Doves - The Last Broadcast - Cover
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Doves The Last Broadcast


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die englische Stadt Manchester ist nicht nur Heimat für Rock-Proleten wie die Gallagher Brüder von der Band Oasis und extrovertierter Fußball-Millionäre vom einstigen Abonnement-Meister „ManU“, sondern auch bekannt für seine homogene Musikszene, die sich als kreative Keimzelle diverser Trends einen Namen gemacht hat. Legenden wie New Order, The Smiths, Stone Roses und eben jene Krawallbrüder von Oasis seien hier genannt.

Die Protagonisten der Band Doves stammen ebenfalls aus Manchester und sind seit den frühen 90er Jahren ein Begriff in der Musikwelt. Damals firmierte man noch unter dem Namen Sub Sub und produzierte mit „Ain’t no love (ain’t no use)“ einen der Chartbreaker des Jahres 1993 im Acid-House Stil. Danach kam nicht mehr viel, bis man sich unter neuem Namen und mit dem Album „Lost souls“ (2000) zurückmeldete.

Jetzt möchte uns das Sensationsblatt „New Musical Express“ weismachen, dass den Herren Jimi Goodwin, Andy und Jez Williams mit ihrem Zweitwerk „The last broadcast“ DAS Meisterwerk schlechthin geglückt ist und nur darauf wartet, die Welt im Sturm zu nehmen. Nichts Neues, möchte man meinen, angesichts wöchentlicher „Next big thing“-Ankündigungen der englischen Musikpresse. Erst waren es The Strokes, The Hives und The Vines. Danach wurde der Black Rebel Motorcycle Club hochgelobt und später The White Stripes. Wie schön wäre es, wenn all diese Bands tatsächlich so gut und wichtig wären wie uns der „NME“ einzureden versucht. Wenn aber selbst der hochseriöse „Guardian“ der Meinung ist, dass mit „The last broadcast“ Großartiges geschaffen wurde, heißt es, auch außerhalb der Insel, hingehört.

In zehn Monaten spielten die Engländer zwölf Songs in diversen Studios in Liverpool, London, Bath und Manchester ein und zeichneten sich ebenfalls für die Produktion verantwortlich. Als Co-Produzenten wurden lediglich Max Heyes (Primal Scream) und Steve Osborne (New Order) gelegentlich hinzugezogen. Die Musik der Doves pendelt irgendwo zwischen Travis und den späten Radiohead und macht schon beim Auftakt (sinnigerweise „Intro“ betitelt) deutlich, dass sich die Gruppe dem absoluten Breitwand-Sound verschrieben hat und ausschließlich opulente Arrangements, prall gefüllt mit epischer Schwere und Melancholie, auffährt. Egal ob ergreifende Balladen („Satellites“), stampfende Brit-Pop Stücke („Pounding“) oder psychedelische Mantras wie das grandiose „M 62“, einer Bearbeitung des King Crimson Songs „Moonchild“, das kurioserweise unter der Überführung der Autobahn M 62 in Manchester aufgenommen wurde. Die Doves beherrschen alle Spielarten und nehmen den Hörer auf eine spannende Entdeckungsreise mit. Doch trotz aller Melodieverliebtheit, ist das Werk nicht auf Anhieb für jedermann zugänglich. Im Prinzip funktioniert das Album nur als Ganzes und auch nur dann, wenn man ein Mindestmaß an Konzentration aufbringt. Wer allerdings bereit ist, diese Zeit „zu opfern“, wird mit einer aufregenden Platte jenseits des Mainstreams belohnt, die man sich gewiss mehr als ein Mal anhört.

Anspieltipps:

  • Satellites
  • M 62 song
  • Pounding
  • The sulphur man
  • Caught by the river
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