Queens Of The Stone Age - Songs For The Deaf - Cover
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Queens Of The Stone Age Songs For The Deaf


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kyuss – Eine legendäre Band, bei der viele Fans immer noch ein lachendes und ein weinendes Auge bekommen, wenn sie den Namen hören. Ein lachendes, weil die Herren Nick Oliveri, Josh Homme, Scott Reeder, Brant Bjork, Alfredo Hernandez und John Garcia mit dem Stoner-Rock einen neuen, gewaltigen Musikstil erfunden haben, und ein weinendes, weil die Band nach nur vier Alben 1995 das Zeitliche gesegnet hat.

Doch 1998 gab es einen Lichtblick für die große Stoner-Rock-Gemeinde, als sich die Ex-Kyuss Mitglieder Nick Oliveri und Josh Homme mit diversen Gastmusikern zu der Formation Queens Of The Stone Age zusammenschlossen und dem Kyuss-Stil wiederbelebten. Nach dem selbstbetitelten Debüt wechselte die Band vom Indie-Label Loosegroove Records zum Branchenriesen Universal und brachte vor zwei Jahren mit „Rated R“ ein gefeiertes Album auf den Markt, das den altbekannten Sound renovierte und teilweise mit richtig poppigen Melodien aufwartete. Mit „The lost art of keeping a secret“ und „Feel good hit of the summer“ gab es sogar zwei Single-Hits in den Rock-Charts. Jetzt geht das dritte Werk der Queens an den Start und präsentiert in alter Tradition ein paar neue Bandmitglieder. Allerdings handelt es sich nicht um irgendwelche Nobodys, sondern um keine geringeren als Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) und Mark Lanegan (Screaming Trees). Abgesehen von der musikalischen Qualität der beiden, kann es wohl keine bessere Promotion für ein Album geben.

„Songs for the deaf“ wird durch ein 90 Sekunden andauerndes, geheimnisvolles Elektro-Geplucker eröffnet, dass den Hörer scheinbar zu hypnotisieren versucht. Doch bevor man Gefahr läuft, in einen Trance-artigen Zustand zu geraten, wird man durch einen Donnerschlag geweckt, der auf den Namen “You think I ain’t worth a dollar but I feel like a millionaire” hört und jeden Rock-Fan dazu animieren dürfte, Luft-Gitarre bzw. Luft-Schlagzeug zu spielen und dieses mit heftigsten Headbanging zu kombinieren. Das ist moderner, aggressiver Punk-Rock at it’s best! Recht simpel gestrickt zwar, aber gerade deshalb auch so genial. Weiter geht’s mit der extrem groovenden Nummer “No one knows”, die als erste Singleauskopplung geplant ist. Eine passende Wahl, da der Song im Vergleich ziemlich smooth ausgefallen ist und lediglich im Refrain etwas härtere Gitarren-Sounds bietet.

Nicht unbedingt neu, aber eine nette Idee ist es, einzelne Tracks mit gefakten Radioansagen miteinander zu verbinden, die von Casey Chaos (Amen), Chris Goss (Masters Of Reality), Dave Catching (Earthlings?) und Twiggy Ramirez (Ex- Marilyn Manson) gesprochen werden. So ist die spanische Ansprache zum Titel „First it giveth“ die perfekte Einleitung zu einem Wüsten-Rocksong mit gnadenloser Hookline. Ein absoluter Höhepunkt ist das grandios hypnotische Riff-Monster „A song for the dead“ mit seinen verrückten Tempowechseln, bei dem Dave Grohl sein Drumkit wie ein Berserker bearbeitet, Mark Lanegan dem Hörer mit seiner markanten Stimme kalte Schauer über den Rücken treibt und Josh Homme wahnwitzige Gitarrensoli aus sich heraus kitzelt.

Überhaupt muss man feststellen, dass die Musiker prächtig miteinander harmonieren. Es heißt zwar immer, dass Schlagzeuger und Bassisten die geringsten Rollen in einer Band spielen, doch Nick Oliveri und Dave Grohl beweisen hier eindeutig das Gegenteil. Die Musiker zelebrieren auf den 15 Songs eine verblüffende Stilvielfalt aus reinrassigen Pop-Songs („Go with the flow“, „Gonna leave you“) und harten Rock-Songs, die danach schreien, mehrmals gehört zu werden, damit sich sämtliche Details erschließen. So ist „Six Shooter“ eine einzige zweiminütige Krach-Eruption mit einem Nick Oliveri, der sich den Teufel aus dem Leib schreit, während „Hangin‘ tree“ ein Blues-Rocker im Stakkato-Rhythmus ist, der von Mark Lanegan mit Tom Waits Stimme prächtig ausgefüllt wird. Das Titelstück „Song for the deaf” könnte hervorragend als Soundtrack eines Horrorfilms durchgehen, denn hier bekommt man schon beim reinen Zuhören Angstzustände. Das ist ganz großes Kino!

Den Abschluss bildet die bittersüße Ballade “Mosquito song”, ein Folk-Song mit Dean Ween von der Band Ween als Co-Vokalist. Das komplette Arrangements mit Streichern, Bläsern und Klavier erinnert an Tom Waits und hätte gewiss auf jeder Waits-Platte einen Ehrenplatz verdient. Auf jeden Fall ein schöner Ausklang eines Albums, das den geneigten Hörer atemlos zurücklässt und ihm Gelegenheit gibt, durchzuamten, bevor man sich auf den nächsten Trip mit den Queens Of The Stone Age und einem der besten Rockalben des Jahres 2002 einlässt.

Anspieltipps:

  • You think I ain’t worth a dollar but I feel like a millionaire
  • A song for the dead
  • Song for the deaf
  • Mosquito song
  • First it giveth
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