Frank Black - Black Letter Days - Cover
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Frank Black Black Letter Days


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 65 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Bereich des Alternative Rock gehören die Pixies seit ihrem Debütalbum „Come on pilgrim“ (1987) zu den absoluten Aushängeschildern und zählen zu den Vorbildern vieler Bands der Grunge-Welle. Gerne spricht man davon, dass die Pixies quasi die Türöffner für die Seattle Heroen von Nirvana waren.

Die Band um Mastermind Black Francis (bürgerlicher Name Charles Thompson), Kim Deal, David Lovering und Joey Santiago veröffentlichte fünf Alben, ehe sich die vier Musiker aufgrund interner Reibereien 1992 trennten und fortan eigene Wege gingen. Kim Deal verdingte sich mit Tanya Donnely bei den Throwing Muses und zusammen mit ihrer Schwester Kelley bei den Breeders (größter Hit: „Cannonball“). Black Francis trat unter dem Pseudonym Frank Black als Solokünstler in Erscheinung und veröffentlichte die Werke „Frank Black“ (1993), das mit dem Slogan „Death to the Pixies – Here comes Frank Black!“ beworben wurde, „Teenager of the year“ (1994) und „The cult of Ray“ (1996). Mit der nächsten CD fand Black den Weg zurück in die Gemeinschaft einer Band. Als „Frank Black & The Catholics“ brachte er die selbstbetitelte CD (1998), sowie die Werke „Pistolero“ (1999) und „Dog in the sand“ (2000) heraus. Jetzt schlagen die Catholics gleich mit einem Doppel-Release zu. „Black letter days“ und „Devil’s workshop“ heißen sie und reihen sich in die Tradition von Guns ‘N Roses, Bruce Springsteen und Tom Waits ein, die ebenfalls zwei Alben gleichzeitig auf den Markt brachten. Beide Werke wurden im eigenen mobilen Studio aufgenommen und bieten eine Symbiose aus traditioneller amerikanischer Musik (Country, Rock, Folk).

„Black letter days“ beginnt mit einer vor Energie strotzenden Coverversion von Tom Waits „The black rider“, die eindrucksvoll belegt, dass die Zeiten des Experimentierens im Hause Black vorbei sind. Das Stück ist ein Rocker ohne Schnörkel und schlägt sich im direkten Vergleich mit dem Original mehr als beachtlich. Eine gelungene Einladung, sich ohne Vorurteile dem Werk zu nähern („Come on along with the black rider. We’ll have a gay old time. Lay down in the web of the black spider. I’ll drink your blood like wine“). „Chip away boy“ wird von getragenen Pianoklängen und zarten Bass-Tupfern eingeleitet, bis die Band dem Song mit den prägnanten Klängen einer Pedal Steel-Guitar und einer schrammeligen Akustikgitarre die Sporen gibt. Das ist fast schon Country pur. Frank Black goes Johnny Cash! Absolut cool.

„Cold heart stone“ ist eine Halbballade, die ebenfalls sehr stark im Bereich der Country Musik wildert. Dazu singt Frank Black so zerknautscht wie Weiland Mick Jagger. Ebenfalls reichlich cool und sehr hörenswert. Das Titelstück ist ein gradliniger Rocksong mit lärmenden Gitarren und einem Refrain, den man sofort mitgrölen kann. Idealer Konzertstoff also. Bei „How you went so far“ jammert und krächzt der gute Frank (zugegeben etwas schief) um die verflossene Liebe und verleiht dem Song eine Waitsche Theatralik („Someday I know that you’ll be coming back. Will you someday? I wait to hear you turn that knob on the door. Can’t take it no more“). Dazu heult, gniedelt und sägt die Gitarre und sorgt für eine Gänsehaut-Atmosphäre. „End of miles“ ist ein satter Rocksong mit fetter Hammond-Orgel und amtlichen 80er Jahre Gitarrensolo, während „Southbound bevy“ ein göttlicher Country Popsong mit magischer Akkordfolge ist, zu dem Mister Black mit ungewöhnlich hoher Stimme parliert „I used to think about the world. Don’t get you spirits high. They all coming crashing down.... I walked around the country levy and I could not believe my heart could feel so heavy“.

„I will run after you“ stößt inhaltlich noch mal in dasselbe Horn, ist aber genialer Schrammelpop wie ihn die Lemonheads zum Ende ihrer Karriere präsentierten. Stark! Beendet wird das wahrscheinlich beste Album von Frank Black seit seiner Zeit bei den Pixies mit einer weiteren Variante von „The black rider“. Doch damit ist noch lange nicht Schluss, denn diese CD kann man sich bedenkenlos mehrmals am Stück anhören.

Warum bei dieser Rezension nicht auf den gleichzeitig veröffentlichten Zwilling „Devil’s workshop“ eingegangen wird, ist dagegen schnell erklärt. Wartet „Black letter days“ mit 18 Songs auf, von denen maximal eine Hand voll ein etwas schwächeres Niveau haben („True blue“, „Valentine & Garuda“, „1826“, „The farewell bend“, „Jet black river“), geht der Meister bei dem 11 Songs umfassenden Zweitwerk etwas zu ungestüm zuwerke und haut dem Hörer 33 Minuten biederen Gitarrenrock um die Ohren, der sicher auch seine Reize besitzt („Velvety“, „San Antonio, TX", „Fields of marigold"), auf der Richterskala aber höchstens fünf Punkte verdient hat.

Anspieltipps:

  • 21 reasons
  • The black rider
  • Southbound bevy
  • I will run after you
  • How you went so far
  • Jane the queen of love
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