Lisa Loeb - Hello Lisa - Cover
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Lisa Loeb Hello Lisa


  • Label: Artemis Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Um etwaigen Verwechslungen beim Anblick des nebenstehenden Albumcovers zuvorzukommen, stellt der Rezensent von vornherein klar, dass es sich nicht um die Besprechung des neuen Nana-Mouskouri-Albums, sondern um das mittlerweile vierte Werk der überaus talentierten Singer/Songwriterin Lisa Loeb aus Bethesda, Maryland (USA), handelt. Womit der obligatorische Running-Gag in Bezug auf das unübersehbare Markenzeichen verbraten ist und wir uns beruhigt dem Schaffen der 34-Jährigen widmen können.

Lisa Loeb ist seit nunmehr zehn Jahren im harten Musikbusiness zu Hause und hat in dieser Zeit sämtliche Höhen und Tiefen durchlaufen. Ihre Karriere begann in den frühern 90er Jahren, als sie sich mit ihrer Band „Nine Stories“ durch die Musik-Clubs des mittleren Westen spielte und nebenher eine Musik-Kassette mit ihren Songs („The purple acoustic tape“) vertrieb. Ende 1993 sprach sie ihr Freund, der bekannte Schauspieler Ethan Hawke, an, für seinen nächsten Film „Reality Bites“, unter der Regie von Ben Stiller, ein paar Songs beizusteuern. Für die vertragslose Musikern eine tolle Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen. Aus den vorgelegten Songs entschied sich Ben Stiller für den Titel „Stay (I missed you)“, der im Mai 1994 als Single ausgekoppelt und innerhalb kürzester Zeit mit über 750.000 verkauften Einheiten zu einem Welthit wurde. Aber nicht nur das. Das Lied kletterte in den USA bis auf Platz 1 der Charts und avancierte zur ersten Nummer-1-Single eines Künstlers ohne Plattenvertrag. Logisch, dass dies nicht lange so blieb. Geffen Records nahm Loeb und Band Ende 1994 unter Vertrag und im folgenden Jahr wurde das gelobte Debüt „Tails“ veröffentlicht, das sich prächtig verkaufte und eine Grammy-Nominierung einheimsen konnte. Zwei Jahre später folgte „Firecracker“, das wiederum eine erfolgreiche Single („I do“) abwarf und Frau Loeb zu einer der angesagtesten Künstlerinnen ihrer Generation machte.

Doch es kam, was kommen musste. Es dauerte satte fünf Jahre, bis Lisa Loeb ihr drittes Album unter der Mithilfe diverser Starproduzenten (Glen Ballard , Peter Collins , Randy Scruggs , etc.) fertiggestellt hatte. Viel zu lange in unserer schnelllebigen Gesellschaft und völlig inakzeptabel für Loebs derzeitiges Label A&M Records. Dieses weigerte sich schlicht und ergreifend Werbung für „Cake and pie“ (2002) zu machen und ließ die Künstlerin am ausgestreckten Arm verhungern. Obwohl das Album seinen Vorgängern qualitativ in nichts nachstand, war der Flop vorprogrammiert und die Basis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben. Aus der Not heraus entstand die Idee, das Album in leicht veränderter Form bei einem anderen Label nochmals zu veröffentlichen, damit die wirklich gelungenen Songs durch bessere Promotion eine neue Chance erhalten konnten. Und so steht das ehemals „Cake and pie“ betitelte Werk unter dem neuen Namen „Hello Lisa“ seit dem 8. Oktober 2002 im Vertrieb von Artemis Records erneut in den Plattenläden. Allerdings erst mal nur in den USA. Für Europa gibt es leider noch keine konkreten Pläne.

Von den ursprünglichen zwölf Songs wurden drei durch neue Kompositionen ersetzt und in komplett geänderter Reihenfolge zusammengeführt. Das Ergebnis ist eine Dreiviertelstunde charmante Gitarren-Popmusik mit geistreichen Texten zwischen Romantik und alltäglichen Beobachtungen. Besonderes Augenmerk muss dabei auf die Mithilfe von Loebs Lebensgefährten Dweezil Zappa gelegt werden, der „Cake and pie / Hello Lisa“ als Co-Songwriter, Co-Produzent und Gitarrist betreute und einige bemerkenswerte Duftmarken setzt. Seine mit Bedacht eingestreuten E-Gitarren-Licks veredeln das Album und stellen einen gelungenen Kontrast zur dominanten Akustikgitarre von Frau Loeb dar. Am besten kommt dies beim Song „Payback“ zur Geltung. Hier schüttelt der Meister mal eben eine der effektivsten Gitarrenarbeiten des Jahres aus dem Ärmel, zu dem das Wurlitzer-Piano pluckert und der Bass langsam pumpt. Das erzeugt beinahe Blues-Feeling und bringt etwas Abwechslung in den Folk-Pop der Lisa Loeb.

Zu den herausragenden Stücken der CD zählen weiterhin „Underdog“, ein Popsong mit zurückhaltendem Streicher-Einsatz, „Drops me down“, eine traurige Ballade, die etwas an die späten Cardigans erinnert und eindeutig von Michael Sherwoods Wurlitzer-Piano und Dweezil Zappas atmosphärischer E-Gitarre lebt, „Everyday“, das in seiner Art stark an die letzte CD von Natalie Imbruglia erinnert sowie „Someone you should know“, die beste und eingängigste Komposition, die den Sinn von Popmusik in 3:20 Minuten einfängt. Ebenfalls nicht zu verachten sind „You don’t know me“, ein flockiger gute Laune Popsong mit einem ganz besonderen „Pfeiffen-Chor“, „The way it really is“, eine von Glen Ballard glattgebürstete Halbballade und „What am I supposed to say?“, ein rauer Song mit coolem Hammond-B3-Einsatz. Zum Abschluss wird dem Hörer nochmals fröhlicher Mitsing-Pop serviert („Take me back“), ehe der Hidden-Track ein weiteres Mal „What am I supposed to say?“ präsentiert, diesmal allerdings in einer Akustikversion. Nett, aber irgendwie auch überflüssig.

Alles in allem ist „Hello Lisa“ ein gelungenes Gitarren-Pop-Album geworden, das in seiner ursprünglichen Version völlig zu unrecht von der Plattenfirma an die Wand gefahren wurde. Natürlich handelt es sich um kein Meisterwerk, aber immerhin um überdurchschnittliche Singer/Songwriterkunst, die sogar ein bis zwei Singlehits abwerfen könnte und dem geneigten Hörer gewiss ein paar vergnügliche Stunden bereiten dürfte. Wer also mit „Tails“ und „Firecracker“ etwas anfangen konnte, liegt bei „Hello Lisa“ auch nicht falsch.

Anspieltipps:

  • Someone you should know
  • Drops me down
  • Take me back
  • Everyday
  • Underdog
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