Matthew - Everybody Down - Cover
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Matthew Everybody Down


  • Label: Ryko Disk/ZOMBA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

All zu gerne wird Musik in Kategorien aufgeteilt und in Schubladen mit artverwandten Kollegen gesteckt. Nicht selten fühlen sich Newcomer dadurch ihrer Autonomie beraubt und verteufeln die Medien für, nach ihrer Meinung, zu unrecht angeführter Vergleiche mit etablierten Acts. Im Falle von Matthew wird sich der Ärger wohl in Grenzen halten. Referenzen à la Coldplay, Radiohead, Muse oder Foo Fighters sind wahrlich nicht die schlechtesten und machen den Rezensenten ganz nebenbei das Leben erheblich leichter.

Die Band formierte sich 1999 in Chicago, als sich Matt Sumpter (Drums) und Brian McSweeney (Vocals, Gitarre) um die Gunst desselben Mädchens balgten. Als keiner der beiden das Mädchen erobern konnte, mündete dies in ein Verhalten, das es so wohl nur bei der Spezies Mann gibt: Matt und Brian wurden die besten Freunde. Sie machten gemeinsam Musik und spielten in einer Band namens Lackluster, die sich der christlichen Rockmusik verschrieben hatte. Mit dem Bassisten von Lackluster, James Scott, und dem neu dazugekommenen Gitarristen Jason Stipe gründete man Ende des Jahres die Gruppe Matthew und spielte die Clubs in und um Chicago rauf und runter. Weshalb die Vier ihre Combo auf den ungewöhnlichen Namen Matthew tauften, begründet Mastermind Brian McSweeney damit, dass es der Band einen menschlicheren Touch gebe, als irgendwelche Phantasiekreationen.

Nachdem das Quartett zwei Jahre lang an Songs gebastelt und live ausprobiert hatte, unterschrieb man einen Vertrag beim kleinen Label Rycodisc, dessen Präsident George Howard von den Jungspunden so angetan war, dass er das Debütalbum „Everybody down“ zusammen mit Paul Kolderie (Radiohead, Hole, Morphine) als Produzent betreute. Im nagelneuen Flowers-Studio im Süden von Minneapolis entstanden so 12 Songs, bei denen sich Rock- und Popliebhaber genauso wie Brit-Pop-Verehrer wohlfühlen werden. Dabei verstehen es die Amerikaner geschickt, in Songs wie „Open wide“ oder „Everybody down“ melodische Rockmusik mir rauen Gitarren auf den Hörer loszulassen, genauso wie hoch emotionale Monolithen aus Kitsch und Melancholie in den Raum zu stanzen („The darkest night“). Texter und Sänger Brian McSweeney überrascht dazu mit einer Stimme, die zeitweise an das Lamentieren des kongenialen Jeff Buckley erinnert und in schwindelerregende Höhen vordringt. Wäre man gehässig, könnte man der Band vorwerfen, damit etwas über das Ziel hinaus zu schießen. Doch es sind gerade diese Gradwanderungen, die Allerweltsmusik von den großen Momente des so viel zitierten Emo-Core unterscheidet. Die erhöhte Dosis Pathos muss man dabei schlicht und ergreifend in Kauf nehmen. Entweder man hat ein Faible für diese Art von Musik oder ergreift ganz schnell die Flucht. Dazwischen gibt es keine Lösung!

Wer sich allerdings darauf einlässt, wird mit erstklassigen Hymen („In your car“), wunderbar gefühlvollen Balladen („This time“) und coolen Pop-Rock-Songs („Stream“) belohnt. Es gibt zwar auch Kompositionen, wie das fein rockende „Never“, die neben einer großartigen Melodie im Refrain nicht all zu viel zu bieten haben, aber trotzdem überzeugen können, oder seichte Pop-Liedchen wie „In the wonder“, die auf einer Rockplatte nicht unbedingt etwas zu suchen haben und eher von Transusen wie Starsailor erwartet werden. Den guten Gesamteindruck schmälert dies aber keinesfalls. Schließlich muss ein Album in sich stimmig sein und das schafft „Everybody down“ auf jeden Fall. Absoluter Höhepunkt ist der im Schlussdrittel versteckte Song „Where did you go“. Diese Ausgeburt eines Emo-Pop-Klang-Monsters ist allein den Kauf der CD wert und lässt auf weitere Geniestreiche in der Zukunft hoffen. Zwar hat Bassmann James Scott die Band inzwischen verlassen, weil er sich mehr um seine junge Familie kümmern will, doch das lässt die Bandentwicklung nicht ins Stocken geraten. Brian, Matt und Jason haben in der Zwischenzeit neue Songs geschrieben, die, wenn alles gut läuft, im nächsten Jahr auf der zweiten Matthew-CD das Licht der Welt erblicken. Bis dahin wird „Everybody down“ gewiss noch öfters in den CD-Playern dieser Welt rotieren. Außerdem wurde es auch langsam Zeit, dass man Chicago nicht allein mit den Smashing Pumpkins in Verbindung bringt.

Anspieltipps:

  • Where did you go
  • Everybody down
  • In your car
  • Stream
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