And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Madonna - Cover
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead Madonna


  • Label: Domino/ZOMBA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu einer Zeit, als es weder die Strokes noch den Black Rebel Motorcycle Club gab, waren "...And You Will Know Us By The Trail Of Dead" schon eine feste Größe im amerikanischen Underground und lieferten schon 2 Jahre vor dem Durchbruch "Source tags and codes" mit "Madonna" ein Album ab, das sich mit allem messen kann, was in der (Noise- und Emo-) Rockmusik jemals groß war.

Im Vergleich zum Drittwerk fällt auf, dass "Madonna" noch um einiges düster und sperriger daherkommt. Noch kennt sie kaum jemand, die vier Texaner aus Planoe, noch kräht kein Hahn nach der vielleicht derzeit besten Rockband. Doch "Madonna" ist auf seine eigene Art und Weise eigenständig. Wer einmal das famose "Mistakes and Regrets" mit seiner genialen Gitarrenmelodie und seiner immensen Intensität gehört hat, dürfte von dieser Band nicht mehr loskommen. Der Hörer dringt in tiefste Klangwelten ein, wo ein schemenhafter Gesang begleitet von pompösen Stakatto-Schlagzeug und schneidigen Gitarren in musikalische Abgründe abdriftet, um gleich mit der nächsten musikalischen Offenbarung aufzuwarten. "Blight Takes All" ist ein treibendes Stück Musik nicht ohne Melodie und einer wunderschönen Pianolinie, die mit den Hardcore-Gitarren eine kongeniale Symbiose eingehen. Und wieder taucht das typische Trail-Of-Dead-Schema auf: Man will einem Album ein Thema geben, nicht bloß Songs aneinanderreihen. Waren die Texaner bei den Aufnahmen zum neuen Album wohl in etwas hübscheren Gefilden, so klingt "Madonna" teilweise wie direkt aus der Hölle importiert.

Ein düsteres Epos mit Psychodelika, das es nur eine Freude ist. Songs über Massenmörder ("Mark David Chapman") gibt es hier genauso zu bestaunen wie zynische Songs wie "A Perfect Teenhood". Was aber gut tut: Bei aller Dramatik verlieren die Songs nie ihre Struktur, nehmen immer einen hochmelodiösen Lauf, der das Hören zu einem Erlebnis macht. Und so findet sich mit "Flood Of Red" selbst in diesem düsteren Machwerk eine Emo-Core-Hymne, die aber im Kontext nicht aus dem Rahmen fällt, sondern der Platte nur noch eine weitere Dimension verpasst.

Und so ist "Madonna" ein Werk geworden, das zwar nicht an die uneingeschränkte Genialität seines Nachfolgers heranreicht, ihn aber mehrfach berührt. Mit Melodien, die einen nicht mehr loslassen, mit Klangschichten, die sich erst nach unzähligen Hörsessions erschließen. Und mit einigen der besten Rocksongs der letzten Jahre. Wer bereit ist, auf eine musikalische Reise aufzubrechen, die auf den ersten Blick krank und verschroben erscheint und dem der Stil von "Trail Of Dead" ganz allgemein zusagt, der ist auch mit "Madonna" sehr gut aufgehoben.

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