Counting Crows - Hard Candy - Cover
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Counting Crows Hard Candy


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Man programmiere sich einfach sein persönliches 10-Punkte „Hard Candy“ und alles wird gut.

Das Cover der neuen Counting Crows-CD verrät uns schon im Vorfeld, dass wir es mit 13 neuen Songs („fresh new flavors“) aus der Feder von Ober-Jammerlappen Adam Duritz zu tun bekommen. Auf der europäischen Version sind es sogar deren 14, zuzüglich Hidden-Track, einem Joni-Mitchell-Cover. Also genügend Material, um rund drei Jahre nach Veröffentlichung des letzten Opus „This desert life“ ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Mit ihrem gefeierten Debütalbum „August and everything after“, das in der Hochphase der Grunge-Welle erschien (1993), hat sich die Band unter ihren Fans einen Heiligenstatus erarbeitet. Und das mit einer Musik, die zu der Zeit völlig out zu sein schien. Eine bemerkenswerte Leistung, dessen Erfolgsgeheimnis auch in den Texten von Sänger Adam Duritz zu liegen scheint, da er es mit seiner Prosa immer wieder schafft, fesselnd traurige Geschichten zu erzählen, die wohl jeden schon einmal dazu verführten, eine Träne zu verdrücken.

Das inzwischen fünfte Werk der Herren Duritz (Vocals), Bryson (Gitarren), Gillingham (Piano), Immerglück (Gitarren), Malley (Bass), Mize (Drums) und Vickrey (Gitarren) aus San Francisco bietet auch diesmal die gewohnte Mischung aus Pop, Rock, Folk und Country und fährt für die Produktion nur das Beste vom Besten auf. Producer-Legende Steve Lillywhite, Mixing-Papst Jack Joseph Puig und Mastering-Gott Bob Ludwig sowie diverse prominente Musiker-Kollegen. So hilft Matthew Sweet auf dem Titeltrack „Hard candy“ an den Vocals aus, was dem etwas biederen Track auch nicht auf die Sprünge hilft, Sheryl Crow dagegen wertet die „American girls“ mit ihrem Backgroundgesang perfekt auf, während Ryan Adams beim Song „Butterfly in reverse“ als Texter, Komponist und Backgroundsänger zur Seite stand und Nachwuchshoffnung Leona Naess bei „Black and blue“ als Co-Vocalistin ihr Talent in die Wagschale wirft.

Ein häufig benutztes Stilmittel vieler Singer/Songwriter ist es, Songs nach Orten zu benennen, bzw. deren Handlung in plakative Gegenden zu verlegen, um das Kopf-Kino des Hörers ein wenig auf Trapp zu bringen. Davon macht Mr. Duritz auf „Hard candy“ fast schon verschwenderisch Gebrauch. Allein fünf Songs tragen die Landkarte bereits im Titel („American girls“, Goodnight L.A.“, „Miami“, „Frankie Miller goes to Hollywood“, „Holiday in Spain“). Bei den anderen verrät uns der Meister erst im Text, was Sache ist („Hard candy“ erzählt von Abenden auf Long Island, in „Good time“ erfahren wir, dass Duritz lediglich „... just another boy from Texas“ ist, in „New frontier“ geht’s, na klar, um Menschen seiner Heimat („... She says, this is not America. You need a girl with electrical hair…”) und in „If I could give all my love“ treibt sich der Protagonist in San Francisco herum.) Nun ja. Warum nicht, wenn’s hilft. Aber tut es das wirklich?

Mit zunehmender Spieldauer macht sich nämlich ein unschönes Wechselspiel aus sehr guten und dann wieder nur mittelprächtigen Liedern bemerkbar, das keinerlei Dramaturgie bzw. Song-Anordnung erkennen lässt. Fast schon lieblos und uninspiriert plätschern die Songs vor sich hin und taugen allenfalls als Single-B-Seiten („New frontier“, „Carriage“), bis dann mal wieder eine Perle heraussticht („Black and blue“). Eigentlich schade, angesichts einer nicht unerheblichen Anzahl hervorragender Kompositionen. Hätte man sich getraut, auf das klassische LP-Format (9 - 10 Stücke, 40 - 45 Minuten Spielzeit) zurückzugreifen und mindestens vier faule Eier weggelassen, wäre eine Note, wie bei Counting-Crows-Alben üblich (9 - 10) herausgesprungen. Aber in Zeiten von CD und Mini-Disc ist das ja kein wirkliches Problem mehr. Man programmiere sich einfach sein persönliches 10-Punkte „Hard candy“ und alles wird gut. Garantiert!

Anspieltipps:

  • American girls
  • Good time
  • Goodnight L.A.
  • Miami
  • Black and blue
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