Suede - A New Morning - Cover
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Suede A New Morning


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein feines Stück Brit-Rock ohne große Höhepunkte.

Die Rockstars von heute sind auch nicht mehr die, die sie mal waren. Besonders trifft das auf die britische Musikszene zu. Noel Gallagher übt sich mit Oasis im harmonischen Teamplay, Richard Ashcroft singt Gospel, die Stereophonics spielen Country-Pop und Damon Albarn übt sich gar im Hip-Hop. Die wilden Zeiten sind passé, vorbei sind die Zeiten, als gute Alben noch ausschließlich unter Drogeneinfluss entstanden.

Ähnliches gilt für "Suede". Die Band um Sänger Brett Anderson schwelgte bis vor kurzem noch ungeniert und drogenvernebelt im Pathos und triefte vor Melancholie. Ihr neues Album heißt "A New Morning" und beginnt mit "Positivity". Bezeichnender kann ein Album nicht heißen, bzw. beginnen. So gibt Anderson unverblümt an, er nehme keine Drogen mehr und klinge deshalb optimistischer als je zuvor. Stimmt. Hedonismus weicht inzwischen der zelebrierten Leichtigkeit des Seins, der "Positivity", Pathos ist kaum noch vorhanden. Dafür aber frischer, rockiger Sound mit flockigem Riffing ("Beautiful Loser"). Konnte man Suede vor Jahren noch einen gewissen Realitätsverlust unterstellen, besinnen sie sich nunmehr auf das Wesentliche. Da werden ganz einfache Themen angeschnitten ("Streetlife" oder "Lost In TV"), auf Trauermelodien wird gänzlich verzichtet und das Album ist insgesamt eine wunderbare Unterhaltung für triste Herbstabende.

Dabei tat man sich bei Suede mit den Aufnahmen mehr als schwer. So hatte man bereits ein komplettes Album eingespielt, selbiges aber dann lückenlos in die Schrottpresse geworfen, so unzufrieden war man mit dem Ergebnis. Diesen Prozess und dass das Album quasi ein "zweiter Anlauf" ist, merkt man den Songs von "A New Morning" zum Glück nicht an. Die Lieder an sich sind bestens arrangiert und bis auf eine Ausnahme ("Morning") überzeugend. Schwächen darf man also nicht bei den Songs an sich suchen, sondern in der Gesamtheit der Platte. Denn insgesamt wirkt das alles ein wenig überproduziert und glatt, mit Hang zur Überperfektion. Ein paar mehr Ecken und Kanten hätten es schon sein können. Und dass Brett Anderson hier und da stimmlich ein bisschen nachlässt, konnte auch die perfekte Produktion nicht wirklich verhindern.

Ansonsten ist "A New Morning" ein feines Stück Brit-Rock ohne große Höhepunkte, aber mit viel Gefühl und einer gehörigen Portion Optimismus ausgestattet. Kein Muss, aber sicherlich auch kein Fehlkauf.

Anspieltipps:

  • Positivity
  • Beautiful Loser
  • Lost In TV
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