The Coral - The Coral - Cover
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The Coral The Coral


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Fluch der "The"-Bands geistert schon seit mehr als einem Jahr in den Köpfer des geneigten Musikhörers herum. Der Strom an Bands mit diesem bestimmten Artikel scheint nicht mehr abzureißen. Und nach The Libertines, The Datsuns, The Vines, The Strokes, The White Stripes, The Hives, The Hellacopters und so weiter jetzt The Coral. Man mag der Versuchung erliegen, dem selbstbetitelten Debüt mit sofortiger Wirkung einen gelangweilten Verriss zu widmen. Das wäre aber nicht nur falsch, sondern auch unfair, da diesem talentierten Haufen englischer Jugendlicher definitiv etwas Besseres gebührt als ein allzu schnelles Urteil.

Und genau dieses Urteil will man sich zunächst schnell bilden: Postpubertäre Wildfänge haben den Plattenschrank ihrer Eltern geplündert, The Doors, Fab Four, Cream und Pink Floyd ganz genau angehört, Gefallen an ihnen gefunden und sich zum Ziel gesetzt, es ihnen gleichzutun. Mit reichlich Psychodelika ausgestattet nehmen sie drogenschwanger Songs auf, die vor Eklektizismus geradezu zerbersten. Ein Gemischtwarenladen aus 20 Jahren Rockgeschichte.

Doch irgendwie haben The Coral dann doch noch etwas, was ihre vermeintlichen Konsorten nicht haben. Eine Eigenständigkeit, die sich schwer beschreiben lässt und in dem begrenzten Rahmen dieser Kritik kaum unter einen Hut gebracht werden kann. Sind "Spanish Main" oder "I Remember When" (eine herausragende Halbballade, die gegen Ende in ein ungestümes Stück russische Volksmusik auszuarten) noch reichlich psychodelisch und meinetwegen an The Doors mahnend, so folgt mit fröhlichen, hoch eingängigen und schlichtweg coolen Songs wie "Goodbye" oder "Dreaming of You" die Verwirrung auf den Fuß. Oder das geradezu furchteinflößende "Shadows Fall", das schamlos Reggae, Ragtime-Blues und schwurblige Surf-Akkorde paart. Die stilistische Vielfalt lässt sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen, was aber festzustellen bleibt: Was die sechs Engländer hier auf die Silberscheibe gepresst haben, ist mehr als nur eine billige Kopie der Vorbilder ihrer Eltern.

Dabei muss allerdings auch konstatiert werden, dass es definitiv etwas Zeit braucht, um Zugang zu finden zu diesem Füllhorn an Stilen und Melodien. Vielleicht wird man diese Platte nach zweimaliger Ansicht entnervt weglegen. Vielleicht wird man seine alten Doors-Platten rausholen und dann feststellen, dass früher doch alles besser war. Und der eine oder andere Song will auch nach zigmaliger Durchhörung partout nicht gefallen. Trotz allem ist "The Coral" ein gelungenes Album, das etwas Zeit zum Wachsen bleibt, den Hörer am Ende aber mit hervorragenden Melodien und auch ein bisschen Nostalgie beglückt.

Anspieltipps:

  • I Remember When
  • Goodbye
  • Calendars and Clocks
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