Jährige auf das finanzielle Engagement seiner treuen Fans, die sich sein neues Album gleich mehrfach kaufen sollen. Das ist zwar etwas fies, könnte aber bei der Old-School-Generation, die Tonträger noch physisch erwirbt, aufgehen. Denn Old Paule hat sich überlegt, „McCartney III“ gleich in 17 (!) verschiedenen Versionen auf den Markt zu bringen, die sich nicht nur durch ihre Dreingaben unterscheiden, sondern in Teilen auch dadurch, dass die Ausgaben mit einem anderen Bonustrack daherkommen.

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Aus dem ursprünglichen Plan, lediglich den alten Track „When winter comes“ aus den 90er Jahren für einen Soundtrack aufzupolieren, wurde eine tägliche Routine. Und so nutzte McCartney – wie viele andere Musiker – den Lockdown, um auf seiner Farm im heimischen Sussex an neuen Songs zu arbeiten. Dabei wurden vor allem unvollendete Arbeiten ausgegraben, die der Beatle Stück für Stück finalisierte und anschließend die Instrumente dazu aufnahm. So puzzelte sich Paul McCartney quasi spontan ein Album zusammen, das überhaupt nicht geplant war, aber so manchem Fan das Jahresende versüßen könnte.

Während McCartney auf „McCartney I“ das Ende der Beatles und auf „McCartney II“ die Auflösung der Wings verarbeitete, ist es auf „McCartney III“ nun also die vertonte Beschäftigungstherapie des Lockdowns, die ursprünglich nur zur eigenen Belustigung gedacht war. Jetzt ist es tatsächlich ein fertiges Album, das auf eine aufgeblasene Produktion verzichtet und keine zusätzlichen Produzenten-Köche, die das Ergebnis eh nur verwässern, ins Spiel bringt. Dies spiegelt sich in einem reduzierten („Deep down“) und mitunter sehr rauen Klanggebilde („Slidin“) wider, das zwar immer typisch nach McCartney klingt („The kiss of Venus“, „Seize the day“), aber unerwartete Facetten wie Blues, Boogie und Rock zulässt.

Fazit: Während Paul McCartneys letzte Werke über weite Strecken von seinem Ikonen-Bonus zehrten und krampfhaften Anschluss an das aktuelle Pop-Geschehen suchten, klingt „McCartney III“ wie ein grundehrlicher Befreiungsschlag, bei dem die Kunst im Weglassen, in der Lust zu experimentieren und darin liegt, die schwindende Stimmkraft nicht zu kaschieren. So wirkt „McCartney III“ sowohl bodenständig, als auch verspielt und im Ergebnis eines Songschreibers wie Paul McCartney würdig.

Anspieltipps:

  • Slidin
  • Deep down
  • Lavatory lil
  • Deep deep feeling
  • The kiss of Venus
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