The Datsuns - The Datsuns - Cover
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The Datsuns The Datsuns


  • Label: V2/ZOMBA
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Songwriting bietet nichts Außergewöhnliches, was die Stimme von Dolf de Datsun auch nicht ist, aber die Jungs rocken einfach die Hölle.

Don’t believe the hype! Erste Bürgerpflicht beim Sondieren der englischen Fachpresse, die in schöner Regelmäßigkeit the next big thing gefunden haben will. Nach The Music, die von einem Teil der Rockpresse hochgejubelt wurden (und von einem anderen Teil gehasst werden), dürfen sich nun vier Jungs aus dem beschaulichen Cambridge im fernen Neuseeland über Lorbeeren im Familienpack-Format freuen. Doch was ist dran am Briten-Hype um die Schweinerock-Combo The Datsuns? Art- und stilverwandt mit In-Bands wie The Strokes, Black Rebel Motorcycle Club, The Vines, The Hives oder frühen Hellacopters mischen sich in das Schaffen der vier Datsuns (Dolf de Datsun, Vocals & Bass; Christian Datsun, Guitar; Phil Datsun, Guitar; Matt Datsun, Drums) Einflüsse von AC/DC, The Ramones (denen der Joke mit den gleichen Nachnamen schließlich auch nicht geschadet hat) und Deep Purple.

Dass die Datsuns auf der 70er-Jahre-Retro-Welle mitschwimmen, verhehlen sie überhaupt nicht. Innovationen? Die sind vom Debüt-Werk der Kiwis nicht im geringsten zu erwarten. Warum auch? Nicht jede neue Band muss die Musikwelt revolutionieren, auch wenn das manche Kritiker meinen. Die Datsuns verfolgen nur ein Ziel: Rocken bis der Arzt kommt! Dementsprechend flott geht’s los. „Sittin’ Pretty“ legt gleich die Schlagzahl vor, die sich über die kurzen 39 Minuten Spielzeit auf diesem Niveau einpendelt. Ein straighter Rocker mit eingestreuten Gitarrensoli, die bei den Datsuns nie zu kurz kommen und bei jedem Song präsent sind. Laut, dreckig und erfrischend direkt. Danach legen die Jungs noch eine Schippe nach und frönen dem Fun-Rock beim AC/DC-liken „Motherfucker from hell“. Der Text spricht für sich. Hier geht’s nicht um filigrane Rockarbeit, sondern schlicht um Spaß und Drauflosspielen bis die Schwarte kracht. Mit „Lady“ können die Vier (im übrigen nicht verwandten) ein erstes Highlight setzen. Das Teil rockt amtlich geradeaus und präsentiert auch erstmals so etwas wie eine catchy hookline, die über das gesamte Album spärlich gesät sind. „Harmonic Generator“ stampft kräftig los - zu leicht verzerrter Stimme von Dolf de Datsun - und nimmt nach dem obligatorischen Gitarrensolo Fahrt auf. „What would I know“ beginnt wie die Datsun-Version von Alice Coopers „School’s out“, erweist sich aber dennoch als gute Nummer. Dolf schreit und kreischt, was die Stimme hergibt und macht das Gerät zum gradlinigen Rocker, der durch ein eingängiges Riff getragen wird.

Extrem durch den Voice-Fader-Wolf gedreht ist „At your touch“, bei dem wieder deutlich AC/DC-Wurzeln hervorwuchern - eines der temporeichsten Stücke des Albums. „Fink for the man“ gönnt dem geneigten Hörer wenigstens zu Beginn eine kleine Verschnaufpause, lässt den Bass ein wenig zuppeln, bevor Schreihals Dolf ein herzliches „come on’“ ins Mikro brüllt und die Gitarren den Song voranpeitschen. Nach einer kleinen Zwischenpause, die sogar ein wenig Doors durchscheinen lassen, entlädt sich der aufgestaute Geschwindigkeitsverlust in einer Kreischorgie und anschließenden Soli, die definitiv zur Luftgitarre einladen. Mit Track 8 bringen die Datsuns nicht nur die erste Singleauskopplung, sondern auch das Glanzstück ihres Debüts unter die Leute. Bei „In love“ geht die Post ab, die Schweineorgel rotiert auf Höchstgeschwindigkeit, die Gitarren röhren und Dolf de Datsun gibt alles, was drin ist. Zudem ist das Teil wahrscheinlich das eingängigste des Albums. Das Stück macht richtig Laune. Spontane Unterstützung im Background erhielten die Datsuns übrigens von Carrie-Ann Smith und Marcie Bolan von Detroits Rock-Hoffnung The Von Bondies. „You build me up“ bringt wieder den Voice-Fader zum Dauereinsatz und bietet Drummer Matt Datsun mal die Gelegenheit, sich stampfend zu Wort zu melden - eine solide Rock-Nummer. Um noch einmal allen zu zeigen, dass bei den Datsuns gerockt wird, beschließen die vier Neuseeländer ihr kurzweiliges Debüt mit dem getriebenen Rocker „Freeze Sucker“.

Ist der Hype nun berechtigt oder nicht? Wie gesagt, Neues bieten auch The Datsuns nicht, dafür dröhnen einem die Vier herzerfrischenden, straighten Rock’n’Roll um die Ohren. Das Songwriting bietet nichts Außergewöhnliches, was die Stimme von Dolf de Datsun auch nicht ist, aber die Jungs rocken einfach die Hölle. Und das ist doch auch schon was...

Anspieltipps:

  • In love
  • Lady
  • Sittin’ pretty
  • What would I know
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