Prime STH - Underneath The Surface - Cover
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Prime STH Underneath The Surface


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu einem wahren El Dorado der Rockmusik hat sich das kleine Land Schweden entwickelt. Bands wie The Backyard Babies, The Hives, The (International) Noise Conspiracy, Millencolin oder The Helacopters haben mit ihrem frischen Sound Fans in ganz Europa für sich begeistert.

Jetzt schickt sich ein neues vielversprechendes Quartett an, die Musik-Welt im Sturm zu nehmen. Es handelt sich um die aus Stockholm stammenden Prime STH, die bereits im zarten Alter von 12 Jahren zueinander gefunden haben, um gemeinsam Musik zu machen. Ihr Sound tendiert in die Richtung Nu-Rock, wobei Vergleiche mit Staind, Puddle Of Mudd oder Nickelback am häufigsten genannt werden. Das Line-up besteht aus Sänger Noa Moden, Bassist Jesper Eksjo, Martin Palsson an der Gitarre und Kasper an den Drums, der von allen nur Kaz gerufen wird, weshalb vielleicht sein Nachname in keiner Band-Info auftaucht. So werden Rockstar-Mythen geschaffen.

Das kryptische Kürzel STH im Bandnamen ist nichts anderes, als eine verkürzte Schreibweise für Stockholm. Ursprünglich nannten sich die Vier Prime, mussten den Namen aber ändern, weil eine amerikanische Gruppe bereits diesen Namen trägt und ihre Rechte geltend machte. Business-Spielchen, die wir auch von den finnischen Pop-Rockern H.I.M. kennen, die in den USA als H.E.R. firmieren, oder den Brit-Pop Aushängschildern von Suede, die über dem großen Teich als London Suede bekannt sind.

Nachdem die erste selbstproduzierte EP im Jahr 1994 von der Band noch eigenhändig vertrieben werden musste, buhlten schon bald diverse Labels um die Gunst des Schweden-Vierers. Man unterschrieb bei einem kleinen schwedischen Label, das bald von einer deutschen Firma aufgekauft wurde, welche wiederum nichts mit Prime STH anfangen konnte. Wegen dieser Querelen sollte es unglaubliche fünf Jahre dauern, bis das Album „Underneath the surfce“ zusammen mit Top-Producer Sanken Sandqvist fertiggestellt werden konnte. Sandqvist kümmerte sich auch um einen neuen Deal für die Band, der sie letztendlich zum großen Warner Bros. Label brachte. Da die Plattenfirma große Pläne mit der Band hat, zog man konsequenterweise nach Los Angeles um. Gemeinsam setzt man fortan alles daran, aus Prime STH „The next big thing“ zu machen. Den Beweis dazu muss das Quartett mit den 11 Songs von „Underneath the surfce“ antreten.

Gleich der Titeltrack als Opener haut voll auf die Zwölf und bietet Straight-Edge Nu-Metal aus der Linkin Park-Ecke, obwohl Sänger Noa Moden nicht zu rappen gedenkt. Etwas melodiöser geht es da schon bei Song Nummer zwei „I don’t envy you“ zu. Die Hookline hat eine feine, aber nicht aufdringliche Melodie, die von satten Gitarren-Riffs eingebettet wird. So macht Rockmusik Spass! Als nächstes folgt die erste Singleauskopplung „I’m stupid“, einem fast schon unverschämten Pop-Rock-Song. Kein Wunder, legte doch kein geringer als Hitlieferant Max Martin Hand an das gute Stück. Lambretta, Britney Spears und die Backstreet Boys lassen grüßen. Das Teil ist selbstredend ein Ohrwurm, aber ein ganzes Album in diesem Stil wäre schon wie im Fall von Lambretta unerträglich.

„In my head“ ist wieder einer dieser zuckersüßen Radio-Rock-Hits, die in den USA so prächtig funktionieren. Da merkt man schnell, wohin die Band will. Denn so was ist nichts anderes, als glattgeschliffener Nu-Rock für den amerikanischen Mainstream-Markt. „From the inside“ eröffnet mit tiefergestimmten Gitarren, die beinahe in den Stoner-Rock-Bereich gehen. Sobald es aber auf den Refrain zugeht, werden diese etwas zurückgemischt, damit Melodie und Stimme mehr Raum erhalten. Sehr geschickt. Offensichtlich war hier die Fachabteilung für Chart-Hits am Werke. „My evil friend“ basiert auf einem coolen Bass-Lauf, der dem Song einen flotten Groove verleiht. Dazu kommen etwas zurückgenommene Gitarrenklänge und eine verzehrt aufgenommene Stimme von Noa Moden. Das hat Hitpotenzial, ohne zu nerven.

Kurz vor Ende bekommt man dann die obligatorische Halbballade geboten („She“), die die Cross-Selling-Fähigkeit des Produkts nochmals zu steigern weiß, bevor mit „24 song“ ein rockiger Ausklang stattfindet. Nach 43 Minuten ist dann alles vorbei und der Rezensent ein wenig ratlos. Die Band hat gewiss Talent und ein feines Gespür für Melodien. Allerdings merkt man dieser CD an, dass Sie in die Hand eines Majorlabels geraten ist, das die Kompositionen gnadenlos auf Mainstream getrimmt hat. Ecken und Kanten wurden größtenteils ausgebügelt und der Charme eines unbekümmerten Debüts vernichtet. Nach all den Vorschusslorbeeren für die Schweden ist das die bitterste Erkenntnis ihres Debüts.

Anspieltipps:

  • My evil friend
  • I don’t envy you
  • Let me bleed
  • In my head (Acoustic)
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