Soundtrack - XXX - Cover
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Soundtrack XXX


  • Label: UMG/Universal
  • Laufzeit: 87 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ein echter Blockbuster sein möchte, benötigt selbstverständlich auch einen umsatzträchtigen Soundtrack mit genügend Star-Power. Für das am 17. Oktober 2002 in den deutschen Kinos startende Actionspektakel "xXx - Triple X" (siehe Filmkritik), mit dem neuen Stern an Hollywoods Action-Himmel, Vin Diesel, in der Hauptrolle, wurden folgerichtig einige Hochkaräter der harten Rockmusik, des HipHop und R&B auf gleich zwei CDs zusammengewürfelt.

Unter der Oberaufsicht von Label-Boss Avery Lipman, Produzentin Kathy Nelson (Gone In 60 Seconds, Black Hawk Down, Armageddon) und Regisseur Rob Cohen (Fast And The Furious, The Skulls) wurden u.a. Rammstein, Drowning Pool, Hatebreed, Queens Of The Stone Age, Moby, Gavin Rossdale, Nelly, N.E.R.D., Mack 10 Feat. Ice Cube und Mr. Cheeks Feat. Missy Elliott & P. Diddy verpflichtet. Wie im Film, machen Rammstein auch auf CD den Anfang und präsentieren einen Song aus ihrem aktuellen Album „Mutter“, der die Anfangssequenzen des Films spektakulär unterlegt. Es ist kalt im winterlichen Prag. Er ist auf der Flucht. In der Ferne Getöse. Der Agent rettet sich in eine in eine Kathedrale und mischt sich unter die Menschenmenge. Er allein unter Freaks, die ihn mustern. Plötzlich „Bang Bang“! Rammstein eröffnen das Feuer... „Feuer frei“ heißt Rammsteins Song, den sie - sich selbst darstellend - im Film in einer energiegeladenen Feuerperformance präsentieren. In bewährter hass-mich-oder-lieb-mich-Manier prügeln die ostdeutschen Radaubrüder ein forsches Stück Hartwurst durch die Lautsprecher, dass den Film inhaltlich in drei Minuten charakterisiert. Schnell, laut und absolut sinnfrei. Doch damit hat sich der Einsatz für Rammstein bereits gelohnt. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass Rammstein und deren mächtige Musik hohe Aufmerksamkeit innerhalb der Filmindustrie Hollywoods geschenkt wird. Spätestens nach Davis Lynchs Weirdo-Drama „Lost Highway“, in dem gleich zwei Rammstein-Titel zum Einsatz kamen, gehören die Herren zur ersten Adresse in Sachen Soundtrack-Musik. Somit war auch klar, dass „Feuer frei“ eine Singleauskopplung aus "xXx" sein wird.

Drowning Pool verwöhnen den Hörer mit ihrem Song „Bodies“ im XXX-Remix - eine Art Nine Inch Nails in der Lightversion, aber gewiss nicht schlecht. Eine der härtesten Rockgruppen dieser Tage ist Hatebreed. Unter dem Geleitschutz tiefergestimmter Nu-Metal-Gitarren brüllen sie den Hörer im bestem Pantera/Biohazard-Gebaren mit „I will be heard“ an. Die Queens Of The Stone Age stellten mit „Millionaire“ ein absolutes Highlight ihrer aktuellen CD „Songs of the deaf“ für den Soundtrack zur Verfügung. Große Kunst, die nicht weiter kommentiert werden muss. Mushroomhead zählen zu den Bands, die im Fahrwasser der Nu-Metal-Welle nach oben gespült wurden. Entsprechend unaufregend und innovationslos kommt „Before I die“ daher. Da die Maxime aber „Hauptsache druckvoll und laut“ heißt, haben Mushroomhead auf dem Soundtrack ebenso ihre Daseinsberechtigung wie Flaw („Get up again“) oder die deutsche Band 4Lyn („Me vs. me“), die ihren Ruf als eine der am meisten gehypten Bands mit der Beteiligung an "xXx" wieder einmal mit Bravour unterstreicht und mit ihren Song aus dem neuen Album „Neon“ den Abspann des Films einleiten.

Wer seine Songs nahezu komplett an die Werbung verkauft, darf auf einem Soundtrack natürlich nicht fehlen. Nach dem eher enttäuschenden Album „18“ präsentiert Richard "Moby" Hall mit „Landing“ eine tolle Synthesizer-Nummer mit weiblichem Gesang und feiner Melodie, die den Fan versöhnt. Ein echtes Highlight ist der Titeltrack „Adrenaline“ von Bush-Frontmann Gavin Rossdale, den er eigens für den Soundtrack komponiert hat. Im Klang unterscheidet er sich zwar kaum von seiner Stammformation, doch scheint dies ein gelungener Test für die kürzlich angekündigte Solokarriere des Rock-Beau und Gwen-Stefani-Gatten zu sein. Der Song wurde ebenfalls als Single ausgekoppelt und rotiert bereits fleißig auf MTVIVA. I.M.E. beweisen zum Abschluss der ersten CD mit „Juicy“, dass das Warten auf die Rückkehr von The Prodigy nicht von Frust gezeichnet sein muss. Ihr Song ist Techno-Metal erster Güte und rockt das Haus um Klassen besser als so mancher Nu-Metal-Act.

Als Einleitung der zweiten CD ist der totale Überflieger des laufenden Jahres in der schwarzen Musikszene am Start: Nelly, der sich zusammen mit Toya die Ehre gibt, seinen Song „Stick out ya wrist“ darzubieten. Selbstredend regiert auch auf „Stick out ya wrist“ der sagenhafte Nelly-Groove, der den Song zu einem 1a-Dancefloor-Knüller erhebt und ein hundertprozentiger Hit ist. Da wollten sich die Kollegen offensichtlich nicht verstecken und bieten ebenfalls eine ordentliche Ladung hitverdächtiger Songs auf. Besonders hervorzuheben sind Big Tymers mit der fetten Ryp-Hymne „Still fly”, die von den obligatorischen Mega-Bässen lebt, N.E.R.D. Feat. Kelis & Pusha T mit einer von E-Gitarren angereicherten HipHop-Nummer namens „Truth or dare“, Mr. Cheeks Feat. Missy Elliott & P. Diddy „Lights, camera, action! (Club Mix)” mit einem typischen, von Sean „Puffy“ Combs veredelten, HipHop Floorfiller, Mack 10 Feat. Ice Cube, W.C. & Butch Cassidy mit einem klassischen Rap und Postaboy Feat. Rashad mit „It’s okay”. Etwas ungeschickt war es dagegen, Lil‘ Wayne direkt nach dem Nelly-Song antreten zu lassen, da er auf „Look at me“ relativ eindeutig den Kollegen Nelly kopiert. Ansonsten gibt es nicht viel an den Songs auszusetzen. Fielen bei der Rock-CD noch einige Acts qualitativ aus dem Rahmen, zeigen sich die Rapper und HipHopper auf Disc 2 („The Xander Xone“) geschlossen von ihrer besten Seite und präsentieren zehn Songs wie aus einem Guss. Das Experiment eines Doppelalbums mit HipHop und Metal-Acts geht demnach auf und sollte beide Fan-Lager zufrieden stellen und ein wenig für die andere Seite tolerieren. Und wer möchte sich schon beschweren, wenn man zwei vollwertige und zudem gelungene Alben zum Preis einer CD ans Herz gelegt bekommt?

Anspieltipps:

  • Rammstein „Feuer frei”
  • Queens Of The Stone Age „Millionaire”
  • Gavin Rossdale „Adrenaline”
  • I.M.E. „Juicy“
  • Nelly Feat. Toya „Stick out ya wrist“
  • Big Tymers „Still fly”
  • Mr. Cheeks Feat. Missy Elliott & P. Diddy „Lights, camera, action! (Club Mix)”
  • Postaboy Feat. Rashad „It’s okay”
  • Link-Tipp:: "xXx - Triple X": Filmkritik lesen

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