Wilco - Yankee Hotel Foxtrot - Cover
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Wilco Yankee Hotel Foxtrot


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man eines der interessantesten Alben des Jahres entdecken. Also, wer traut sich?

Im September 2001, ein halbes Jahr nach Fertigstellung und ein Dreivierteljahr vor der regulären Veröffentlichung als CD, machte das neue Werk aus dem Hause Wilco bereits von sich Reden. Die Band hatte die kompletten Songs auf ihrer Homepage zu Anhören bereitgestellt, weil ihr Label Reprise (Warner Bros.) sich weigerte, die Platte zu veröffentlichen.

Da der Kopf der Chicagoer Alternative Country Combo, Jeff Tweedy, nicht gewillt war, die von Seiten der Plattenfirma gewünschten Änderungen vorzunehmen, um die Platte kommerzieller auszurichten, kam es letztendlich zum Bruch mit Reprise. Die Band kaufte die Masterbänder für geschätzte 50.000 Dollar zurück und bot sie anderen Labels zur Veröffentlichung an. Ausgerechnet der Warner-Bros.-Ableger Nonesuch machte das Rennen und sicherte sich die Rechte an den Songs. Ein schlechter Witz eigentlich. Aber so verrückt ist das Geschäft mit der Ware Musik eben. An den Musikern ging der ganze Stress allerdings nicht spurlos vorüber. Gitarrist Jay Bennett und Schlagzeuger Ken Coomer verließen die Band und wurden durch Glenn Kotche (Drums) und Leroy Bach (Gitarre) ersetzt. Doch trotz aller Irrungen und Wirrungen kommen wir nun in den Genuss des vierten Wilco-Albums.

Wie man sich aufgrund des großes Ärgers denken konnte, haben die neuen Kompositionen eine etwas andere Ausrichtung als zum Beispiel das Meisterwerk „Being there“ aus dem Jahr 1996, mit dem Wilco der Durchbruch gelang. Trotzdem geht die Band nach wie vor sehr melodieorientiert zu Werke und kann auch zukünftig im Bereich des Alternative Country angesiedelt werden. Der Unterschied ist, dass die Band keine glattpolierte Musik fürs Radio macht, wie es sich Plattenmajors wünschen.

Auf Wilcos neuer CD dominiert der experimentierfreudige Einsatz von Synthesizern und Samplern („Radio cure“), angereichert durch schräges Cello- und Pianospiel („I am trying to break your heart“), Gitarrengeschrammel („Poor places“) und dissonanten Gesangslinien („Heavy metal drummer“). Fürwahr keine leichte Kost, sodass beim flüchtigen Durchhören von „Yankee hotel foxtrot“ eine konträre Sichtweise durchaus nachvollziehbar, aber nicht unbedingt berechtigt ist. Diese Platte muss man sich einfach öfters anhören, um ihre ganze Schönheit zu erschließen, denn die Mannen um Jeff Tweedy schaffen es bei all der Quertreiberei tatsächlich in jedem Song eine feine Melodie zu verstecken.

Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man eines der interessantesten Alben des Jahres entdecken. Also, wer traut sich?

Anspieltipps:

  • Kamera
  • Poor places
  • War on war
  • Ashes of american flags
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