Bad Astronaut - Houston: We Have A Drinking Problem - Cover
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Bad Astronaut Houston: We Have A Drinking Problem


  • Label: Fat Wreck/SPV
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei der Gruppe mit dem ulkigen Namen Bad Astronaut handelt es sich um ein aus dem Zufall heraus entstandenes Spaßprojekt um den kalifornischen Punk-Heroen und Lagwagon-Mastermind Joey Cape. Die ursprünglich als Trio gestartete Combo veröffentlichte vergangenes Jahr ihre Debüt-E.P. „Acrophobe“, die fast ausschließlich in Lagwagon-Fankreisen für Aufsehen sorgte, ansonsten aber durch gepflegte Nichtbeachtung gestraft wurde. Obwohl es nicht sicher war, ob und wie es mit dem vermeintlichen Sideproject weitergehen würde, legten Lagwagon eine vorübergehende Pause vom Platte/Tour-Stress ein, sodass Joey Cape die freie Zeit nutzen konnte, endlich ein vollwertiges Album mit seiner Zweitband einzuspielen.

Offensichtlich sprach sich dieses Vorhaben in der Punk-Szene von Santa Barbara (Kalifornien) schnell herum, denn aus dem Trio ist inzwischen eine Art Bigband mit nicht weniger als sieben Mitgliedern geworden. Neben Herrn Cape (Vocals, Gitarre) verdingen sich in der Zwischenzeit auch die Kollegen Derrick Plourde an den Drums (The Mad Caddies), Angus Cooke am Cello (The Ataris), Marko 72 am Bass (Sugarcult), Jonathan Cox (zuständig für Keyboards und Loops), Thom Flowers (Gitarre) und Todd Capps (Keyboards, Vocals) bei den schlechten Astronauten. Gemeinsam spielte man in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren 14 Songs für „Houston: We have a drinking problem“ ein, da auf dem Album auch Stücke aus den aller ersten Sessions aus dem Jahr 2000 verwendet wurden. Doch bevor nun sämtliche Punk-Fans dieser Welt losstürmen, um sich die CD zu kaufen, sei eine Warnung vorweg geschickt: Bad Astronaut spielen hier alles andere als Punkmusik. Bei diesem Projekt lassen die Musiker ihre Leidenschaft für bombastischen Emo-Pop aus, der deutliche Einflüsse von David Bowie („These days“ ist die legitime Fortsetzung des „Major Tom“-Themas und als Opener der perfekte Einstieg in die Klangwelt der sieben Astronauten) und dem unvergleichlichen Power-Pop der Foo Fighters („Break your frame“) zu Zeiten ihres Debüts trägt. Oder wie Sänger Joey Cape es ausdrückt: „Viele Stücke sind traurig und langsam, aber dennoch sehr stark. Diese Musik ist ein Medium, ein Prozess. Es tut gut, sich auszudrücken. Dies ist eben nicht immer positiv. Ich denke, unterm Strich ist es aber etwas Gutes. Wenn sich Leute damit verbinden können, ist es gut."

Insgesamt stellen die Songs eine wunderbar ausgeglichene Mischung aus rauen Rocksongs („Single“, „Clear cutting“), melancholischen Pop-Kleinoden („Disarm“, „Our greatest year“), symphonischen Rock-Opern („If I had a son“) und sphärischen Ton-Inseln („Another dead romance“, „The passenger“) dar, die unverschämt vielseitig instrumentiert wurden. Ob Streicher, Piano, Synthesizer oder klassische Gitarre/Bass/Schlagzeug-Darbietungen, die Band beherrscht die komplette Palette des großen Gefühls und setzt diese am liebsten bei jedem einzelnen Song ein. Warum auch sparen, wenn man Talent im Überfluss besitzt? Da ist es natürlich auch von immenser Wichtigkeit, dass die Vocal-Parts entsprechend rüberkommen. Doch darüber braucht man sich bei Joey Cape wie immer keine Sorgen machen. Alle Musiker bieten perfektes Handwerk von der ersten bis zur letzten Minute. Somit fällt das Urteil am Ende leicht aus.

Die schlechten Astronauten liefern mit „Houston: We have a drinking problem“ exakt das Album ab, wie man es sich vom jüngsten Foo-Fighters-Werk „One by one“ gewünscht hätte: Satte Gitarren, gefühlvoller Gesang, große Pop-Melodien und Texte mit einem Mindestmaß an Intelligenz, anstatt dämlicher Brüllorgien, billigen Riffs aus dem Abfalleimer der Queens Of The Stone Age und absolut sinnfreier Lyrics aus der Feder von Dumpfbacke Dave Grohl.

Anspieltipps:

  • These days
  • You deserve this
  • If I had a son
  • Solar sister
  • Another dead romance
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