Iron Maiden - The X Factor - Cover
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Iron Maiden The X Factor


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 71 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ich kenne kein wirklich schlechtes Album von Iron Maiden. Auch „The X Factor“ zählt nicht dazu.

Mitte der 90er Jahre war das britische Heavy-Metal-Flaggschiff um Bandgründer Steve Harris (Bass) an seinem kreativen Tiefpunkt angelangt. Wurde die Band in den 80er Jahren noch bei jedem neuen Werk von Fans und Presse stürmisch gefeiert, vollzog sich mit „No prayer for the dying“ (1990) und „Fear of the dark“ (1992) ein künstlerischer Stillstand, der erstaunlicherweise großen kommerziellen Erfolg hatte, aber darin gipfelte, dass Frontman Bruce Dickinson 1993 das Handtuch schmiss und fortan eigene Wege ging. Damit war die Eiserne Jungfrau um ihr Aushängeschild beraubt und um das Problem zum zweiten Mal in ihrer Geschichte einen neuen Sänger finden zu müssen, reicher (Dickinson ersetzte 1982 den ursprünglichen Sänger Paul Di’Anno, der wegen seiner Trunksucht gefeuert wurde). In dieser Phase der Orientierungslosigkeit schmiss Harris quasi in Eigenregie nicht weniger als drei Live-Alben von Iron Maiden auf den Markt („A real dead one“, „A real live one“ und „Live at Donington“), bis endlich in Blaze Bayley ein neuer Sänger gefunden wurde.

Wie sich bald herausstellen sollte, war es für den ehemaligen Frontmann der nur wenig erfolgreichen Gruppe Wolfsbane (immerhin produziert von Rick Rubin) kein leichtes Unterfangen, ab 1995 in die übergroßen Fußstapfen Dickinsons treten zu müssen. Stimmlich unterscheiden sich die beiden nämlich wie Tag und Nacht. Dickinsons Stimme ist sehr vielfältig und kommt besonders in hohen Tonlagen sehr gut zurecht. Aus diesem Grund auch sein Spitzname „Luftschutzsirene“. Bayleys Stimme scheint dagegen sehr limitiert zu sein. Sie klingt durchgehend irgendwie heiser und trifft bestimmte Töne nicht ganz genau. Man höre nur „Judgement of heaven”, bei dem Bayley dem Song überhaupt nicht folgen kann und der Musik hinterherhinkt. Dabei wurde wohl noch mit moderner Studiotechnik versucht, die Stimme Bayleys der Dickinsons anzugleichen, was spätestens in den hohen Passagen scheitern muss. Vielleicht wurden die Songs des neuen Albums „The X Factor“ deshalb auch um einige Noten tiefer eingespielt, sodass das Material tendenziell düsterer klingt als gewohnt.

Doch das war nicht der einzige Grund dafür, dass bereits nach zwei Alben Schluss für Blaze Bayley im Hause Maiden war (1998 erschien noch „Virtual XI“, falls das überhaupt noch jemand bemerkt hat....) und Bruce Dickinson zurückgeholt wurde. Abgesehen von der starken Singleauskopplung „Man on the edge“ geht den Kompositionen nämlich der Hurrastil vergangener Tage vollkommen verloren und lässt den besonderen Kick von Platten wie „Piece of mind“ (1983) oder „7th son of a 7th son“ (1988) vermissen. Es gibt zwar auch auf dem ´95er Werk einige Highlights, wie die auf 11 Minuten ausgewalzte Rocksymphonie „Sign of the cross“. Die schafft es aber nicht an die Qualitäten einer Hymne wie „Rime of the ancient mariner“ heranzukommen. Alles in allem ist das Niveau der Aufnahmen um ein bis zwei Klassen niedriger, als man es von einer Klasseband wie Iron Maiden gewohnt ist.

Ich kenne kein wirklich schlechtes Album von Iron Maiden. Auch „The X Factor“ zählt nicht dazu. Es ist aber langsam an der Zeit, den wie Pilze aus dem Boden schießenden Nu-Metal-Bands zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Anspieltipps:

  • Man on the edge
  • Sign of the cross
  • The aftermath
  • The edge of darkness
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