Nada Surf - Let Go - Cover
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Nada Surf Let Go


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 65 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Fall Fall von „Let go” ist festzustellen, dass die erneute Kurskorrektur (Nada Surf goes Pavement) nicht zu 100% gelungen ist.

Aus nachvollziehbaren Gründen zählt das New Yorker Trio Nada Surf (Matthew Caws an der Gitarre, Daniel Corca am Bass und Ira Elliot am Schlagzeug) zur endlosen Riege der sogenannten „One-Hit-Wonder“. Ein Zustand, der sich an der musikalischen Entwicklung der Band, aber auch durch Querelen mit der Plattenfirma festmachen lässt.

Mit dem von Ex-The Cars Frontman Ric Ocasek produzierten Major-Debüt „High/Low“ (1996) lieferten Nada Surf im Fahrwasser von Weezer ein grundsolides Post-Grunge Album ab, das mit der Singleauskopplung „Popular“ einen waschechten Hit beinhaltete. Wie Plattenfirmen nun einmal sind, musste natürlich auch der Nachfolger „The proximity effect“ (1998) entsprechendes Hitmaterial aufweisen. Doch die Band zeigte sich hörbar gereift und präsentierte ein außerordentliches Album, das ohne Singlehit auskommen musste. Die Zeiten des sonnigen Power-Pop mit Grunge-Einflüssen schienen endgültig vorbei zu sein.

Da sich ein Album in den USA ohne Single und entsprechenden Video-Clip aber anscheinend nicht verkaufen lässt, verzichteten die Bosse von Elektra auf eine Veröffentlichung in den Staaten. Interessanterweise traute man im Gegensatz dazu dem europäischen Publikum sehr wohl zu, ein Album auch ohne Dauerbeschallung durch MTVIVA für sich zu entdecken. Nur der Band gefiel diese Vorgehensweise des Labels überhaupt nicht. Auf dieser Basis wollte man nicht mehr mit dem Warner Bros. Sub-Label zusammenarbeiten. Über zwei Jahre kämpfte die Gruppe darum, ihren Vertrag aufzulösen. Doch was lange währt wird endlich gut. Seit dem 16.09.2002 können sich alle Nada Surf Fans und die, die es noch werden wollen, über das dritte Studioalbum „Let go“ freuen, dass über Virgin Records vertrieben wird und mit 12 (bzw. 15 in der limitierten Auflage) Kompositionen aufwartet.

Den Auftakt bildet das akustische „Blizzard of ´77“ mit feinen Harmoniegesängen, die eine entfernte Beach Boys Verwandtschaft nicht verhehlen können. Damit wird bereits zu Beginn angedeutet, in welche Richtung die Vocals auf den Tracks von „Let go“ tendieren. Weg von den komplett düsteren Sounds des Vorgängers, hin zu etwas optimistischeren Klängen, die sich inhaltlich mit dem Leben von Fruchtfliegen („Fruit fly“) oder der Haltbarkeit von Papierschiffchen („Paper boat“) beschäftigen. Nun, eine gewisse Skurrilität besaß die Band ja von jeher. Man erinnere sich nur an das kultige Video zu „Popular“ mit seinen homoerotischen Anspielungen. Auf der aktuellen CD wird trotzdem nicht vergessen, einer gepflegten Traurigkeit nachzugehen, die dem Hörer entsprechend bedächtig präsentiert wird („Killian’s red“). Das hat durchaus Klasse, nur treibt die Band das Spiel mit den phlegmatischen Arrangements auf Dauer vielleicht etwas zu weit. Die Fans der alten Stunde, die schon vom Stil von „The proximity effect“ etwas überrascht waren, wird wohl der Schrecken in die Glieder fahren. Hatte man damals bereits der gewöhnlichen Rockmusik abgeschworen, so werden die Gitarrenbretter anno 2002 beinahe komplett im Schrank gelassen. Lediglich „The way you wear your head“, „Happy kid“ und „Hi-speed soul“, das einen versteckten 80er Jahre Disco-Beat integriert, rocken mit angezogener Handbremse. Ansonsten gehen die Herren in ihren künstlerisch hochgesteckten Ambitionen total auf, die so gar nichts mit den plakativen Hymnen auf „High/Low“ zu tun haben. Viel interessanter für das Trio sind die Interpretationen von Erlebnissen eines Nachmittags, an dem man mit Bob Dylans „Blonde on blonde“ im Walkman durch die Gegend schlendert („Blonde on blonde“), oder die Aufarbeitung schwermütiger Selbsterkenntnisse („Inside of love“, Textauszug: „... I wanna know what it’s like on the inside of love. I’m standing at the gates. I see the beauty above only when we get to see the aerial view...“).

Leider erreicht das neue Material nicht das Niveau früherer Zeiten, das dieses Werk im Vorfeld zu einem Pflichtkauf werden ließ. Dazu sind die Kompositionen einfach nicht mitreißend genug. Im Fall Fall von „Let go” ist also festzustellen, dass die erneute Kurskorrektur (Nada Surf goes Pavement) nicht zu 100% gelungen ist und nicht für die vierjährige Wartezeit entschädigt.

PS: Die CD ist mit einem neuen Multi-Media-Verfahren ausgestattet, das dem Besitzer erlaubt, via Internet exklusive Songs, Photos und News über die Band abzurufen. Dazu muss der Silberling lediglich in das CD-ROM Laufwerk eines Computers eingelegt werden, während man online ist.

Anspieltipps:

  • Blonde on blonde
  • Inside of love
  • Killian’s red
  • Neither heaven nor space
  • Paper boats
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