Die Toten Hosen - Auswärtsspiel - Cover
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Die Toten Hosen Auswärtsspiel


  • Label: JKP/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer etwas mit den Toten Hosen anfangen kann, wird dieses Album sicher lieben und dem Rest ist ans Herz zu legen, es auch mal mit den Hosen auszuprobieren!

Fortuna Düsseldorf kann froh sein, Die Toten Hosen als Trikotsponsor zu haben: Auch mit dem neuen Album „Auswärtsspiel“ gelingt den Toten Hosen wieder einmal ein rundum gutes Album, das die beste Werbung für den drittklassigen Verein ist.

Im Vorfeld versprachen die Hosen, wieder härter zu werden. Das ist als gute Nachricht zu werten, war der Vorgänger „Unsterblich“ doch auch stellenweise arg soft. Und schon im neuen (hochwertigen) Booklet heißt es: „Alle Regler auf 10!“ Diesem gutgemeinten Vorschlag leistet man gerne Folge und schon heißt es in punkiger Lautstärke: „Du lebst nur einmal“. Diese Aufbruchsstimmung, die hier schon suggeriert wird, ist typisch für die neuen Hosen. Auch der Titelsong (ein erstklassiger Ohrwurm) sagt ganz deutlich: „Es ist egal, ob wir das Spiel verlieren, denn darauf kommt es nicht an“. Hoffnungsvoll klingt das, fast versöhnlich. Die Hosen haben ihre melancholische Phase überwunden und liefern endlich wieder Songs, denen man die gute Laune der Band anhört („Daydreaming“, „Kein Alkohol“). Doch das soll nicht heißen, dass die fünf Düsseldorfer hier ein aalglattes Pop/Rock-Album abliefern. Schon in Track zwei, dem genialen "Schlampe", schreit Campino "Gebt mir ein neues Leben!".

Hört man da Schizophrenie heraus? „Was zählt“ wissen wir schon seit längerem von der überaus rockigen Single, auf die man gerne auch mal headbangen kann. In Selbstironie waren die Hosen schon immer die Größten und das witzige „Graue Panther“ ist wieder mal der Gipfel („Und das einzige, was nicht kaputt an mir ist, sind die Brücken in meinem Gebiss“). Ob „politisch“ („Kanzler sein“) oder verschroben („Schwimmen“), die Hosen lassen keine Langeweile aufkommen und es ist ihnen auch in keiner Weise übel zu nehmen, dass es dann doch eine Ballade auf die Platte geschafft hat. „Nur zu Besuch“ verbreitet jedenfalls eine Gänsehautstimmung, wie sie die Hosen noch nie so gebracht haben. Selten hat man Campino so inspiriert singen hören. Ihre Kuba-Reise wurde auch verarbeitet („Venceremos“) und am Ende liefern die Hosen ihren Fans endlich wieder mal ein grundsolides Sauflied.

Was bleibt also festzuhalten? Richtig schlechte Songs sind kaum ausfindig zu machen, doch unter der Lupe fällt dann doch das überflüssige "Tier" auf. Auch „Amanita Phalloides“ hätte man dann doch eher auf eine B-Seite stecken können. Dennoch überwiegen die Hammer, die es in dieser Dichte lange nicht mehr bei den Toten Hosen gab. Gesondert seien an dieser Stelle das äußerst zynische „Dankbar“ zu erwähnen („Die Welt da draußen ist voller Scheiße - ihr müsst jetzt raus und sie fressen gehen“) und das inspirierte und unkonventionelle „Mädchen aus Rottweil“, das zwar sinnfrei daherkommt, aber letztlich richtig mitreißend ist.

Den Toten Hosen ist trotz gelegentlichem Mittelmaß („Steh Auf, Wenn Du Am Boden Bist“) auf der neuen Platte wieder mal in keiner Weise die Luft ausgegangen. Wer etwas mit den Toten Hosen anfangen kann, wird dieses Album sicher lieben und dem Rest ist ans Herz zu legen, es auch mal mit den Hosen auszuprobieren! Diese Platte rockt!

Anspieltipps:

  • Was Zählt
  • Cokane In My Brain
  • Dankbar
  • Das Mädchen Aus Rottweil
  • Venceremos

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