Howie Day - Australia - Cover
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Howie Day Australia


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 43 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Vorprogramm der letzten Heather-Nova-Tournee konnte man das Können von Howie Day hier zu Lande erstmals bestaunen. Dabei war seine im Alter von 19 Jahren aufgenommene Debüt-CD „Australia“ zu der Zeit kaum oder nur sehr schwer erhältlich.

Das 21-jährige Songwriter-Talent aus Bangor in Maine (New England, USA) veröffentlichte die Songs bereits vor zwei Jahren auf dem kleinen Label Daze Records und vertrieb die CD auf Konzerten und über seine Homepage. So konnte er immerhin beachtliche 30.000 Exemplare an den Mann bzw. die Frau bringen. Der Aufnahmeprozess der Stücke zog sich über ein Jahr hin, da er aus Eigenmitteln ohne Plattenfirma im Rücken finanziert wurde. Dazu konnte sich Day immer nur dann einen Studioaufenthalt leisten, wenn er ein bisschen Geld auf seinen Konzertreisen eingenommen hatte. Bei über 700 Auftritten in den letzten zweieinhalb Jahren sicher keine zu verachtende Geldquelle. Überdies lässt sich auf diesem Weg eine treue Fanbasis aufbauen. Auf jeden Fall reichte das Geld aus, um Top-Producer Mike Denneen (Aimee Mann, Letters To Cleo, Fountains Of Wayne) zu verpflichten und neun Studio- plus einen Live-Song auf CD zu bannen. Interessanterweise hat Howie Day bei der unorthodoxen Art sein Album aufzunehmen eine Methode des Songwritings entwickelt, die nicht alltäglich ist. Er spielt halbfertige Kompositionen auf Konzerten, um sie vor Publikum durch Improvisieren zu Ende zu schreiben. Wenn das keine Kunst ist!

Kein Wunder, dass sich sein großes Talent und die beindruckenden Live-Auftritte schnell bei den Major-Labels herumsprachen und die Abgesandten aller großen Plattenfirmen um den Jungspund buhlten. Das Rennen machte schließlich das Sony-Label Epic, das das Werk daraufhin weltweit noch einmal veröffentlichte.

Zu den musikalischen Vorbildern Days zählen Joseph Arthur und Richard Ashcroft, wobei er auch sehr oft mit Shawn Mullins und Dave Matthews verglichen wird. Mit den genannten Akteuren lässt sich die Stilistik des aufstrebenden Künstlers relativ gut eingliedern. Day spielt genauso intensiven wie intimen Songwriter-Pop, der oft nur von der Akustik-Gitarre begleitet wird. Allerdings darf auch von Zeit zu Zeit gerockt oder Samples und Loops eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel ist der Song „Slow down“, eine Nachgeburt der Prä-Grunge-Ära. Hier prasseln einige richtig scharfe E-Gitarren-Riffs auf den Hörer ein, die eine Verwandtschaft zu Bands wie Soundgarden oder Nickelback nicht leugnen können. Zum rohen Sound passt auch die Refrain-Zeile „I don’t think I can trust love anymore“. In der Regel aber gibt der Gewinner des Boston Globe Award für das beste Debütalbum 2001 emotionsgeladene Einmannvorstellungen an der Gitarre ab, die ihn zu einer Sensation in Independent-Kreisen werden ließen.

Trotz seiner Jugend ist Day in der Lage, hoch atmosphärische Balladen abzuliefern, die trotz sparsamer Texte alles auszudrücken vermögen, was die Gefühlswelt in Wallung versetzt. Als Beispiele sein hier „Disco“, „Ghost“ und „Kristina“ genannt, die Gänsehaut produzieren. Auf „Kristina“ klingt der Barde im übrigen wie die guten alten Grant Lee Buffalo. Mit ordentlich Hall aufgenommen, wartet der Sänger mit flehender Stimme durch einen Morast aus Emotionen, dass es ein Freudengefühl ist, ihm zuzuhören. „Disco“ klingt im ersten Moment relativ ähnlich, geht aber mehr in die Ecke von The Verve. Dieses atemberaubend hohe Niveau zieht sich durch das ganze Album, das tatsächlich keinen einzigen Ausfall aufzuweisen hat. Obwohl knapp 43 Minuten lang, hat man am Ende das Gefühl, dass die CD relativ kurz geraten ist. Das liegt an der schwerelosen Musik, die einem ein Gefühl von Ewigkeit vermittelt. So kann man das hervorragende Werk zwei, drei Mal am Stück hören, ohne dass einem langweilig wird bzw. man die Skip-Taste zu benutzen braucht.

Mit „Australia“ hat eines der größten Songwriter-Talente seine erste Duftmarke gesetzt, die nur noch von seinen legendären Konzerten übertroffen wird. Wer das Album nicht kaufen möchte, sollte zumindest die Gelegenheit ergreifen, ein Konzert von Howie Day zu besuchen oder wenigstens eines der vielen Live-Bootlegs aus dem Internet herunterzuladen.

Anspieltipps:

  • She says
  • Disco
  • Secret
  • Ghost
  • Kristina
  • More you understand
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