Moby - 18 - Cover
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Moby 18


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es herrscht Aufruhr bei dem kleinen Label Mute Records, denn drei Jahre nach Mobys Überraschungshit „Play“ erscheint jetzt der langerwartete Nachfolger „18“. Nach schier endlosen Tourneen, sage und schreibe fünf Singleauskopplungen und 10 Millionen verkaufter Einheiten des Vorgängers, präsentiert der 37-jährige Richard Melville Hall, alias Moby, endlich neues Material aus seiner Feder.

Mit dem unglaublich erfolgreichen Vorgänger hat Moby ganz neue Wege der Promotion beschritten, die wohl jede Plattenfirma der Welt zu Freudentränen rühren würde. Ungeachtet von Sellout-Vorwürfen hat der Meister jeden einzelnen Song der CD an die Werbung verkauft oder für Soundtracks freigegeben. Das hat es noch nie gegeben. Die Sensation dabei war, dass die Menschen anstatt der „mobyesken“ Reizüberflutung überdrüssig zu werden, die Platte fleißig gekauft und zu einem der größten Verkaufsschlager der 90er Jahre gemacht haben. Beim Album „18“ besteht dadurch erstmals eine Art Erwartungshaltung eines Millionenpublikums an Herrn Hall, welches mit Hits wie „Why does my heart feel so bad?“ und „Porcelain“ verwöhnt wurde. Nun ist es spätestes seit Kurt Cobain keine Seltenheit mehr, dass ein Künstler am plötzlichen Erfolg zerbrochen ist. Bei Moby besteht diese Gefahr definitiv nicht, wobei ich ihm keinesfalls die emotionale Bindung und Liebe zur Musik absprechen will. Aber wer seine Musik dermaßen an die Industrie verkauft, muss eine mehr als nüchterne Einstellung zum Musikgeschäft haben.

Was können wir also von dieser CD erwarten? War es in der Vergangenheit die große Stärke Mobys, von Album zu Album eine unaufhörliche Weiterentwicklung mit zum Teil krassen Stilwechseln zu zelebrieren, so geht er im Falle von „18“ den Weg des geringsten Widerstandes und produziert ein Album, das seinem Vorgänger dermaßen ähnlich ist, dass ich fast gewillt bin, ihn des Selbstplagiats zu bezichtigen.

Wo man beim Opener „We are all made of stars” (ist auch die erste Singleauskopplung) noch begeistert im Groove mitwippt und die genial spacigen Gitarrensounds im New Wave Style eines David Bowie zu seiner Berliner Phase genießt, verschlägt es einem darauf beinahe die Sprache. „In this world“, “Another woman” und „One of these mornings“ müssen wohl die fehlenden Rest von „Why does my heart feel so bad?“ darstellen. Gleiches Schema, gleicher Klang. Einfach ein paar atmosphärische Chillout-Klänge mit gesampelten Stimmen zusammenrühren und ab dafür. Muss das wirklich sein? Auch “In my heart” klingt wie ein Outtake aus den „Play“-Sessions. Da können ergreifende, aber viel zu kurze Symphonien wie "Look in back" und „Great escape“, das swingende „Extreme ways“, oder das als Old School Rap daherkommende „Jam for the ladies” auch nicht groß entschädigen.

Alles in allem ist das neue Werk aus dem Hause Moby eine große Enttäuschung. Hier handelt es sich um Musik, die die berühmten 3:30 Minuten hervorragend funktioniert, was für die breite Masse der Formatradiohörer ausreichend sein mag. Über die Länge eines ganzen Albums schaut es dagegen etwas anders aus. Natürlich ließe sich anführen, dass die „Play“-Liebhaber auch dieses Album mögen werden. Allerdings frage ich mich, ob man ein und dasselbe Werk allen Ernstes in zwei Versionen benötigt. Einmal in gut und einmal in schlecht.

Ein derart dreistes Aufkochen eine Erfolgsrezeptes habe ich zuletzt bei Mike Oldfield erlebt. Und der ist in der Zwischenzeit künstlerisch und kommerziell völlig weg vom Fenster.

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