And You Will Know Us By The Trail Of Dead - And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Cover
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And You Will Know Us By The Trail Of Dead And You Will Know Us By The Trail Of Dead


  • Label: Trance Syndicate/EFA Medien
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Herren Rezensenten von CDstarts haben sich den Spaß erlaubt, die Alben von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead in umgekehrter Reihenfolge ihres Erscheinens zu besprechen. Nach „Source tags & codes“ (2002) und dem Zweitwerk „Madonna“ (1999) ist nun also das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahr 1998 an der Reihe.

Bevor man sich allerdings mit der Musik des eigenwilligen Quartetts aus Planoe in Texas (USA) beschäftigt, muss man sich wenigstens einmal mit der offiziellen Biografie von Kevin Allen , Neil Bush , Conrad Keely und Jason Reece auseinandergesetzt haben, von der die Band selbst sagt, „... dass unsere Vita eher das Destillat aus verschiedenen Geschichten darstellt, deren sich Don Quichotte und Münchhausen nicht geschämt hätten." Damit ist klar, dass die Bio in die Welt der Märchen gehört. Ohne Skrupel werden Tatsachen und Fantasie zu einem ebenso amüsanten wie bizarren Konglomerat vermischt, das einen intelligenten Humor offenbart und denjenigen, der alles für bare Münze hält, an seinem Verstand zweifeln lässt. Mit den Worten des Biografen klingt das dann (auszugsweise) ungefähr so:

„Allen, Busch, Keely und Reece sind in der kleinen Gemeinde von Planoe, Texas, aufgewachsen, einem Ort, mehr bekannt für seine Ranches und den Lebensmittelladen an der Ecke statt für Musik. Die vier Jungs waren schon in ihrer Jugend enge Nachbarn; Conrad, Neil und Jason besuchten sogar die gleiche Sonntagsschule in der "Planoe Anabaptist Ministry" (Kevins Eltern waren Presbyterianer). Die vier Freunde teilten eigentlich immer gemeinsame Interessen wie beispielsweise für die Wissenschaft und Literatur, liebten es aber auch seit jeher, zusammen zu singen. In der "Junior High" schlossen sie sich dem Kirchenchor an, mit dem sie an einigen internationalen Wettbewerben mit anderen Vokalensembles teilnahmen (der "Planoe Methodist Choir" gewann in diesem Rahmen auch den "National Boys Choir Award"). Während ihrer College-Zeit verloren die Vier ein klein wenig den Kontakt untereinander, fanden dann aber schließlich in Austin, Texas, wieder zusammen, wo Neil die „University Of Texas“ (UT) besuchte. Dort entdeckten sie auch ihre alte Liebe zum Gesang wieder und traten ab und zu als vierköpfiges Vokal-Ensemble bei kirchlichen Festivitäten auf. Während der Aufnahmen für das "Austin All-Star Ensemble" lernten sie dann Mike McCarthy kennen, der sie später als Produzent zu richtigen Studio-Künstlern formte.

Zu dieser Zeit begannen sich die Freunde auf wissenschaftlichem Gebiet für das umfassende Thema der Maya-Kultur zu interessieren, ein Thema, dass an der "UT" gerade riesige Entwicklungssprünge machte. Andere Forschungen, die sie während der High School begonnen hatten und auf dem College fortführten, waren mittlerweile fast zu einer Art "fixen Idee" geworden: Den Lehren von Greil Marcus, Guy Debord und Anton Levay folgend, suchten sie nach einem vereinigenden Bindeglied, das im Sinne eines bestimmten, wiederkehrenden Schemas die Kulturen der Vergangenheit mit der der Gegenwart nach einer Art eindeutigem Muster verbindet. Die Studien, die die vier Kumpels durchführten, mündeten schließlich in ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead - einer Art bildhaften Metapher, die ebenfalls in vielen unterschiedlichen, alten Kulturen präsent ist. Mit ihrem zu der Zeit noch etwas begrenzten Wissen, was die Kunst und die Musik angeht, versuchten sie eine Art "Gebilde" zu kreieren, das - auf mehreren Ebenen - so etwas wie die anthropologische Einheit ausdrücken sollte. Wenn es tatsächlich so etwas geben würde, würden folgerichtig die einzelnen Aspekte ineinander greifen und so ihre These abstrakt bestätigen. Wenn nicht, würden sich die einzelnen Funktionen gegenseitig aufheben - und das Experiment wäre damit zum Scheitern verurteilt. Sie nannten dieses Experiment ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, nach eben diesem "Bild", das gerade die archäologische und anthropologische Welt beschäftigt. Die Forschungen der vier Musiker im Feld der Musikanthropologie hatte sie dazu gebracht, mit bestimmten Phrasen der Rockmusik und ihren Entsprechungen in der "primitiven" Folk-Musik zu experimentieren. Hier besonders mit Musik aus Papua-Neuguinea, dem Hindu Kush und Polynesien. Sie konvertierten die tonalen und rhythmischen Strukturen der Hymne "Lord Of All Hopefulness" anhand eines zufälligen Logarithmus und so entstand die erste Aufnahme des ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead-Projekts: „Richter scale madness“, dem Eröffnungssong des ersten Albums.

Und damit zur Musik. Das Werk verarbeitet in knapp 40 Minuten acht Songs, die den Hörer spüren lassen, dass die Musiker großes Talent besitzen, aber auch noch kleine Schwächen im Bereich der Spannungsbildung und Dynamik offenbaren und das Wort Melodie noch nicht recht verinnerlicht haben. Obschon Trail Of Dead bei der Produktion künstlerisch in den Kinderschuhen steckten, wird deutlich, dass die musikalische Route der Vier in den Bereich des Emo-(Punk)-Core führt, der auf den Nachfolgealben perfektioniert wurde. Auf dem Debüt gibt es dagegen noch ein wenig unausgegorenes Material zu hören („Fake fake eyes“, „Gargoyle waiting“, „Ounce of prevention“, „When we begin to steal“), das allerdings von ein paar richtig guten Song-Perlen durchsetzt ist. So kombiniert „Prince with a thousand enemies“ Pink-Floyd-artige Klanglandschaften, mit geflüsterten Gesangparts mit vor Emotionalität berstenden Riff-Gewittern, die wiederum von wildem Geschrei flankiert werden. „Richter scale madness“ basiert auf einem fast schon klassischem 60er-Jahre-Gitarren-Riff, das durch einen furiosen Noise-Wolf gedreht wird. Der Sound ist rau und ungeschliffen und erinnert an die Frühwerke der Punk-Ära. „Novena without faith“ geht bereits ziemlich deutlich in die von den neueren Werken bekannte Richtung und präsentiert ein ausladendes 8-Minuten-Song-Monstrum mit Gitarren-Gefrickel, das sich ein wenig bei den New Yorker Noise-Heroen von Sonic Youth bedient. „Half of what“ ist ein ungezügeltes Stück Rockmusik mit virtuosen Drumming, schrammeligen Gitarren und einem Sänger, der kurz davor steht, abzuheben. Das klingt alles sehr authentisch und in keiner Weise gekünstelt.

„...And You Will Know Us By The Trail Of Dead“ ist ein jungendlich naives Frühwerk, das das Verlangen nach brachialem Emo-Core spüren und ansatzweise das ungeheuerliche Talent der Band erahnen lässt. Im Vergleich zum Major-Debüt „Source tags & codes“ ist der Sound freilich ziemlich dünn und klingt relativ „unproduziert“. Das lässt auf ein verhältnismäßig kleines Budget schließen, womit Trial Of Dead nach ihrem Wechsel zum Branchenriesen Interscope sicher keine Probleme mehr haben dürften. Doch was wäre ein echter Rock-Fan, wenn er kein Mittel gegen Anti-Breitband-Sounds wüsste. Es lebe deshalb die alte Punk-Rock-Maxime „alle Regler nach rechts“!

Anspieltipps:

  • Half of what
  • Novena without faith
  • Richter scale madness
  • Prince with a thousand enemies
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