Lifehouse - Stanley Climbfall - Cover
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Lifehouse Stanley Climbfall


  • Label: Dreamworks/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Normal würde man es kaum für möglich halten, dass junge Burschen um die 20 Jahre so verschnarchte Musik abliefern.

Die Informationspolitik der Plattenfirma im Zusammenhang mit dem zweiten Lifehouse-Album ist gelinde gesagt als konfus zu bezeichnen. Es ist zwar inzwischen zur (Un-)Sitte geworden, dass CDs zuerst in den USA erscheinen und Monate später auf den europäischen Markt geschmissen werden. Aber im Fall von „Stanley Climbfall“ klappte dies keinesfalls reibungslos. Geplant war eine USA-Veröffentlichung am 17. September und ein Europa-Release am 25. November. Doch kaum war das Werk Ende September in den USA gechartet, stand es auch in den hiesigen Plattenläden. Und das weit vor dem offiziellen Deutschland-Termin. Laut Info des Labels DreamWorks handele es sich dabei um eine teure Import-Version. An dem regulären Veröffentlichungstermin in Deutschland werde sich nichts ändern. Da sich der Handelsabgabepreis der angeblichen Import-CD tatsächlich nur marginal von dem „normaler“ CDs unterscheidet und die Europa-Version eine identische Tracklist haben wird, ist das krampfhafte Gebaren des Plattenlabels nicht nachzuvollziehen, fast ein Vierteljahr mit der offiziellen Veröffentlichung zu warten. Wenn man ehrlich wäre, würde man klipp und klar sagen, dass die CD erst erscheint, wenn die Band für exklusive Promotionszwecke in Europa zur Verfügung steht. Das ist branchenüblich und durchaus keine Seltenheit.

Warum nun diese ausführliche Beschreibung der VÖ-Problematik? Ganz einfach, weil es über die noch sehr junge Band, außer ihrer hörenswerten Musik, nicht viel zu berichten gibt. Sänger, Texter und Gitarrist Jason Wade begann bereits im Alter von 12 Jahren mit dem komponieren von Songs. Da seine Eltern sich getrennt hatten, und er viel Zeit alleine verbrachte, konnte er auf diesem Weg seine Gefühle ausleben. Nach einem Umzug nach Los Angeles begann Wade mit anderen Jugendlichen Musik zu machen und gründete 1996 die Band Blyss aus der später Lifehouse hervorgingen. Gemeinsam trat man in Highschools und Colleges auf und spielte Demotapes ein. Eine dieser Kassetten gelangte in die Hände eines A&R-Mannes von DreamWorks, dem Label, wo Lifehouse später ihren ersten Plattenvertrag erhielten. Das Resultat war das im Herbst 2000 veröffentlichte Debüt „No name face“, das sich im Sog der hervorragenden Singleauskopplung „Hanging by a moment“ allein in den USA über zwei Millionen Mal verkaufte. Die Platte bewegte sich stilistisch im Fahrwasser von Bands wie Matchbox 20, Live und den Goo Goo Dolls, also am Mainstream orientierter College-Radio-Rock, der in den USA eine Tradition hat, wie hierzulande Volksmusik.

Im Frühling und Sommer des Jahres 2002 spielten Lifehouse zusammen mit Produzent Ron Aniello in den RoyalTone Studios in Hollywood ihr zweites Album ein und leisteten sich erneut den Luxus, Studio-Legende und Springsteens „The rising“-Producer Brendan O’Brien (Aerosmith, Korn, Limp Bizkit, Pearl Jam, Red Hot Chili Peppers, Rage Against The Machine) als Mixer zu verpflichten. Kurz vor Veröffentlichung der Platte gaben Jason Wade (Vocals), Sergio Andrade (Bass) und Rick Woolstenhulme (Drums) bekannt, dass Ricks jüngerer Bruder Sean von der erfolgreichen Teen-Rock-Band The Calling zu Lifehouse gewechselt ist und den Posten als hauptamtlicher Gitarrist übernimmt. Mit der Albumproduktion hatte dieser aber noch nichts zu tun.

Als Opener der CD fungiert die erste Singleauskopplung „Spin“, eine schmissige Rockhymne mit unbestreitbaren Hitqualitäten, die nach der Maxime „heute werden keine Gefangenen gemacht“ aus den Boxen knallt. Das ist wirklich starkes Material, welches sofort von einem Song gefolgt wird, der nicht sonderlich überzeugen kann. „Wash“ heißt er und ist ein schleppender Groover mit zaghafter Hookline und arg verschachtelter Komposition. „Sky is falling“ ist in elektrischer und akustischer Version gleich zweimal vertreten. Warum, weiß wohl nur die Band, da auch dieses Stück kein besonderer Bringer ist und allenfalls als nette Unterhaltung durchgeht. In diesem Stil geht es unaufgeregt weiter, sodass man sich schon nach vier fünf Stücken besorgt fragt, ob das wirklich alles ist, was die Band zu bieten hat. Und tatsächlich wird die Energie des ersten Songs fortan nie mehr reproduziert, sondern nur noch Midtempo-Lieder dargeboten, die jeden Bon-Jovi-Weichspüler-Hasser auf die Palme bringen müssten. Als Ausnahmen möchte ich den Titeltrack „Stanley Climbfall“, „Take me away“ und den Bonus Track „How long“ heranziehen. Diese Songs bieten noch so etwas wie Abwechslung und treten den Kampf gegen das übermächtige Einerlei an.

Normal würde man es kaum für möglich halten, dass junge Burschen um die 20 Jahre so verschnarchte Musik abliefern. Aber eben dieses Grauen spielt sich in der knappen Stunde Spielzeit des zweiten Lifehouse-Werkes ab. Da nützt Jason Wade auch seine, zugegeben, charismatische Eddie-Vedder-Stimme nicht viel. So ist „Stanley Climbfall“ eine vergleichbar enttäuschende Platte wie das Pendant „Camino Palermo“ von The Calling. Auch auf dieser CD finden sich maximal vier herausragende Songs. Ansonsten regiert der Durchschnitt in Form glattgebürsteter Songs ohne Ecken und Kanten, die keinen Rockmusikfan hinter dem Ofen hervorlocken können. Das ist das traurige Fazit einer Platte, um die das Label ein Bohei veranstaltet, als sei sie das achte Weltwunder.

Anspieltipps:

  • Spin
  • Take me away
  • Stanley Climbfall
  • How long (Bonus Track)
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