Box Car Racer - Box Car Racer - Cover
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Box Car Racer Box Car Racer


  • Label: MCA/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

So genannte Side-Projects etablierter Künstler sind seit jeher zwiespältige Angelegenheiten. Um die ausgetrampelten Fade der Erfolgsschiene ohne Rufschädigung verlassen zu können, werden gerne unter dem Deckmantel eines anderen Bandnamens obskure musikalische Ergüsse unters Volk gebracht. In der Regel sind diese aber total überflüssig und künstlerisch nicht relevant.

Dem ungeachtet präsentieren uns Thomas DeLonge und Travis Barker, ihres Zeichens zwei Drittel der Fun-Punk-Combo Blink-182-, zusammen mit David Kennedy und Anthony Celestino, das Projekt Box Car Racer. Der einzige Unterschied zum Megaseller Blink-182- ist allerdings der Name, sodass man sich nach mehrmaligem Hörgenuss des selbstbetitelten Albums fragen dürfte, warum der ganze Aufwand betrieben wurde. Gut, auf „Box Car Racer“ werden nicht so dumm-dreiste Lyrics verbrochen wie auf den Hit-Alben der Mutterband („Enema of the state“, 1999 und „Take off your pants and jacket“, 2001). Texter Thomas DeLonge hat angeblich ernsthafte Themen aufgegriffen und diese mit seinen Mitstreitern in etwas anspruchsvollere Soundgewänder gesteckt. Aber gleich das Textheft durchzuarbeiten, um dies zu überprüfen, dürfte nicht wirklich von Notwendigkeit sein. Viel leichter lässt sich da schon die Musik in Form der 13 Songs auf „Box Car Racer“ beleuchten.

Den Einstieg macht „I feel so“, die erste Singleauskopplung. Laut DeLonge geht es bei dem Song darum, ein Kind zu sein, mit allen Gefühlen, die das Erwachsen werden mit sich bringt: Wut auf eine ungerechte Welt, dem Willen diese zu verändern, gekoppelt mit dem Frust der Erkenntnis, dass man dies nie erreichen kann. Die beschriebenen Gefühlswelten werden äußerst passend in einem mid-tempo Punk-Song mit harten Gitarren-Riffs verarbeitet. Wobei der Refrain sofort erkennen lässt, dass der Heimathafen des Songwriters Blink-182- heißt. „All systems go“ variiert den eingeschlagenen Weg nur marginal. Auch hier werden erbarmungslos harte Gitarren-Salven mit einem unwiderstehlichen Mitsing-Refrain gepaart. Danach folgen erst mal vier Songs, die zwar auf die üblichen 3-Akkorde-Riffs verzichten, dafür aber die Laut/Leise-Fraktion bedienen. Nicht gerade herausragend, aber handwerklich absolut okay.

„Letters to god“ lässt dann wieder aufhorchen. Der Song beginnt als nette Akustik-Ballade, die bis auf eine Schrammelgitarre auf jegliche Instrumente verzichtet. Nach und nach melden sich dann Bass und Piano, bis kurz vor Schluss ein gewaltiges E-Gitarren-Gewitter losbricht. Da horchen wohl sogar "Trail Of Dead"-Fans genauer hin. „My first punk song“ ist dagegen ein hyper-schnell gespielter Rumpel-Punk-Song. Direkt aus der Garage auf CD und in 60 Sekunden ist alles wieder vorbei. Cool! „Sorrow“ ist dann schon wieder so ein Laut/Leise-Ding. Der Song verläuft in gemächlichen Bahnen, bis dann der Refrain mit Urgewalt aus den Boxen dröhnt. Ganz nett, aber vielleicht sollte man diese Art der Stimmungsvariation lieber den zahlreichen Emo-Core Vertretern überlassen. Zum Schluss heizt „Elevator“ noch mal mit einer fetten Bass-Drum und krachenden Snare-Sounds ein. Allerdings wartet man vergebens darauf, dass sich daraus ein „richtiger“ Song entwickelt. So hat man das Gefühl, dass ein Intro auf Songlänge ausgewalzt wurde und nun im immergleichen Stakkato-Rhythmus verharrt. Schade eigentlich.

Mein Fazit lautet, dass Producer-Koryphäe Jerry Finn (Green Day, Bad Religion, MxPx, Blink-182-) ein grundsolides Album mit den vier Herren von Box Car Racer aufgenommen hat, das leider arm an Höhepunkten ist und Mr. DeLonge doch nicht als grandiosen und gereiften Songwriter zeigt, wie er und seine Plattenfirma es gerne hätten.

Anspieltipps:

  • I feel so
  • There is
  • Letters to god
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