Jennifer Lopez - This Is Me... Then - Cover
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Jennifer Lopez This Is Me... Then


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Worauf man sich auf jeden Fall verlassen kann, ist, dass auch das vierte Lopez-Werk eine amtliche Voll-Fett-Produktion erhalten hat.

Darauf hat die Welt gewartet: Die für jeden Manager als vermarktungstechnisches Rundumsorglospaket geltende Latina mit dem Liz-Taylor-Syndrom und dem Feuer Puerto Ricos im Hintern hat zum vierten Mal zugeschlagen! Mit „This is me... then“ stellte die 1970 im Bezirk Castle Hill in der New Yorker Bronx geborene Tochter eines Computertechnikers und einer Erzieherin im November 2002 ihr mittlerweile viertes Album der Öffentlichkeit vor.

Dabei hatte eigentlich niemand so schnell mit einem neuen Output der „sexiest woman in showbiz“ gerechnet. Schließlich wurde erst Anfang 2002 das Album „J to tha L-o! – The Remixes“ auf den Markt gebracht, das sich selbstredend blendend verkaufte und die an den Mann und die Frau gebrachten Jennifer-Lopez-CDs auf über 25 Millionen Einheiten schraubte. Für eine singende Schauspielerin (oder umgekehrt) mit beachtlich wenig Talent ist dies eine bemerkenswerte Zahl, aber auch ein klares Indiz dafür, dass Begabung alleine kein Erfolgsgarant darstellt.

Obwohl man den Eindruck haben kann, dass Frau Lopez in ihren Filmrollen (u.a. „Money Train“, „Selena“, „Out Of Sight“, „The Wedding Planer“, „Angel Eyes“, „The Cell“) oftmals nur ein optisch ansprechendes Beiwerk abgibt, ohne wirklich zu überzeugen, bzw. das Publikum für sich zu gewinnen, saugten die Plattenkäufer ihr Schallplattendebüt aus dem Jahr 1999 förmlich auf. „On the 6“, benannt nach der U-Bahn-Linie, die die Bronx mit Manhattan verbindet, verkaufte sich wie geschnitten Brot und brachte zahlreiche Hitsingles hervor („If you had my love“, „Let’s get loud“, „Waiting for tonight“, „Feelin‘ so good“). Dass es sich dabei um keinen Zufallserfolg handelte, bewies der inzwischen mit Sean „Puff Daddy“ Combs leierte Filmstar mit dem Nachfolgewerk „j.lo“ (2001). Auch aus diesem Album wurden fleißig Singles ausgekoppelt, die in erster Linie das männliche Publikum mit sehenswerten Video-Clips erfreuten („Love don’t cost a thing“, „I’m real“, „Play“, „Ain‘t it funny“, „I’m gonna be alright“) und Frau Lopez zur neuen Pop-Queen erhoben.

Diese exponierte Stellung gilt es nun zu verteidigen, was angesichts des neuen Oeuvres „This is me... then“ kein leichtes Unterfangen werden dürfte. Vorbei sind nämlich die Zeiten, in denen Lopez-CDs vor allem durch super-eingängige Dance- und Popsongs überzeugten und potentielle Käufer spätestens ab der dritten Singleauskopplung zum Kauf des Albums überreden konnten. Anno 2003 regiert im Hause Lopez nicht nur die Liebe zu Demnächst-Ehemann Nummer drei, Ben Affleck, sondern auch der Hang zu souligen Schwulstsongs mit vor Demut überquellenden Anschmachtungen an den Zukünftigen. Auf die Dauer ist dies absolut nervtötend und lässt zurecht die Frage zu, weshalb man dem Hörer eine elffache Wiederholung zumutet. Doch nicht nur auf textlicher Seite erlebt man das ein oder andere Déjà-vu-Erlebnis. Auch die einzelnen Songs unterscheiden sich kaum voneinander. Voller Konsequenz wird der neue Soul-Vibe bis zur Schmerzgrenze durchgezogen und kaum variiert. Zwar wird bei „The one“ ein Sample des Klassikers „You are everything“ verwurstet und bei „All I have“ Rapstar LL Cool J zur Mithilfe gebeten, doch das sticht aus dem 50-minütigen Soundbrei kaum heraus.

Obwohl das Album in nur zwei Wochen eingespielt wurde, scheint es sich bei den Kompositionen um alles andere als einfache Geburten zu handeln. In den Song-Credits tauchen im Durchschnitt fünf verschiedene Autoren und ebenso viele Produzenten auf. Für die erste Singleauskopplung „Jenny from the block“ werden gar neun (!) Songschreiber genannt, die dem unverschämt eingängigen wie heuchlerischen Bekenntnis „Used to have a little / Now I have a lot / No matter where I go / I know where I come from“ eine radiotaugliche Hookline geschneidert haben. Fragt sich nur, wer allen Ernstes daran glaubt, dass die liebe Jenny heute zwar reich, aber völlig normal geblieben ist. Eben das einfache Mädchen aus der Bronx, das seine Wurzeln nicht vergessen hat.

Worauf man sich auf jeden Fall verlassen kann, ist, dass auch das vierte Lopez-Werk eine amtliche Voll-Fett-Produktion erhalten hat, die die Songs in ein zeitgemäßes Gewand hüllen. Allerdings ist der gesamten Einspielung eine gewisse Seelenlosigkeit nicht abzusprechen, die einerseits an den sterilen Sounds, aber vor allem an Jenny’s schwachen Stimmchen liegt, das nicht in der Lage ist, die eh schon dürftigen Songs auf ein Mindestmaß an Qualität zu hieven. Trotzdem besitzt die CD einen entscheidenden Mehrwert: Quasi als Entschädigung für Lopez’ nicht besonders ausgeprägtes Gesangstalent, gibt es auf jeder Seite des prallen Booklets mindestens ein aufreizendes Hochglanzfoto der Dame zu bewundern. Damit lohnt sich der Kauf auch dann, wenn man die Musik eigentlich nicht mag.

Anspieltipps:

  • Jenny from the block
  • I’m gonna be alright (Remix)
  • You belong to me
  • The one
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