Helge Schneider - Die Reaktion: The Last Jazz Vol. II - Cover
Große Ansicht

Helge Schneider Die Reaktion: The Last Jazz Vol. II


  • Label: Railroad Tracks/Broken Silence
  • Laufzeit: 78 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Guten Tach, mein Name ist Schneider. Interessieren Sie sich für Bach? Tschüss!

Das erste Album, das jemals unter dem Namen Helge Schneiders erschien, ist „The Last Jazz“ aus dem Jahr 1987. Zu dieser Zeit war Schneider bereits seit zehn Jahren als Künstler in Film- und Tonproduktionen aktiv, wobei sein Stern als ständig improvisierender Musik-Comedy-Clown erst später aufgehen sollte. „The Last Jazz“ zeigt Helge Schneider dagegen 40 Minuten lang vollkommen pur von seiner Seite als Jazzmusiker, der fast das gesamte Album in Eigenregie im Multiplay-Verfahren eingespielt hatte. 34 Jahre später präsentiert der 65-jährige Mülheimer mit „Die Reaktion“ die Fortsetzung seines Frühwerks. Diese ist locker doppelt so lang, mindestens genauso avantgardistisch, wiederum ohne fremdes Zutun aufgenommen, aber doch ein bisschen anders. Kurz gesagt: „The Last Jazz Vol. II“.

Da Helge Schneider schon seit ein paar Jahren nicht mehr als Majoract in Erscheinung tritt, hat sich sein künstlerischer Output auffallend gewandelt. So scheint seine ganz frühe Kompromisslosigkeit in sein Schaffen zurückgekehrt zu sein, welches nun über Independent-Label und -Vertriebe auf den Markt kommt. Ein logischer Schritt dieser Rückbesinnung ist nun auch das neue Schneider. Darauf präsentiert Helge Schneider eine Mischung aus Swing („The Tadd Walk“), Blues („Der Pabst“), Jazz („Astral Houdini“), Kraut-Rock („Die Reaktion“), Bebop („Mord ist ihr Hobby“), Klassik („Mondscheinelise“) und ausgemachtem Blödsinn („Großstadtgemecker“), wobei er diesmal mit Gesang und damit auch mit seinen typischen Gaga-Texten arbeitet („Mann ohne Gesicht“, „Spinett am Strand“).

Bild

Mit der Entscheidung, hier und da eine von seinen herrlichen abgedrehten Geschichten zu erzählen, spricht Helge Schneider definitiv eine breitere Hörerschicht an, denn wo „The Last Jazz“ noch stoisch einem ernsthaften Instrumentalkonzept folgte, wird „Die Reaktion“ auch musikalisch von kleinen Albernheiten durchzogen („Nordic Walking“), durch die sich die 79 Minuten Spielzeit wesentlich lockerer gestalten als der puristische Jazz-Erstling aus den 80er Jahren. Dennoch ist „Die Reaktion: The Last Jazz Vol. II“ wie eine Rückkehr in alte Zeiten, in denen sich Helge Schneider – damals wie heute – geniale Momente, aber auch verirrtes Füllmaterial („Silver Hammond Dreams“) leistete und damit eine völlig neue Form aus Comedy und musikalischer Virtuosität begründete.

War „The Last Jazz“ im Prinzip ein Konzeptalbum, stellt „The Last Jazz Vol. II“ einen bunten Mix aus Comedy und Musik dar, wobei Helge Schneider insgesamt gemäßigt klingt und nie dem kompletten Irrsinn verfällt, mit dem sich vorherige Werke ausgezeichnet haben. Der gute Mann wird eben auch nicht jünger und nähert sich stark dem Rentenalter, was, wenn er Beamter oder Fleischereifachverkäufer wäre, durchaus ein Grund zum Rückzug sein könnte. Doch als Künstler, der frei von allen Zwängen agiert, wird uns Helge bestimmt noch länger mit neuen Werken beglücken. Hand drauf!

Anspieltipps:

  • Der Pabst
  • Die Reaktion
  • Railroadblues
  • Mondscheinelise
  • Mann ohne Gesicht
Neue Kritiken im Genre „Comedy“
8.5/10

Lass Knacken, Helge! Helge, Der Film! Helge, Life!
  • 2015    
Diskutiere über „Helge Schneider“
comments powered by Disqus