Gemma Hayes - Night On My Side - Cover
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Gemma Hayes Night On My Side


  • Label: Source/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemmas sanfte Poesie zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt verlangt nach einer besonderen Umsetzung.

Aus der Abteilung „erwachsenen-orientierte Popmusik“ flattert uns in diesen Tagen das Debütalbum der 24-jährigen Singer/Songwriterin Gemma Hayes aus dem irischen 500-Seelendorf Ballyporeen in Tipperary auf den Tisch.

Die junge Künstlerin wuchs zusammen mit sieben Geschwistern auf und kam durch die unterschiedlichen Geschmäcker ihrer Brüder und Schwestern mit allen erdenklichen Musikstilarten in Berührung, was sich z.B. darin äußerte, dass aus den Kinderzimmern zeitgleich Platten etwa von AC/DC, Davey Spillaine und Fleetwood Mac dröhnten. Auf der Flucht vor dem täglichen Chaos einer Großfamilie und einem Leben geprägt von Langweile in der irischen Einöde, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, begann sie mit dem Klavierspiel. Später, an der Universität in Dublin, lernte Gemma ein Mädchen kennen, das eine Gitarre besaß und sie mit ihrem Spiel in den Bann zog. Ihr einziger Wunsch war es nun, das Instrument so schnell wie möglich zu beherrschen. Sie vernachlässigte fortan ihr Studium und gab sich ganz der Musik hin. Als Konsequenz schmiss sie das Studium und nahm einen Job an, um in den folgenden Jahren die Kunst des Songschreibens für sich zu entwickeln und in den Abendstunden kleine Konzerte mit ihrer Band zu geben.

Anfang 2001 unterzeichnete sie einen Plattenvertrag mit dem französischen Kultlabel Source Records und brachte im Laufe des Jahres zwei EP’s („4.35 am“ und „Work to a calm“) auf den Markt. Unter Mithilfe des Star-Produzenten Dave Fridmann (Flaming Lips, Mercury Rev, Mogwai) spielte Gemma Hayes in den Tarbox Road Studios in Buffalo, New York, nun ihr erstes Album ein, das ganz in der Tradition weiblicher Songschreiber wie Joan Baez und Joni Mitchell steht und klanglich dem rauen Gitarren-Pop einer Liz Phair nacheifert.

Gemma taufte die CD auf den Namen „Night on my side“, weil sie nach eigener Aussage nur nachts in der Lage sei, gute Songs zu schreiben. Es läge dann eine spezielle Magie in der Luft, die den Menschen besondere Kreativität verleiht. So auch ihr, indem sie zugibt, dass eine Vielzahl der Titel auf dem Album zu später Stunde entstanden sind. Dabei versteht sich die Künstlerin nicht als Geschichtenerzählerin. Ihre Songs handeln vielmehr von den besonderen Momenten des alltäglichen Lebens. Von kleinen und großen Tragödien und Gefühlen, die jeder kennt.

So versteht es sich fast wie von selbst, dass Gemmas sanfte Poesie zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nach einer besonderen Umsetzung für ihre erste CD verlangte. Diese äußert sich in einer relativ leisen Grundstimmung, die den balladesken Charme der Songs, die den Herbst im Herzen tragen, einfängt. Doch trotz aller Moll-Töne, versteht es die 24-Jährige immer wieder, kleine aber feine Melodien in ihren Songs zu verpacken, die arg schleppend instrumentiert wurden und mit ihrer düsteren Schönheit an die Walkabouts erinnern. Dabei begleitet sich Gemma mit der Akustikgitarre, ganz selten auch mal mit der E-Gitarre und deckt so das ganze Spektrum zwischen knarzigem Folk-Rock und Lo-Fi Gitarren-Pop ab. Lediglich bei „Hanging around“, einem fröhlichen Singa-A-Long und „Lucky one (Bird of Cassadaga)“, geht die Dame etwas aus sich heraus und fährt einen lärmenden Wall of Sound auf. Ansonsten dominiert eindeutig der Schwermut, der die Platte nicht nur extrem Sommer-untauglich macht, sondern wohl auch den Einzug in die Charts der Welt verhindern dürfte. Aber das ist ja auch kein Maßstab für gute Musik.

Anspieltipps:

  • Back of my hand
  • Hanging around
  • Let a good thing go
  • Ran for miles
  • Lucky one
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