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Helloween Helloween


  • Label: Nuclear Blast/Rough Trade
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach der abgebrochenen „Pumpkins United World Tour“ machten Helloween aus der Not eine Tugend und spielten ein neues Album in All-Star-Besetzung ein.

Wenn eine gestandene Band nach mehr als 30 Karrierejahren ein Album veröffentlicht, das erstmals auf einen Titel verzichtet und schlicht nach sich selbst benannt ist, dann muss etwas Besonderes passiert sein. Im Fall von Halloween ist dies definitiv so, obwohl die vor 37 Jahren in Hamburg gegründete Melodic-Speed-Metal-Gruppe bereits eine sehr bewegte Geschichte mit vielen Höhen, aber auch bitteren Tiefen hinter sich hat. Insbesondere die erste Hälfte der 90er Jahre gestaltete sich für Helloween wie ein Taumel durch Misserfolge und Tragödien, bei dem das Ende der Band durchaus nahe war.

Nachdem Helloween mit den beiden „Keeper Of The Seven Keys“-Alben (1987/1988) der kommerzielle Durchbruch gelang und die Werke zu den bis dato erfolgreichsten Metal-Longplayern Deutschlands avancierten, geriet das Bandgefüge in Schieflage. Die Hanseaten wechselten vom deutschen Indie-Label Noise Records zur britischen Dependance des Majors EMI (1990). Dort wusste man mit der Band allerdings nichts anzufangen und verantworte die Veröffentlichung der stilistisch verwirrenden Alben „Pink Bubbles Go Ape“ (1991) und „Chameleon“ (1993). Daraus resultierte der Abschied von Sänger Michael Kiske und Schlagzeuger Ingo Schwichtenberg (1993), der sich zwei Jahre später das Leben nahm. Danach brauchte es einige Zeit, bis sich die Band menschlich und musikalisch wieder fand, doch spätestens mit dem „The Dark Ride“-Album (2000) waren Helloween wieder in allen Belangen auf der Höhe.

Im März 2016 gaben Helloween die Idee bekannt, ihre ehemaligen Bandmitglieder für eine gemeinsame Tournee zusammenzutrommeln. Die „Pumpkins United World Tour“ startete im November 2017 in Mexiko und wurde wegen des großen Erfolgs immer wieder verlängert, bis die Corona-Pandemie einen endgültigen Schlussstrich unter die Live-Aktivitäten setzte. Die Musiker blieben allerdings zusammen und kündigten mit „Helloween“ ein neues, gemeinsames Album in der legendären Besetzung Andi Deris (Gesang), Michael Kiske (Gesang), Michael Weikath (Gitarre), Kai Hansen (Gitarre, Gesang), Markus Grosskopf (Bass), Sascha Gerstner (Gitarre) und Dani Löble (Drums) an. Für alle Fans ist dies so etwas wie Weihnachten und Ostern am selben Tag.

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Entsprechend groß ist der Druck für Helloween, aber auch ihr Label, das „Helloween“ als die bis dato teuerste Produktion der Firmengeschichte bezeichnet. Ohne Frage: Hier muss ein echtes Brett abgeliefert werden, damit das Kai-Hansen- und Michael-Kiske-Comeback zu dem erhoffen 80er-Jahre-Revival wird, auf das alle Power-Metal-Fans seit Jahren scharf sind. Und Helloween liefern tatsächlich ab! Die Songwriter Weikath, Deris, Gerstner, Grosskopf und Hansen werfen nur das Beste davon in die Waagschale, was diese Band seit Jahrzehnten ausmacht. Als da wären: Monumentale Longtracks („Skyfall“), unfassbares Tempo („Rise without chains“), eingängige Refrains („Mass pollution“), progressive Ausflüge („Down in the dumps“) sowie beeindruckende Gitarren- und Gesangsduelle („Fear of the fallen“).

Nicht mal kleine Schwachstellen sind auf dem in zig verschiedenen Konfigurationen erhältlichen Album auszumachen. Alle Musiker toben sich nach Herzenslust kreativ aus und spielen sich die Bälle zu: „Der ganze Prozess war, auch was den Geist angeht, einfach ideal. Wenn ich das Gefühl hatte, dass ein Part nicht so gut zu mir passt, habe ich Andi gefragt, ob er ihn singen will und umgekehrt war es genauso. Es gab keinerlei Konkurrenzkampf zwischen uns – was zählte, war was für den jeweiligen Song am besten ist. Ich bin dankbar (wieder) ein Teil dieser wunderbaren und ein bisschen verrückten Familie zu sein“ (Michael Kiske). Demzufolge klingt „Helloween“ wie aus einem Guss und niemals nach zusammengepuzzeltem Stückwerk, bei dem jeder sein Ego durchdrücken will. Ein echtes Geschenk an alle Fans, eben wie Weihnachten und Ostern am selben Tag.

Anspieltipps:

  • Skyfall
  • Robot king
  • Indestructible
  • Out for the glory
  • Down in the dumps
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