Lambretta - Lambretta - Cover
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Lambretta Lambretta


  • Label: Polar/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Grauen kommt aus Schweden und hört auf den Namen des italienischen Kult-Motorrollers Lambretta. Diese junge Band veröffentlichte vor kurzem ihr neues, selbstbetiteltes Album, nachdem bereits das Debüt „Breakfast“ (1999) in der skandinavischen Heimat für Aufsehen sorgte und mit „Blow my fuses“ einen wochenlangen Nummer 1 Single-Hit abwarf.

Das Quintett wird von der gutaussehenden Blondine Linda Sundblad (21) angeführt, die das optische Aushängeschild der Band darstellt und für einen Teil der Texte sowie für den Gesang zuständig ist. Obwohl es keineswegs ihr Kindheitstraum war, Musikerin zu werden, schlug sie diese Laufbahn ein und stieß zur Lambretta-Formation hinzu. Das musikalische Fundament der Gruppe bildete sich bereits im Jahre 1993, als sich die vier Herren Klas Edmundsson (Gitarre), Anders Eliasson (Keyboard, Gitarre), Petter Lantz (Bass) und Tomas Persic (Drums) entschlossen, eine Rockband zu gründen.

Auf ihrem neuen Werk geht die Band das Experiment ein, hart rockende Gitarren-Klänge mit poppigen Melodien zu koppeln. Damit bleiben die Musiker ihren Wurzeln treu, ohne das Gelingen des großen Ziels zu gefährden: Den Großangriff auf die Hitparaden dieser Welt. Als Erfolgsgarant wurde Max Martin, einer der angesagtesten Pop-Produzenten, in das Projekt eingebunden, der für seine zuckersüßen Arrangements bekannt ist. Britney Spears (“Oops, I did it again”), Ace Of Base („Never gonna say I’m sorry“) und die Backstreet Boys (“Quit playing games with my heart”) konnten auf diese Weise schon veritable Charterfolge feiern. Damit ist auch klar, wohin der Zug im Hause Lambretta fährt. Schließlich verpflichtet man nicht als Ersatz für fehlende Street-Credibility den erfolgreichsten Teen-Pop-Producer. Hier wird versucht, den Erfolg am Reißbrett zu planen, was bei einem Blick in die Charts auch zu funktionieren scheint. Die Singleauskopplungen „Bimbo“ und „Creep“ laufen auf den Musiksendern rauf und runter und verkaufen sich entsprechend gut. Dabei stellt solch ein Vorgehen noch lange kein besonderes Delikt dar, sondern spiegelt lediglich den Zustand der Hitparaden wider, die zu 95% ein Sammelbecken einheitlicher Massenware darstellen.

So verwundert es dann auch nicht, wenn man bei einem Blick in das Hochglanz-Booklet zur Kenntnis nehmen darf, dass die Musiker am Songwriting-Prozess nur einen marginalen Anteil hatten und anscheinend nicht viel zum Konzept beitragen konnten/durften. Wollen wir hoffen, dass sie wenigstens ihre Instrumente selber spielen durften. Die Frage ist nur, warum man sich teure Songwriter einkauft, wenn diese neben zwei, drei Ausnahmen auch nur mittelprächtige Kost abliefern und zudem Texte fabrizieren, die selbst die Zielgruppe der Bravo-Leser unterfordern dürfte.

Man kann Lambretta zwar zugutehalten, dass knackige Rocksongs wie „Bimbo“, „Creep“ oder „I know“ als Single funktionieren, doch macht sich auf die Länge eines ganzen Albums Langeweile breit. Mehrmaliger Hörgenuss dieses bunt zusammengewürfelten Haufens aus Rock-Krachern, Midtempo-Songs („Piece of my heart“, „Sorrow“) und unglaublich klebrigen Balladen („Perfect tonight“, „Cry in my arms“, „Give me love“) verursacht sogar Magenschmerzen. Um es kurz zu machen. Die 12 Songs der vorliegenden CD haben, bis auf die zwei Singleauskopplungen, keine all zu große Halbwertzeit und sind nichts weiter als steriler Wegwerf-Pop fürs Autoradio.

Anspieltipps:

  • Bimbo
  • Creep
  • You will never
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