Die Toten Hosen - Opium Fürs Volk - Cover
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Die Toten Hosen Opium Fürs Volk


  • Label: JKP/WEA
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Opium fürs Volk“ haben sich die Herren Frege, Breitkopf, Meurer, von Holst und Rohde ein Denkmal in ihrer Fangemeinde gesetzt.

Mit „Opium fürs Volk“ gelang den Toten Hosen erstmals nach dem 1988er Meisterwerk „Horrorschau“ wieder einmal der große Wurf. Hatte man zuvor zwar solide („Kauf mich!“) und überdurchschnittliche Ware („Auf dem Kreuzzug ins Glück“) abgeliefert, so ließ aber vor allem letzteres Werk das gewisse Etwas vermissen, das eben 1996 mit „Opium“ geschaffen wurde.

Was hier ganz besonders glänzt, ist die schiere Dichte an erstklassigen, eingängigen und mitgrölfähigen Punkrockkrachern, die Ihresgleichen sucht. Sei es die unwiderstehliche Hymne „Bonnie & Clyde“ (für viele DER Hosen-Song), das stark gesellschaftskritische „Paradies“ mit Zeilen wie „Wenn ich nicht reindarf, wie ich bin, bleib ich draußen vor der Tür“, die Identifikationsmöglichkeiten für eine ganze Generation liefern. Dabei spielt Abwechslung eine große Rolle: Eingeleitet vom stürmischen „Vater unser“ über das knallende „Mensch“ (so hart hatte man die Hosen lange nicht mehr gehört), das zirpende, originelle „Fliege“ geht es mit dem extrem religionskritischen „Die Zehn Gebote“ weiter, das seinerzeit für Skandälchen gesorgt hat.

Mit „Nichts bleibt für die Ewigkeit“ polarisieren die Hosen ein weiteres Mal. Das „sperrige, ungemütliche“ Lied (O-Ton Bassist Andi) ist sicher Geschmackssache, ebenso wie das Dub „Ewig währt am längsten“ und das drogenvernebelte „XTC“. Außer Konkurrenz steht das äußerst aktuelle Problematiken ansprechende „Böser Wolf“, das Kindesmissbrauch anprangert und auch musikalisch überzeugen kann. Dann aber retten die eingängigen „Bonnie & Clyde“, „Paradies“, „Seelentherapie“, „Der Froschkönig“ (der Vorläufer von „Was zählt“) sowie das sehr originelle „Und wir leben“ die Platte in den Mainstream über und verlieren trotzdem keinesfalls ihr Gesicht, sondern bleiben Hosensongs voller Kraft und Energie.

Und so hören fast ganz am Ende noch mal „Viva La Revolution“, auf einer Platte, auf der wir derartige Botschaften wohl kaum noch erwartet hätten. Dennoch ein famoses, treibendes Lied. Den krönenden Abschluss setzt das ironische „Zehn kleine Jägermeister“, das im krassen Kontrast zu den eher ernsten Botschaften bezüglich Kirche, Kindesmissbrauch und Vergänglichkeit von „Opium“ steht. Und noch ironischer: Eben dieses Lied wurde zum größten Single-Hit der Hosen überhaupt.

So haben sich die Herren Frege, Breitkopf, Meurer, von Holst und Rohde mit „Opium fürs Volk“ quasi ein Denkmal in ihrer Fangemeinde gesetzt, auch wenn man eingestehen muss, das hier der endgültige Eintritt in die Bravo-, The Dome- und Konsorten-Liga stattfand. Aber solange die Musik nicht darunter leidet, kann man den Düsseldorfern keinen Vorwurf machen: Unbedingt kaufen, wenn es nicht schon längst im Regal steht.

Anspieltipps:

  • Mensch
  • Bonnie & Clyde
  • Paradies
  • Seelentherapie

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