Joan Osborne - How Sweet It Is - Cover
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Joan Osborne How Sweet It Is


  • Label: Sanctuary/ZOMBA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Puzzle aus 12 Coverversionen wird zu einem harmonischen Bild zusammengesetzt.

Für den durchschnittlich interessierten Plattenkäufer zählt Joan Osborne vermutlich zur großen Schar der sogenannten „One Hit Wonder“. Vom kommerziellen Standpunkt aus ist diese Sichtweise sogar richtig, denn bis auf ihren Superhit „One of us“ vom ´95er Album „Relish“ spielte sie in den Charts keine große Rolle. Dabei geht ihr Engagement weit über das einer Singer- Songwriterin hinaus. In ihrer nun mehr über zehn Jahre andauernden Karriere machte sich Joan Osborne einen Namen als Sängerin, Produzentin, Festivalorganisatorin, Label-Cheffin und Kämpferin für Frauenrechte.

Angefangen hat alles an der New Yorker Filmhochschule, als sich Joan Osborne ihren Traum vom Filmemachen verwirklichen wollte und ihr Studium durch Auftritte in der Blues Bar „Delta 88“ finanzierte. Keine schlechte Adresse, um auf sich aufmerksam zu machen, war doch eben jener Club bereits Ausgangspunkt der Karrieren der Spin Doctors, Blues Traveller oder Chris Whitley. Schon bei ihren ersten Auftritten fiel die 1963 in Anchorage, Kentucky geborene Sängerin durch ihre rauchige Bluesstimme auf, was auf ihrem ersten Album „Soul show“ aus dem Jahr 1992 eindrucksvoll dokumentiert wird. Die Songs wurden live in verschiedenen New Yorker Clubs aufgezeichnet und bekamen starke Reviews in den einschlägigen Magazinen. Kurz nach der Veröffentlichung der ´94er EP „Blue million miles“ wurde Joan Osborne vom Major Label Mercury Records verpflichtet, das im darauffolgenden Jahr das besagte Werk „Relish“ herausbrachte. Die Platte erhielt unglaubliche acht Grammy-Nominierungen und verkaufte drei Millionen Einheiten. Auf der Welle des Erfolgs schwimmend, zögerte Mercury nicht lange und schob nur ein Jahr später die CD „Early recordings“ nach, die die beiden Independent-Veröffentlichungen „Soul show“ und „Blue milion miles“ beinhaltete.

In der Zwischenzeit hatte Joan mit der Arbeit an einem neuen Album begonnen. Doch die Herstellung zog sich ungewöhnlich lange hin, verschlang diverse Produzenten und konnte die Plattenfirma am Ende doch nicht überzeugen. Nach drei Jahren des Wartens zog man bei Mercury die Notbremse und setzte die Künstlerin vor die Tür. Das „Righteous love“ betitelte Album fand dann im September 2000 über Interscope den Weg an die Öffentlichkeit, blieb aber von der Masse weitestgehend unbeachtet. Als Konsequenz zog sich Osborne in den Independent-Bereich zurück und reaktivierte ihr vor zehn Jahren gegründetes Label „A Womanly Hips“, das im Vertrieb der Compendia Music Group für die Veröffentlichung des neuen Werkes „How sweet it is“ verantwortlich ist. In Deutschland wird das Album von Zomba Records vertrieben.

Die von Rick Depofi (Natalie Cole, Mark Cohn, Shawn Colvin) produzierte CD enthält eine Sammlung von 12 R&B- Rock- und Soul-Klassikern so bekannter Acts wie Stevie Wonder, Aretha Franklin, Marvin Gaye, Dave Mason, Otis Redding, Jimi Hendrix und Edwin Starr. Dabei wurden die Stücke zum Teil erheblich umarrangiert und vermitteln auf diese Weise ein komplett anderes Feeling. So werden viele den Song „War“ in der kraftvoll rockenden Live-Version von Bruce „The Boss“ Springsteen kennen. Osborne macht aus der über 30 Jahre alten Hymne einen getragenen Soul-Blues, der, wie viele der Songs, von ihrer facettenreichen, fast schon schwarzen, Stimme lebt. Die Komposition wird mit einem völlig neuen Groove überzogen und verzaubert den Hörer mit Saxophone, Orgel und zurückhaltendem E-Gitarren-Einsatz. Dazu bedient sich Frau Osborne nicht ausschließlich ihrer bluesgetränkte Soulröhre, sondern singt von Zeit zu Zeit mit etwas angezogener Handbremse, was aber genauso angenehm klingt und sehr gut zu den Liedern passt. Und die Palette auf „How sweet it is“ ist weit gefächert: Ob satt groovend wie bei „Smiling faces sometimes“, mit einem kongenialen Isaac Hayes als Vokal-Partner und Meshell N’degeocello am Bass, funky rockend („Only you know and I know“), dem von sanft perlenden Gitarrenriffs und einem coolen Banjo-Twang geprägten „Think“, reinrassigen Popsongs („Love’s in need of love today“), oder das mit einem ebenso modernen wie nonchalanten Beat daherkommende „I’ll be around“. Osborne beherrscht ihr Metier. Sehr schön ist auch die Interpretation von „These arms of mine“ als eine Art Piano-Gospel.

Auf diese Weise setzt die 39-jährige Soul-Lady ein Puzzle aus 12 Coverversionen zu einem harmonischen Bild zusammen, das in der Lage ist, eine ganz besondere Stimmung zu erzeugen. Da das Empfinden von Musik ja bekanntlich abhängig von der persönlichen Gemütslage des Hörers ist und vermutlich keiner dauerhaft Emo-Core und Rotzlöffel-Rock aushält, spricht „How sweet it is“ diejenigen an, die ab und an eine gepflegte Priese relaxter Musik vertragen können, die die Seele umschmeichelt und begleitet, wie die letzten wärmenden Sonnenstrahlen auf einem herbstlichen Spaziergang im Park.

Anspieltipps:

  • War
  • Think
  • I’ll be around
  • Axis: Bold as love
  • Smiling faces sometimes
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