Moby - Reprise - Cover
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Moby Reprise


  • Label: Deutsche Grammophon
  • Laufzeit: 71 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Reprise“ richtet Moby einen orchestralen Liebesbrief an seine eigene Karriere.

Der amerikanische DJ, Produzent und Remixer Richard Melville Hall alias Moby (55) ist seit mehr als 30 Jahren in der elektronischen Musikszene aktiv und einer der erfolgreichsten Vertreter seiner Zunft. Deshalb stehen auch entsprechend viele Best-Of-Kompilationen in seiner Diskografie. Auf eine mehr oder weniger kommt es da nicht an, könnte man meinen. Wenn Moby nun allerdings eine Hit-Sammlung über das ehrwürdige Label Deutsche Grammophon auf den Markt bringt, muss vielleicht etwas genauer hingeschaut werden.

Heute steht Moby für Hitsingles wie „Go“, „Feeling so real“, „Why does my heart feel so bad?“, „Porcelain“, „Natural blues“ und „Lift me up“. Doch bis der in Harlem, New York, geborene Underground-DJ kommerziell endgültig ein Bein auf den Boden bekam, dauerte es fast zehn Jahre. Zwar charteten auch schon die Frühwerke „Everything Is Wrong“ (03/1995) und „Animal Rights“ (09/1996), aber erst mit dem 1999er Album „Play“ ging Mobys Stern richtig auf. Bis heute hat sich das Album weltweit rund sieben Millionen Mal verkauft und ist damit der erfolgreichste Longplayer in Mobys Karriere.

Da sich auch die nachfolgenden Werke „18“ (05/2002) und „Hotel“ (03/2005) als solide Millionen-Seller erwiesen, steht der 55-Jährige nach gut 100 Longplay- und Single-Veröffentlichungen inzwischen bei 20 Millionen verkauften Tonträgern. Die Gefahr, sich darauf immer mehr zu wiederholen, ist natürlich groß. Doch mit „Reprise“ betritt Moby tatsächlich noch einmal Neuland, auch wenn die Songs darauf alles andere als neu sind. Und das kam so: Im Jahr 2018 spielte Moby zum ersten Mal ein orchestrales Live-Set in Los Angeles. Ein Vertreter der Deutschen Grammophon war vor Ort und schlug vor, ein Orchesterwerk einzuspielen. Genau dies verwirklichte Moby zusammen mit dem Budapest Art Orchestra, das im heimischen Ungarn aus von Moby erarbeiteten Orchesterarrangements ein 14 Tracks umfassendes Klassik-Album zauberte.

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Als (stimmliche) Begleitung hat sich Moby mit Kris Kristofferson, Skylar Grey, Mark Lanegan, Gregory Porter, Amythist Kiah, Nataly Dawn, Darlingside, Jim James (My Morning Jacket), Luna Li, Mindy Jones, Vikingur Ólafsson, Apollo Jane und Alice Skye ein paar vorzügliche Gäste ausgesucht, die seine Songschätze in Szene setzen sollen. Schließlich müssen diese nach diversen Best-Of-Kopplungen und Remix-Alben nun im klassischen Gewand bestehen – ein Sound, mit dem Mobys Zielgruppe so gar nicht in Verbindung gebracht wird, auch wenn der New Yorker schon so manchen stilistischen Haken geschlagen hat und von House, Techno und Electro-Pop bis hin zu langweiligen Ambient-Versionen bereits alles abgeliefert hat, was sich aus Maschinen herausholen lässt. Sein radikalstes und bis heute coolstes Album bleibt jedoch das punkige „Animal Rights“ (09/1996), das viele Rockalben schwer in den Schatten stellt.

Während andere Werke der Pop-, Rock- und Heavy-Metal-Geschichte, bei denen Unterhaltungsmusik von einem klassischen Orchester befeuert wird, in der Regel unter Live-Bedingungen eingespielt wurden, kommt Mobys „Reprise“ klinisch und technisch rein aus dem Studio daher und muss damit allein schon in Bezug auf die Stimmung eine schwere Hürde nehmen. Hier klatscht oder freut sich niemand. Stattdessen zeigt Moby, was er einstmals als junger Bursche im Studium erlernte und liefert ziemlich verbissen klingende, bierernste Arrangements ab, denen jegliche Leichtigkeit der Originale flöten geht. Daraus entsteht eine düstere Grundstimmung, für die er sich mit Mark Lanegan, Gregory Porter und Kris Kristofferson genau die richtigen Sänger ausgesucht hat. Das ist sicher kein Zufall, sondern genau so gewollt.

Fragt sich am Ende nur: Warum? Anstatt seiner großen Karriere ein Denkmal zu setzen, driftet Moby auf seinem 19. Studioalbum, gekleidet in einen schwarzen Anzug, in einen musikalischen Trauerzug ab, der gewiss auch starke Momente besitzt („The lonely night“, „Natural blues“, „We are all made of stars“, „Almost home“), aber in seiner Gesamtheit eher bedrückend, als feierlich anmutet. Ein sehr radikales Konzept, mit dem Moby beweisen will, dass er es auch ohne Computer und mit richtigen Instrumenten kann. Schwierig…

Anspieltipps:

  • Heroes
  • Almost home
  • Natural blues
  • The lonely night
  • We are all made of stars
  • Why does my heart feel so bad?
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