Wonderwall - Witchcraft - Cover
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Wonderwall Witchcraft


  • Label: Warner Bros./WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sich im deutschen Fernsehen schon mal einer der zahlreichen „Daily Soaps“ zugewendet hat, dem wird aufgefallen sein, dass die Dialoge im Hintergrund mit aktueller Chart-Musik zugekleistert werden. Mit eben einem solchen Schachzug schaffte die Kölner Mädchenband Wonderwall den Durchbruch.

Nachdem die Debütsingle „Witchcraft“ nicht über die hinteren Chartplätze hinauskam und auch die zweite, von den Harry-Potter-Märchen beeinflusste, Single „Who am I?“ einem Flop nahe kam, beschloss man, die Serie Marienhof fünf Wochen lang mit dem dritten Versuch „Just more“ zu beschallen. Und siehe da, der Song stieg im Mai diesen Jahres direkt auf Platz neun der deutschen Charts ein und kletterte in den Folgewochen bis auf einen beachtlichen zweiten Platz. Seitdem sind die Schulfreundinnen Kati (19), Ela (19) und Jule (17) überall bekannt und fester Bestandteil aller großen Teen-Pop-Veranstaltungen wie „The Dome“. Dabei legen Künstler und Plattenfirma größten Wert darauf, dass die Drei nicht zu den gecasteten Retortengrüppchen gehören. Die Mädels texten, schreiben und spielen alle Songs in Eigenregie, auch wenn davon auszugehen ist, dass die Plattenfirma für tatkräftige Unterstützung bei der Studioproduktion sorgte. Dessen ungeachtet ringt einem das Gefühl der Mädels für feine Melodien durchaus Respekt ab.

Stücke wie „Witchcraft“ und „Just more“ haben so gnadenlos gute Hooklines und radiotaugliche Melodien, dass man die banalen Texte leicht verschmerzen kann. Teenager-Lyrik eben. Aber sind wir doch mal ehrlich. Die Beatles haben in ihren Anfängen auch unglaublich bescheuerte Texte mit grandiosen Melodien verbunden, wobei ich Wonderwall nicht mit den Fab Four aus Liverpool vergleichen möchte.

Doch nun zum Album. Wie es sich gehört, bildet der Titel-Track und wohl beste Song der drei Girlies den Auftakt des Werkes: „Witchcraft“. Ein Lied über die kleinen Dinge des Lebens, die oft ihren eigenen, kleinen Zauber haben. Er verbindet die musikalischen Markenzeichen von Wonderwall aus zirpenden Streichern, netten Wandergitarren und wundervollem Chorgesang. Kitschig schön wie ein Abend am Lagerfeuer im Schullandheim.

Das zweite Stück „Big bang“ ist ein Gute-Laune-Lied, das so zuckersüß arrangiert ist, dass man bei Überdosierung Zahnschmerzen bekommt. Über „Just more“ muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Die Airplay-Charts wurden wochenlang von der hübschen Teenie-Ballade dominiert und auch MTVIVA kamen nicht an dem Video-Clip vorbei. „Jonny“ ist ein netter Walking-Blues-Pop-Song mit einem tollem Klavier-Solo im Mittelteil, der aber ansonsten nicht weiter auffällt. „In April” ist die vierte Singleauskopplung, die am 9. September des Jahres in die Läden kam und wieder stark nach Top-10-Hit klingt. Wie beim Vorgänger handelt es sich um eine süße Liebesballade mit unwiderstehlicher Hookline, wie geschaffen für unter Liebenskummer leidende Realschülerinnen.

Damit sind die Gören klar im Soll. Vier Singleauskopplungen, darunter ein Top-3-Hit und ein Top-5-Album. Für eine deutsche Girl-Group mit einem Restmaß an Substanz ein respektables Ergebnis. Obgleich dieser vier bis fünf gelungenen Kompositionen, ist es nicht ganz so einfach zu ertragen, das gesamte Album am Stück zu hören. Von den 12 Songs auf der CD kommt mindestens die Hälfte nicht über den Status „Füllmaterial“ hinweg. Das verdirbt ein wenig die Laune, reicht aber noch für fünf Punkte auf der Richterskala des Rezensenten.

Anspieltipps:

  • Witchcraft
  • Just more
  • In April
  • Together again
  • A little long time
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