Radiohead - OK Computer - Cover
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Radiohead OK Computer


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 60 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sicher, vielen wird dieses Werk nicht gefallen, allein schon wegen der sehr zerbrechlichen Stimme von Sänger Yorke.

Nachdem Radiohead schon zwei sehr gute Alben abgeliefert haben ("Pablo Honey", "The Bends") sicherten sie sich mit dem epochalen und genialen Werk "OK Computer" endgültig den Status DER Band der 90er Jahre. Das Werk ist von vorne bis hinten perfekt arragiert, hat keinen einzigen musikalischen Aussetzer (auch wenn "Fitter, Happier" einer zu sein scheint) und lässt den Hörer nicht mehr los. "OK Computer" hat Songs, die einem den Atem rauben können, die während dem Hören "Wow"-Schreie provozieren (z.B. Paranoid Android), die depressiven Leuten Selbstmordgedanken liefern ("Exit Music"). Die Songs berühren den Hörer auf einer viel emotionaleren Ebene als etliche andere Songs auf dem Massenmarkt, die von Oberflächlichkeit nur so strotzen.

Der Opener "Airbag" schafft es mit drei Zeilen Text, den Hörer über vier Minuten zu fesseln und niemals zu langweilen, "Karma Police", der eingängigste Song auf der Platte gehört zum Besten, was Radiohead je gemacht hat. Das eher laute "Eletioneering" bietet auch einen sehr knappen Text und viel Raum zum Träumen für den Hörer, "Climbing Up The Walls", ein weiteres musikalisches Glanzstück schafft durch viel Synthesizerspielerei eine unbeschreibliche Atmosphäre, einen Refrain, der sich irgendwann angenehm aber nicht nervig in die Gehörgänge frisst und einen nicht mehr loslässt. "No Surprises" begeistert durch simple Schlichtheit, die den Hörer mitreißt. "Lucky", ein extrem trauriges Lied, lässt den Zuhörer in unnachahmlichen Klangwelten allein und spricht ihn dann doch wieder an und hinterlässt einen bleibenden und wunderbaren Nachgeschmack. Zum Schluss dann "The Tourist", eine Symphonie, der einer meisterhaften CD den würdigen Abschluss liefert und mit einem simplen "Bing" der CD den finalen Todesstoß liefert.

Doch es geht weiter: Wer diese CD einmal gehört hat, legt sie immer wieder auf und will eigentlich nichts anderes mehr hören. Die Vision, die Songwriter Thom Yorke in dieser CD rüberbringt, ist klar: Die Angst und die Verlorenheit in einer digitalisierten Welt. So lässt sich auch der Titel "OK Computer" erklären. Hier wurden nicht ein paar Tracks aufeinander geworfen, hier hat die Gesamtheit die meiste Bedeutung und macht jeden Track unverzichtbar. Dass diese CD das schafft, rechtfertigt eigentlich schon ihren hohen Status, doch durch die ausnahmlos geniale Qualität eines jeden Songs erlangt diese CD unumstritten den Status eines Meilensteins. Die Songs sind so genial aufeinander abgestimmt, dass den emotionalen Hörer bei "Exit Music" noch Selbstmordgedanken plagen, während im darauffolgenden Track "Let Down" schon wieder unerschütterliche Hoffnung aufkeimt. Einfach ein Wechselbad der Gefühle, diese CD.

Sicher, vielen wird dieses Werk nicht gefallen, allein schon wegen der sehr zerbrechlichen Stimme von Sänger Yorke. Doch wer wirklich etwas mit Musik anfangen kann und wer schon lange des Schrottes, der auf einigen Alben teilweise zu hören ist, überdrüssig ist, der muss diese Platte einfach besitzen.

Anspieltipps:

  • Karma Police
  • The Tourist
  • Let Down
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