Iron Maiden - Senjutsu - Cover
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Iron Maiden Senjutsu


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 82 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Senjutsu“ legen Iron Maiden ihr zweites Doppelalbum nacheinander vor.

Nach sechs Jahren Studiopause, die 2017 und 2020 mit zwei Live-Veröffentlichungen gefüllt wurden, legen Iron Maiden mit „Senjutsu“, was im Japanischen so viel wie „Taktik & Strategie“ bedeutet, ihren mittlerweile 17. Studio-Longplayer vor. Dieser erstreckt sich wie schon der Vorgänger „The Book Of Souls“ (09/2015) auf gleich zwei CDs bzw. drei LPs. Mit rund 82 Minuten Spielzeit wird die maximale Beschreibbarkeit eines digitalen Silberlings allerdings nur knapp übertroffen, sodass auch eine minimale Kürzung der im Schnitt zehn Minuten langen Songs diskutabel gewesen wäre. Als Produzent war wiederum Kevin Shirley (u.a. Joe Bonamassa, Aerosmith, Dream Theater, The Black Crowes, Joe Satriani) mit dabei, der quasi seit Ende der 90er Jahre in Daueranstellung für die Briten tätig ist.

Die Aufnahme-Sessions fanden Anfang 2019 während einer Pause der „Legacy“-Tour, genau wie die zum „The Book Of Souls“-Album, wieder in den Guillaume Tell Studios im 12 Kilometer von Paris entfernten Ort Suresnes statt. Der luxuriöse Studio-Komplex beherbergte früher einen Kinosaal und verfügt deshalb über sehr spezielle räumliche Bedingungen. Hier konnten sich Bruce Dickinson (Gesang), Steve Harris (Bass), Dave Murray (Gitarre), Adrian Smith (Gitarre), Janick Gers (Gitarre) und Nicko McBrain (Drums) in aller Ruhe austoben und auch mal ein paar unerwartete Dinge ausprobieren. Am Ende wurde zwar auch die Veröffentlichung von „Senjutsu“ von der seit März 2020 grassierenden Corona-Pandemie ausgebremst, doch dies allein ist nicht verantwortlich dafür, dass noch nie so viel Zeit zwischen zwei Maiden-Alben vergangen ist wie diesmal.

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Auch beinharte Maiden-Fans müssen sich eingestehen, dass ihre Band in den letzten 20 Jahren ein bisschen zu viel Durchschnittsmaterial abgeliefert und eine handwerkliche Verwandlung durchgemacht hat, die das Songwriting in immer progressivere Bahnen lenkte. Knackige Hits wie in den 80er und 90er Jahren sind mit dieser Entwicklung quasi ausgestorben. Stattdessen sollen es epische Longtracks reißen, die genau wie auf „The Book Of Souls“ auch auf „Senjutsu“ den Löwenanteil ausmachen. Doch Obacht! Die Länge der Songs ist nicht gleichbedeutend mit Innovationen und schon gar nicht der Kurzweil förderlich. So werden hinlängliche bekannte Stimmungen und musikalische Kniffe nochmals verarbeitet, was bei einer Band mit einer so langen und erfolgreichen Karriere grundsätzlich nicht ausklammerbar ist, auf „Senjutsu“ aber übertrieben wird. Dadurch fehlt dem Album an vielen Stellen die Magie und Abwechslung.

Ein weiterer Grund für diesen Umstand ist, dass allein sieben von zehn Stücke auf das Konto von Steve Harris gehen, der seinen Tracks viel zu viel Zeit gönnt und einfach nicht auf den Punkt kommt. Hier hätte ein internes Regulativ sicher geholfen. Aber ein Dave Murray findet als Songschreiber zum Beispiel überhaupt nicht statt und das hört man auch. Dadurch leidet die Dynamik und die selbstverständlich vorhandenen, sehr starken Passagen werden von ausladenden Dudelparts verwässert. Das prägt mehr und mehr die Erkenntnis, dass es wahrlich nicht jeder Song hergibt, dermaßen gestreckt zu werden. Dieser Missstand beginnt bereits mit dem titelgebenden, ausladend-sperrigen und relativ lahmen Opener und setzt sich in Stücken wie „Lost in a lost world“, „Days of future past“ und „The time machine“ fort, womit der erste Teil des Longplayers bereits verfeuert wurde.

Ohne ein paar Auflockerungen ihres progressiven Sumpfes tun die Briten sich und den Hörern gewiss keinen Gefallen, die zudem an einigen Stellen gruseligen Synthie- und Keyboard-Tupfern ausgeliefert werden, wobei Sound und Abmischung auch diesmal gewohnt gewöhnungsbedürftig bleiben, heuer aber wenigstens eine Nuance detaillierter daherkommen. Tja, so ist das nun mal mit Werken, an die eine Erwartungshaltung geknüpft ist, die eh schon schwer zu erfüllen ist. Diese mögen durchaus gut sein, doch gemessen am eigenen legendären Oeuvre eben nicht gut genug. So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass Iron Maiden den werten Hörer mit ihren Midtempo-Stücken nicht durchgehend mitreißen können, da diesen schlicht und ergreifend die großen Riffs und Melodien fehlen, was durch haufenweise Details kompensiert werden soll, aber nur halb gelingt.

Anspieltipps:

  • Stratego
  • Hell on earth
  • Darkest hour
  • The writing on the wall
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