Vanessa Carlton - Be Not Nobody - Cover
Große Ansicht

Vanessa Carlton Be Not Nobody


  • Label: A&M/Universal
  • Laufzeit: 46 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn die Welt gerecht wäre, würde sich tatsächlich ein Umbruch im internationalen Musikbusiness abzeichnen. Denn wie es aussieht, geht der Trend allmählich weg von gecasteten Hupfdohlen à la Britney Spears und hin zu jungen Künstlern mit Substanz, die ihre Songs selber schreiben und einspielen und neben der kaufkräftigen Teenie-Zielgruppe auch ein erwachsenes Publikum ansprechen. Vielleicht erleben wir sogar die Geburtsstunde einer neuen Musiksparte (wie wäre es mit „Adult Orientated Teen-Pop”?), die bereits erfolgreiche Acts wie Michelle Branch, Alicia Keys und Norah Jones in die Charts beförderte und nun mit der 22-jährigen Pianistin Vanessa Carlton aus dem Nest Mitford in Pennsylvania (USA) den nächsten potenziellen Superstar bereithält.

Wie bei großen Talenten üblich, kam Vanessa Carlton schon in jungen Jahren mit der Kunst in Berührung. Gefördert durch ihre Eltern Ed, einem Piloten und Heidi, einer Klavierlehrerin, spielte sie bereits im zarten Alter von zwei Jahren ihr erstes Lied auf dem Klavier („It’s a small world“) und komponierte mit acht Jahren das erste eigene Stück. Mit neun Jahren entdeckte die kleine Vanessa das Ballett für sich und gab sich fortan auch dieser Kunst hin. Als 14-Jährige besuchte sie die „School of American Ballet“ in New York, mit dem Ziel, eine ausgebildete Ballerina zu werden. Doch der Leistungsdruck und die Entfernung von ihrer Familie sorgten im Laufe der Zeit für großen Frust bei Vanessa. Nach drei Jahren harter Ballettausbildung widmete sie sich wieder stärker dem Klavierspiel und verarbeitete mit Texten und Komponieren die schweren Stunden an der Universität. Mittlerweile sang sie auch zu ihren Songs, was der Entwicklung einen besonderen Kick gab. Die Musik sprudelte nur so aus ihr heraus und nach einiger Zeit gab sie kleine Konzerte in Downton New York. Dadurch zog sie das Interesse von Talentsuchern auf sich, die um das junge Talent buhlten. Das Rennen machte letztendlich der Label-Boss Ron Fair, der Vanessa Carlton für sein A&M-Label unter Vertrag nahm und es sich nicht nehmen ließ, das Debütalbum „Be not nobody“ eigenhändig zu produzieren.

Schon die vorab ausgekoppelte Single „A thousand miles“ avancierte zu einem Welthit und ließ die Erwartungen an das Album in ungeahnte Höhen schnellen. Doch können diese auch erfüllt werden? Die Vorzeichen stehen auf jeden Fall nicht schlecht, denn ein Markt für pianobegleitete Singer/Songwriter-Popmusik ist spätestens seit Tori Amos Debüt „Little earthquakes“ aus dem Jahr 1992 definitiv vorhanden und wartet nur darauf, mit eingängigen Melodien und ausdrucksstarken Vocals bedient zu werden. Allerdings fällt bereits nach wenigen Songs von „Be not nobody“ auf, dass die Vergleiche mit der avantgardistischen Tori Amos (noch) zu hoch gegriffen sind. Zwar liefert Frau Carlton durchaus solide Kost ab, die in Teilen an die wilden Pianoläufe einer Tori Amos erinnern können („Wanted“) aber im stimmlichen Bereich häufig zu harmlos und streckenweise kindlich klingen („Pretty baby“). Das hat natürlich ebenfalls einen gewissen Charme und lässt sich, von den naiven Texten einmal abgesehen, noch am ehesten mit der amerikanischen Underground-Heldin am Piano, Emily Richards, vergleichen.

Leider fehlt es dem Werk allgemein an Intensität und emotionaler Tiefe, das es vielleicht durch eine etwas spartanischere Produktion bekommen hätte. So fährt das Label für seinen hoffnungsvollen Star allzu oft die volle Breitseite an Studiobombast auf und geizt auch nicht mit dem Einsatz eines Streichorchesters. Fette Produktion nennt man das wohl im aktuellen Sprachgebrauch. Dabei sind es doch gerade die „einfachen“ Songs, die das Album vor dem totalen Durchschnitt retten. Eine Ballade wie „Twilight“ etwa, die zwar mit großen Orchester daherkommt, lebt eindeutig von der eindrucksvollen Stimme Vanessa Carltons. Warum gibt es nicht mehr davon?

Auf wirklich gefährliches Terrain begibt sich die Künstlerin, in dem sie den Rolling-Stones-Klassiker „Paint it black“ covert. Daran sind schon viele Größen gescheitert. Doch erstaunlicherweise funktioniert die Nummer im Kontext Carltonscher Musik und entwickelt einen treibenden Groove. Respekt dafür. Unterm Strich kann die CD die hochgesteckten Erwartungen aber nicht erfüllen, die mit „A thousand miles“ geweckt wurden. Doch ist es allemal besser, zu einer Singer/ Songwriter-Platte zu greifen, als der x-ten miserablen Boygroup- CD den Vorzug zu geben.

Anspieltipps:

  • A thousand miles
  • Pretty baby
  • Paint it black
  • Twilight
Neue Kritiken im Genre „Pop“
Diskutiere über „Vanessa Carlton“
comments powered by Disqus