The Black Crowes - Live - Cover
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The Black Crowes Live


  • Label: V2/ZOMBA
  • Laufzeit: 104 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine hochtalentierte Band auf unaufhörlicher Talfahrt. So könnte man die Karriere der Black Crowes etwas unhöflich umschreiben. Mit zwei immens erfolgreichen Alben, die nur so vor Hits strotzten und fälschlicherweise der Retro-Rock-Welle zugeordnet wurden („Shake your money maker“, 1990 und „The southern harmony & musical companion“, 1992) begründeten die Brüder Chris und Rich Robinson ihren Status als legitime Nachfolger der Glimmer- bzw. Toxic-Twins (Jagger/Richards von den Rolling Stones und Perry/Tyler von Aerosmith). Ähnlich wie bei ihren „großen Brüdern“ bestimmen die zwei alleine, wo es mit der Band langgeht. Die Herren Mitmusiker werden vom Publikum dagegen kaum zur Kenntnis genommen. Daran können auch weit über 10 Millionen verkaufte Alben nichts ändern.

Die Nachfolger der beiden Megaseller „Amorica“ (1994), „Three Snakes and one charm“ (1996) und „By your side“ (1999) waren zwar nicht schlecht, konnten hingegen nicht mehr an die kreativen Höhenflüge der Anfangstage anknüpfen. Dieser nachlassende Hit-Appeal schlug nicht nur der Band gehörig auf den Magen, sondern machte sich auch in drastisch sinkenden Verkaufszahlen bemerkbar, was wiederum ein unschönes Gebaren seitens der Plattenfirma hervorrief.

Die schwarzen Krähen aus Atlanta, Georgia, waren ursprünglich auf dem Def American Recordings Label von Rick Rubin beheimatet. Als dieser nach und nach seine Anteile an Sony verkaufte, wurden die Künstler dem Sony-Label Columbia angegliedert. Aus einer familiären Umgebung entstand urplötzlich eine kalte und unpersönliche Geschäftsbeziehung mit dem Verwaltungsapparat eines Majorlabels. Damit war die Band nicht einverstanden und versuchte, aus ihrem Vertrag herauszukommen, was mit einem juristischen Husarenstreich gelang. Weil Columbia es um wenige Tage verpasste, die Option auf eine Vertragsverlängerung wahrzunehmen, präsentierte der Manager der Crowes dem Label die Kündigung. Doch Sony ließ seinen ehemals erfolgreichen Act nicht so einfach von der Angel. Die Firma sicherte sich die Rechte an einem „Best of“-Album („A tribute to a work in progress“, 2000), untersagte die Neuaufnahme alter Songs für einen festgelegten Zeitraum (das `99er Album „Live at the Greek“ mit Jimmy Page als Gaststar bestand ausschließlich aus Led-Zeppelin-Songs und Blues-Coverversionen). Dazu überschwemmte das alte Label den Markt mit remasterten Neuauflagen der bei American/Columbia/Sony erschienenen Alben in Form eines Box-Sets mit reichlich Bonus-Tracks („Sho’ nuff“, 1998) und als Einzel-CDs. Gewiss keine guten Voraussetzungen für einen Neustart, der auf dem Label V2 mit dem 2001er Werk „Lions“ kommerziell in die Hose ging.

Eine Situation, die an den Bandmitgliedern nicht spurlos vorüber ging. Nach diversen Besetzungswechseln in der Vergangenheit nahm nun Drummer und Gründungsmitglied Steve Gorman den Hut und Chris Robinson kündigte ein Soloalbum an. Rich hat offensichtlich ähnliche Pläne und bastelt mit Royston Langdon (Ex-Spacehog) an einem gemeinsamen Projekt. Von all dem unberührt, erschien in diesen Tagen der zweite V2-Output der Black Crowes. Ein auf der letzten Tournee mitgeschnittenes Live-Doppelalbum mit satten 19 Songs, die einen passablen Überblick über das bisherige Schaffen der Südstaatler abgeben. Zwar liegt das Hauptaugenmerk auf den „Lions“-Songs, doch Hits wie „Remedy“, „Hard to handle“, „She talks to angels“ und „Sometimes salvation“ fehlen selbstverständlich nicht. Produziert und abgemischt wurde die Platte von Rich Robinson persönlich. Warum auch viel Geld für sündhaft teures Personal ausgeben, wenn man selbst in der Lage ist, diese Arbeit zu erledigen.

Wer schon einmal auf einem Konzert der Black Crowes war wird wissen, dass es sich dabei um wahre Kreuzzüge der Rockmusik handelt. An guten Tagen bläst die Band mit ihren vehementen Riffs und Chris Robinsons kraftvoller Stimme alles weg, was Rang und Namen hat. Es soll zwar auch schon vorgekommen sein, dass die Herren wegen eines zuviel gerauchten Joint den Faden verloren und sich in endlose Jam-Sessions verstrickt haben. Doch das ist eher die Ausnahme und spielt auf dem vorliegenden Live-Album keine Rolle. Natürlich gehen die Burschen bisweilen etwas verspielt mit ihren Kompositionen um, doch wenn das Ergebnis so genial ist, wie das annähernd sieben Minuten lange „Girl from a pawnshop“, lässt man sich dies gerne gefallen.

Nun ist es so, dass der Erwerb eines Live-Albums selbst für Fans oftmals einen unnötigen Aufwand darstellt. Die Songs sind in der Regel bekannt und werden im Zeiten des Perfektionismuswahnsinns live fast unverändert dargeboten. Diesen Vorwurf des Selbstplagiats kann man den Black Crowes freilich nicht machen, obwohl mit „Titel song“ auch nur ein Stück enthalten ist, das bisher nicht auf CD erhältlich war. Der Song beginnt mit bei Deep Purple entliehenen Orgelklängen, die von der schneidenden E-Gitarre Rich Robinsons flankiert werden. Nach einiger Zeit setzt die flehende Stimme seines Bruders ein und führt den Song in ein bluesiges Fahrwasser. Bis zum Grande Finale dieses Minnegesangs vergehen über acht Minuten. Doch damit nicht genug. Direkt im Anschluss folgen die Hammer-Songs „She talks to angels“ und „Twice as hard“, die die Stimmung zum Siedepunkt treiben. Kurz vor Schluss wird noch mal einen Gang runter geschaltet, bis mit einem ekstatischen „Remedy“ der obligatorische Rausschmeißer eines Black Crowes Konzert angestimmt wird und gut 100 Minuten feinster Blues-Rock ihren würdevollen Ausklang finden.

„Live“ ist ein gutes bis sehr gutes Album, dass zwar nicht mit der Brillanz von „Live at the Greek“ mithalten kann, aber für Fans zum Pflichtprogramm zählt und für Einsteiger einen idealen Einblick in das Universum der schwarzen Krähen bietet. Schlussendlich handelt es sich hier um das erste „echte“ Live-Album einer der zeitweise besten Rockbands der Welt.

Anspieltipps:

  • Girl from a pawnshop
  • Black moon creeping
  • She talks to angels
  • Remedy
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