SR-71 - Tomorrow - Cover
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SR-71 Tomorrow


  • Label: RCA/BMG
  • Laufzeit: 46 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor knapp zwei Jahren machte eine Band aus Baltimore (USA) auf sich aufmerksam, die sich ungeniert bei ihren großen Vorbildern aus den letzten 30 Jahren der Rock- und Popgeschichte bediente und das Ganze mit einer gehörigen Portion Pop-Punk à la Blink-182 mischte. Die „New York Daily News“ beschrieb diesen Sound als „Green Day meets The Beatles“, was der Sache recht nahe kommt, wobei die Einflüsse nach eigener Einschätzung eher bei Bands wie Queen, The Police, Sex Pistols, The Clash oder Duran Duran (!) liegen.

Besagte Gruppe hört auf den ungewöhnlichen Namen SR-71 (benannt nach dem schnellsten Überschallflugzeug der Welt) und besteht aktuell aus der Besetzung Mitch Allan (Lead Gesang, Gitarre, Texte und Musik), Mark Beauchemin (Gitarre, Keyboards, Gesang), Jeff Reid (Bass, Gesang) und John Allen (Drums, Gesang), wobei Letztgenannter erst nach dem in den USA mit Gold ausgezeichneten Debüt „Now you see inside“ hinzustieß und Gründungsmitglied Dan Garvin hinter der Schießbude ersetzte. Obwohl das von Gil Norton (Foo Fighters, Patti Smith, The Pixies) produzierte Album aus dem Jahr 2000 vor Ohrwürmern schier überquoll („Right now“, „Politically correct“, „Last man on the moon“), war ihm ein Erfolg in Europa nicht vergönnt. Kein Wunder, wenn sich die Fachpresse auf eine Band einschießt, um ihr aufgrund der Vorliebe für 80er Jahre Stadionrock und poppige Melodien, Authentizität und Glaubhaftigkeit abzusprechen. Das klingt stark nach Bon-Jovi-Syndrom, was an dieser Stelle nicht diskutiert werden sollte. Nur soviel: Natürlich kann man SR-71 ankreiden, dass sie auch auf ihrem zweiten Album „Tomorrow“ keinen eigenen Stil entwickelt haben und sich wieder ausgiebig im Fundus des Rock und Pop bedienen. Indes sollte dies eine eher untergeordnete Rolle spielen, wenn das Ergebnis als solches zu gefallen weiß.

Das Ende Oktober 2002 veröffentlichte Zweitwerk wurde von Neal Avron (Everclear, New Found Glory), Butch Walker (Marvelous 3) und Mastermind Mitch Allan in den Ocean Studios in Burbank, Kalifornien (USA), produziert. Es enthält elf Songs, die auf der „Now you see inside“-Tour komponiert wurden sowie eine Neuauflage des herausragenden Titels „Non-Toxic“, der bereits auf dem Debüt vertreten war und jetzt in einer Version vorliegt, die bisher nur auf dem japanischen Markt erhältlich war. Ein Großteil der Songs entstand nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001, wodurch der Grundton des Albums etwas düsterer ausgefallen ist, was besonders den Texten zugute kommt, allerdings nichts daran ändert, dass die meisten Songs lupenreine Pop-Punk-Lieder sind, die auch auf einer Blink-182-CD eine gute Figur abgeben würden („She was dead“, „Lucky“, „My world“). Dieser Drahtseilakt, ernste Themen in fröhliche Melodien zu verpacken, gelingt leider nicht bei allen Titeln, was den einen oder anderen Hörer ratlos stimmen könnte. Insgesamt fällt auf, dass der Sound um einiges härter ist, als vor zwei Jahren. Am beeindruckendsten ist in diesem Zusammenhang die stimmliche Leistung Mitch Allans, der sich ein ums andere Mal richtiggehend auskotzt und eine unglaubliche Aggressivität in die Stimme legt.

Trotz diverser Songperlen funktioniert die Symbiose aus Musik und Text beim Stück „Truth“ am besten. Es ist wie viele Tracks auf dem Album im dramatischen Laut/Leise-Stil arrangiert und wartet mit fetten Gitarrenriffs auf. Dazu gibt Allan einen Einblick in die Seele eines New Yorkers nach dem 11.09.01 („Blood and dust have changed all the colors in my mind. Black has made me see but the truth has made me blind. To the fears, to the lies. All the time the mouth of New York City talks. Spitting dust from streets to sideways. Pictures soaked in gasoline twisting to the steel and concrete. The smoke has cleared but I can’t breathe. The new day is a prison for the souls who’ve lost hope but I’ve been taught change comes to the ones who need it most”).

Fazit: „Tomorrow” ist eine Platte geworden, die den Kritikern wieder einiges an Angriffsmaterial liefert, aber auch einen Entwicklungsprozeß der Musiker ausmachen lässt. Aus den ehemals radiotauglichen Popsongs sind hart rockende Punksongs geworden, die trotzdem nicht auf eingängige Melodien verzichten. Wenn SR-71 jetzt noch einen eigenständigen Sound entwickeln, ist der Band auf lange Sicht einiges zuzutrauen.

Anspieltipps:

  • Truth
  • Goodbye
  • Hello hello
  • She was dead
  • The best is yet to come
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