Billy Idol - VH1 Storytellers - Cover
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Billy Idol VH1 Storytellers


  • Label: Chrysalis/EMI
  • Laufzeit: 70 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Auftritt, der wohl imposantesten Oberlippe des Rock `N Roll, wurde am 19. April 2001 in Idols ehemaliger Wahlheimat New York aufgezeichnet.

Das Entfant Terrible des Rock ‘N Roll der 80er Jahre kehrt zehn Jahre nach seinen letzten großen Erfolgen auf die Bühne des Musikgeschäfts zurück.

Billy Idol, alias William Broad, aus Stanmore, Middlesex in England, erlangte Ende der 70er Jahre in seiner Heimat ersten Starruhm als Mitglied der Punkband Generation X, ehe er 1981 nach New York umsiedelte, um eine Solokarriere zu starten. Diese war von Anfang an von Erfolg gekrönt und förderte eine stattliche Anzahl von Welthits bei lediglich fünf (!) veröffentlichten Studioalben zutage. Mit seinem letzten Werk „Cyberpunk“ (1993), auf dem Idol Rock und Techno kombinierte, landete er einen kapitalen Flop und flüchtete sich in die Welt der Drogen. 1994 überlebte er haarscharf eine Überdosis und tauchte bis auf einen Kurzauftritt in dem Film „The Wedding Singer“ (1998) fast völlig ab.

Jetzt meldet sich der inzwischen 47-Jährige mit einem Mitschnitt aus der Reihe „VH-1 Storytellers“ zurück. Die „Storytellers“-Serie basiert auf einem Konzept des amerikanischen Musiksenders VH-1 und stellt das Pendant zur „Unplugged“-Reihe von MTV dar. Also die Live-Präsentation vor kleinem Publikum von zum Teil bombastischen Pop- und Rock-Produktionen, die auf ihre akustische Basis reduziert werden. Einziger Unterschied zum großen Bruder ist, dass sich die von VH-1 präsentierten Acts an ein älteres Publikum richten. So gab es unter anderem bereits Veröffentlichungen von Johnny Cash, Meat Loaf, The Doors (DVD) und Ringo Starr. Außerdem werden die Interpreten gebeten, ein paar kleine Anekdoten zu den dargebotenen Songs zum Besten zu geben. Daher auch der Name „Storytellers“. Leider fehlt dieses Schmankerl hier völlig.

Der Auftritt, der wohl imposantesten Oberlippe des Rock `N Roll, wurde am 19. April 2001 in Idols ehemaliger Wahlheimat New York aufgezeichnet und beinhaltet die größten Hits seiner über 20 Jahre andauernden Karriere. Über die gesamte Zeit zählte der Gitarrist Steve Stevens als Co-Songwriter zu den Weggefährten Billy Idols. Auch 20 Jahre später ist sein Alter Ego als musikalische Stütze mit von der Partie und demonstriert eindrucksvoll seinen Status als einer der Top-Gitarristen der Branche. Man höre nur die behutsam eingestreuten Soli auf diversen Songs der CD.

Dennoch macht das Album deutlich, dass die Musik der 80er Jahre zum Großteil keine besondere Relevanz besitzt, ja sogar die mit Abstand peinlichsten musikalischen Darbietungen der letzten drei Dekaden hervorgebracht hat. Ich möchte zwar nicht soweit gehen und das Oeuvre Billy Idols in die Sparte Peinlichkeiten einordnen, denn vor 15 Jahren hatten seine Songs gewiss ihre Daseinsberechtigung. Aber als reine Akustikversionen werden ehemalige Knallern wie „Don’t need a gun“, „Flesh for fantasy“ und „Rebel yell“ ihrer geradlinigen Rock-Attitüde beraubt und lassen gerade mal das Urteil „ganz nett“ zu.

Selbstredend birgt das Album auch einige Highlights, wie die tolle Rockabilly Version von „To be a lover“ oder das inbrünstig vorgetragene „Kiss me deadly“, um nur zwei zu nennen. Und fast wie selbstverständlich sind alle 14 Songs handwerklich perfekt arrangiert. Selbst die Stimme Billy Idols hat nur wenig von ihrem markanten Umfang eingebüßt. Aber, wie gesagt, es fehlt der richtige Biss.

Somit ist diese CD ein Paradebeispiel dafür, dass das Unplugged-Konzept nicht pauschal funktioniert und ab und an Enttäuschungen hervorbringt. Für Fans ist dieses Album eine gute Ergänzung ihrer Sammlung. Der Rest kann getrost darauf verzichten.

Anspieltipps:

  • Kiss me deadly
  • Dancing with myself
  • LA Woman
  • To be a lover
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