Evan Dando - Live At Brattle Theatre plus Griffith Sunset EP - Cover
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Evan Dando Live At Brattle Theatre plus Griffith Sunset EP


  • Label: Modular/EMI
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf der Liste der drogengefährdeten Rockstars stand Evan Dando von jeher ganz oben. Da freut es einen um so mehr, wenn der Vorzeige-Slacker nach langer Zeit ein Lebenszeichen von sich gibt, denn die die Meldungen der vergangenen Jahre ließen darauf schließen, dass der Bursche ausschließlich damit beschäftigt war, sich systematisch zugrunde zu richten.

Bekannt wurde Evan Dando als Frontman der Indie-Punk Band The Lemonheads, die er Mitte der 80er Jahre zusammen mit zwei Highschool Kumpels gründete. In Insiderkreisen erlangte die Gruppe schnell Kultstatus und veröffentlichte auf kleinen Labels fünf gefeierte Alben, bis Anfang der 90er Jahre der Major Atlantic Records auf die Lemonheads aufmerksam wurde und die Band noch vor der großen Alternativewelle unter Vertrag nahm. Dadurch war besiegelt, dass sich der Sound der Lemonheads dem Mainstream annähern würde. Schließlich wollen die großen Plattenfirmen Geld verdienen. Werte wie Idealismus, Glaubwürdigkeit und eine gespaltene Fangemeinde spielen dabei keine Rolle.

Nach vier Alben und einigen wenigen Hitsingles („Mrs. Robinson“, „Into your arms“, „If I could talk I’d tell you“) trennten sich die Wege der Vertragspartner im Jahr 1997. Zum Abschied gab es die obligatorische „Greatest Hits“-Sammlung („The Atlantic years“, 1998) und das war’s dann. Seit dem ist nur noch Schweigen im Walde. Bis plötzlich vor zwei Jahren Gerüchte die Runde machten, dass Dando seine kreative Ader wiederentdeckt habe und an neuen Songs arbeite. Und tatsächlich. Schon bald hörte man von Kollaborationen mit Ben Lee und den Blake Babies, die Ende 2000 auf kleinen Club Konzerten vorgestellt wurden. Im Frühjahr 2001 ging Dando dann erstmals auf eine richtige Solotour und stellte weltweit seine neuen Songs, alte Lemonheads Hits und obskure Coverversionen in für ihn untypischer Singer-/Songwriter Manier vor. Das Ergebnis erschien nun auf dem Doppelalbum „Live at the Brattle Theatre / Griffith Sunset EP“.

Auf der ersten CD kommt man in den Genuss eines intimen Auftritts, bei dem Dando eine halbe Stunde lang alte Lemonheads-Stücke und diverse Coverversionen zum Besten gibt. Dabei begleitet er sich lediglich mit der akustischen Gitarre und bringt damit so manchen Klassiker zur neuen Entfaltung. Ein tragendes Element stellt dabei nach wie vor die prägnante Stimme des poor boy from Boston dar, die nichts von ihrer Eindringlichkeit eingebüßt hat und bei Zeilen wie „I wanna be someone else but I love my drug buddy“ eine geradezu tragische Faszination entwickelt. Unweigerlich kommen da Gedanken an Kurt Cobain auf, der seine Drogensucht ebenfalls in seinen Songs verarbeitete.

CD Nummer zwei ist eine E.P. mit sieben Country und Folk Coverversionen, die in ihrer Machart ein wenig an die letzten Solo-Produktionen von Screaming Trees Mastermind Mark Lanegan erinnert. Zu hören sind u.a. Songs von Townes Van Zandt, Fred Neil, John Prine und Tim Hardin. Eine alles in allem nicht besonders aufregende Zugabe, aber ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit Evan Dandos. Doch was wirklich zählt, ist die Tatsache, dass der Held einer Generation von College-Rock Fans noch am Leben und in der Lage ist, Musik zu komponieren und darzubieten. Das ist ein Gefühl, als wenn man einen alten Freund nach langer Zeit wiedersieht. Und das ist doch etwas schönes, oder?

Anspieltipps:

  • Down about it
  • My drug buddy
  • Frying pan
  • Sam stone
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