Haven - Between The Senses - Cover
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Haven Between The Senses


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf den ersten Blick scheint es wie so oft bei jungen Bands aus dem vereinten Königreich zu sein. Zuerst werden einige EP’s auf den Markt gebracht, die von stetigen Tourneen begleitet werden, so dass bereits lange im Vorfeld einer Albumveröffentlichung Presse und potentielle Käufer auf die Band eingeschworen sind. Das klappte zuletzt bei Starsailor ganz hervorragend und wurde bei Haven, einem Quartett aus dem südenglischen Cornwall, ebenso gehandhabt. Der Unterschied ist nur, dass diese Band keinen Hype nötig hat und allein durch ihre Musik zu überzeugen weiß. Obwohl es tatsächlich nicht schaden kann, ein professionelles Management zu haben.

Im Fall von Haven ist dies kein geringerer, als der Ex-Manager von The Smiths, Joe Moss, der sogleich einen Termin in den Studios von Ex-Smiths-Gitarrist Johnny Marr arrangierte und den Stein ins Rollen brachte. In nur vier Wochen wurden zusammen mit Marr 12 Gitarren-Pop-Songs für das Debütalbum „Between the senses“ aufgenommen, das quasi eine Art „Best Of“ der jüngeren Britpop Geschichte darstellt. Allerdings haben die Twentysomethings Gary Briggs (Vocals, Gitarre), Iwan Gronow (Bass, Vocals), Nat Wason (Keyboards, Gitarre) und Jack Mitchell (Drums, Vocals) eine enge Auswahl getroffen und eifern nicht jeder X-beliebigen Erfolgsband aus dem UK nach.

Haven haben sich mit Haut und Haar dem hymnischen Pop in der larmoyanten Art und Weise von Acts wie The Verve, Travis, Coldplay und Suede verschrieben und sparen die rüpelhafte und arrogante Attitüde á la Oasis und Embrace vollkommen aus. Dabei entwickeln sie einen Stil, der bei allen Vergleichen, die der Sound bietet, ein hohes Maß an Eigenständigkeit bietet. Die Burschen behandeln konsequent die ganz großen Gefühle, wie Sehnsucht, Liebe und Trauer und liefern eine pathos-getränkte Hymne nach der anderen ab.

Die ersten zwei Songs der CD dienen dabei noch ein wenig zum Warmlaufen für den geneigten Hörer, um zu erkennen, wo die Reise in der nächsten Stunde hinführen wird. Doch spätestens mit „Say something“, der ersten Singleauskopplung, drehen Haven erstmals richtig auf und beweisen, dass auch ohne das Zutun von Travis, Songs in der Tradition von „Sing“ oder „Why does it always rain on me“ entstehen können. Das ist schlicht genial. Auch bei den nächsten Stücken hält die Band das Niveau und festigt den guten Eindruck. Mit „Let it live“ hat Haven sogar noch eine potentielle Hitsingle für die britischen Charts im Gepäck, wobei sich die restlichen Kompositionen keinesfalls hinter diesen zwei Songs verstecken müssen. Unterm Strich bekommt der Käufer nämlich ein Dutzend herzzerreißende Melodien geboten, die an Eindringlichkeit nichts vermissen lassen.

Herausragende Elemente sind vor allem die Vocals von Gary Biggs, der die Stimmung der Songs entscheidend prägt und phasenweise an Brian Molko von Placebo bzw. Suedes Brett Anderson erinnert, sowie die angenehm sparsame Instrumentierung. Jeder spielt nur das Nötigste und sorgt so für ein luftiges Gesamtarrangement, ohne all zu spartanisch zu klingen.

Mit „Between the senses“ hat diese junge Band ein überzeugendes Debüt abgeliefert, das zwar noch Raum für Verbesserungen offen hält, aber auch so viel Freude bereitet und auf einen mindestens ebenbürtigen Nachfolger hoffen lässt.

Anspieltipps:

  • Where is the love
  • Let it live
  • Say something
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