Badly Drawn Boy - Have You Fed The Fish - Cover
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Badly Drawn Boy Have You Fed The Fish


  • Label: XL Recordings/ZOMBA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Mann mit der Mütze hat es wieder einmal geschafft: Ich kann reinen Herzens und ohne mich zu schämen behaupten, Popmusik in meinem CD-Player auf Heavy-Rotation laufen zu haben. Denn Damon Gough alias Badly Drawn Boy zaubert auf seinem dritten Longplayer einmal mehr ein Füllhorn an unwiderstehlichen Melodien, wunderschönen Gesangslinien und enormem Charme aus dem Hut. Popmusik, die deutlich macht, dass der Pop eben nicht aus synthetischen Popstar-Retorten besteht, sondern noch immer aus talentierten Songwritern, die die Tradition der Pop-Erfinder, den Beatles, fortsetzen.

"Have You Fed The Fish?", nach "The Hour Of Bewilderbeast" und dem Soundtrack zu "About A Boy" das dritte Album des 33-jährigen Briten, bietet alles, was man hätte erwarten können und noch viel mehr. Die sehr persönlichen Texte, die einen ironischen Einblick in das Privatleben des bemützten Gough geben, zerbersten geradezu vor zitattauglichen Statements. Allein schon das Südkurven-taugliche "Have You Fed The Fish?" greift eine alltägliche Frage im Hause Gough auf, die Tag für Tag gestellt: "Hast du die Fische gefüttert?" Hier erfreut man sich gnadenlos an der Banalität und man will es Badly Drawn Boy auch nicht wirklich übel nehmen, denn "How can I give you the answers you need, when all i posess is a melody?", wie er im fantastischen "How?" fragt. Letzteres ist ein wahres Pop-Monster, das laufend zwischen rockigen Refrains und melancholischen Strophen hin und herschaltet und ein ungemein intensives Lied abgibt.

Dem stehen in Nichts nach die weiteren Highlights des Albums, die man gesondert erwähnen sollte. Das enorm beschwingte "Born Again" dürfte an jedem noch so tristen Tag dem Hörer ein Lächeln auf das Gesicht zaubern, "All Possibilities" klingt wie der perfekte Popsong im Jahre 2002, der beatleske Melodien mit Future-Folk verbindet und "The Further I Slide" bedient sich - man glaubt es kaum - an Seventies-Disco-Anleihen, während die famose "Bedside Story" einen Abschluss der klassischen, aber sehr schönen Sorte bietet.

Ob balladesk, fröhlich, rockig oder verschroben innovativ, dem Badly Drawn Boy gelingt es hier einmal mehr, dem Pop seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken und seine eigenen Emotionen perfekt in handliche Songs zu verpacken. Das ist derzeit ohne Vergleich, wo doch ähnliche Künstler wie "Beck" sich der Bedeutungsschwere verschrieben haben. Gough lässt hier den Pop zu Worte kommen, schreibt griffige Melodien über banale Dinge und man fragt sich wirklich, wie es so etwas in diesen tristen Zeiten überhaupt noch geben kann. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Anspieltipps:

  • Have You Fed The Fish?
  • You Were Right
  • Born Again
  • All Possibilities
  • How?
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